Kopfstimme und Synthesizer – bonnFM bei SOHN

SOHNs neues Album heißt RENNEN, handelt aber von Entschleunigung. Der hutliebende Musiker war im ausverkauften Kölner Yard Club und bonnFM hat sich die fast sakrale Show angeguckt.

Neben einem kleinen Waldstück liegt das industriell anmutende Gelände der Kantine und als wir ankommen, sehen wir Gäste von allen Seiten zu dem charmant-roughen Ort strömen. Die Location ist abgelegen, aber super angebunden und gefällt direkt.
Vor den Toren des Außengeländes begrüßt uns der schwarz getönte Tourbus von SOHN.

Der Toilettentrick

Wir kommen passgenau zum ersten Song und sind in der letzten Reihe der ausverkauften Halle spontan von dem sehr schönen Merch beeindruckt. Leider müssen wir nach der langen Anreise aus Bonn zur Toilette, die wir aus persönlicher Verwirrung erst nach einigen Minuten ausmachen. Sie ist direkt hinter der Bühne, was bedeutet, dass man sich an der Bar vorbei, durch die sehr gefüllte Halle Richtung Front Row drängeln muss. Das sorgt zwar für sehr unangenehme zehn Minuten, böse Blicke und zischende Kommentare, bringt aber den großartigen Vorteil, dass man sich nach dem Verrichten der Notdurft einfach, trotz spätem Ankommen, elegant an den Rand der ersten Reihe stellen kann.

Bild: Laura Dresch / bonnFM

Bild: Laura Dresch / bonnFM

Strobo hinterm kleinen Schreibtisch

Von hier sieht man den Engländer und Wahlkalifornier Christopher Taylor, der unter dem Namen SOHN Musik macht, die Wikipedia als Electronica- und Post-Dubstep bezeichnet. Über sein Privatleben ist so gut wie nichts bekannt, es geht einzig und allein um seine Musik. Er sitzt auf der Bühnenmitte an einem kleinen dezenten Tischchen auf dem seine Synthies liegen, deren Knöpfe er konzentriert drückt. Während er mit beeindruckend hoher Kopfstimme singt, loopt er sich selbst. Dazu wird das Publikum mit einer sphärische Lichtshow durch den Abend gewogen. Es wippt ein bisschen hin und her, tanzt aber wenig. Das liegt allerdings an der Musik und nicht an der Stimmung. Die ist super, der Applaus nach den Liedern begeistern und werden von vielen „Wooohooooooos“ begleitet.

Publikum: zwischen Bloggern und Bankangestellten

Das Publikum ist überraschenderweise sehr divers. 18-jährige Hipster schwingen ihre Halfbuns neben Alt-Hippies und twentysomethings mit Vollbärten. Die meisten genießen die Musik, aber grade in den ersten Reihen sind leider ein paar Besucher die anderthalb Konzertstunden intensiv mit ihrem Handys, Fotos und Instagram-Liveschalten inklusive Kommentarabfeuern beschäftigt und man wünscht sich das gute alte (selbst fast schon nicht mehr erlebte) Feuerzeug zurück. SOHN spielt querbeet so ziemlich jeden Song seiner beiden Alben „Tremors“ und dem frisch erschienenen „Rennen“.
Nach dem Konzert drücken sich alle glücklich die Treppe zum Außengelände herunter und verweilen noch vor der Kantine. Bei Bratwurst und Bier genießen alle draußen die vier Grad und ein seichtes Angrill-Feeling breitet sich aus.

Kommentar verfassen