Verliebt in Annett Louisans Spiel

Bild: © Semmel Concerts

Am 28.Februar eröffnete die Chanteuse Annett Louisan ihre Tournee 2017 in der Philharmonie Köln. Das Repertoire reichte von Klassikern wie Das Spiel, Liedern aus dem jetzigen Album Berlin, Kapstadt, Prag bis hin zu neuen Stücken. bonnFM war für euch dabei.

Beinahe 2.000 Menschen verstummen, als eine kleine Frau die Bühne betritt. Ihr Kleid ist schwarz, die Haare blond und ihre Erscheinung lässt nicht erahnen, dass man es hier mit einer 39-jährigen Frau zu tun hat. Immer noch wird Annett Louisan ihrem Lolita Image gerecht und präsentiert sich als wahrgewordene Kindsfrau. Herzlich nervös begrüßt sie das Publikum, fährt sich dabei über ihren kugelrunden Bauch und verkündet, dass sie heute einen „Passagier“ mitgebracht habe. Und klar zeigt sich: die funkelnden Augen einer werdenden Mutter sind nichts gegen die Stimme der werdenden Mutter Annett Louisans. Sie beginnt mit Kleine Zwischenfälle ihr Konzert und eine zarte Stimme bricht sich Bahn.

Louisan als Lolita

Louisan kokettiert mit dem Publikum, nimmt es mit zu sich auf die Bühne.Von Starallüren ist sie weit entfernt. Immer wieder erschleicht den einzelnen Zuschauer das Gefühl, sie gerade ganz für sich alleine zu haben. Nicht nur ihre private und willkommene Art machen Louisan greifbar, auch durch ihre Lieder lässt sie tief in ihre Wurzeln blicken. Mit Meine Kleine lässt sie in die eigene Kindheit aus der Sicht ihrer Mutter blicken: „Da warst nur du, kein Mann, kein Ring und als mein Herz dann Feuer fing, kam auch die Angst, es gab nur mich und meine Kleine.“ Die öffentliche Person und der Star treten vollends in den Hintergrund und der Mensch Annett Louisan wird sichtbar.

Aber nicht nur leise, das Herz antastende Lieder hat Louisan im Repertoire. Mit ihrem Cover Engel von Rammstein und Herz gebrochen von Samy Deluxe beeindruckt sie auf ganzer Linie. Ihr zartes Stimmchen wird eingetauscht gegen geballte Stimmgewalt. Und wo man gerade noch von sensiblen Liedern gepackt wurde, reißt einen nun mächtiger Gesang vom Sitz. Das Publikum ist beeindruckt. Nach diesem unvorhergesehenen Höhepunkt, wird die Lolita wird wieder etwas Kind, lächelt vergnügt und lässt sich für ihren nächsten Song aufs Sofa fallen, um mit verführerischem Blick Bye bye love anzustimmen. Unentschlossen zwischen Kind und Frau, versucht der Zuschauer dem süßen Betören Louisans gewahr zu werden. Hier liegt ihr Erfolgsgeheimnis. Aber kein erzwungenes, hart erarbeitetes Erfolgsgeheimnis, sondern eines, das von Herzen kommt. Louisan verzaubert, berührt, nimmt mit, spielt, schmeichelt, reizt, weil es ihr schlicht im Blut liegt. Kein erzwungenes Verkaufsimage und aufgesetztes Verhalten sind hier am Werk, sondern echte Persönlichkeit.

Nochmal, bitte!

Am Ende möchte das Publikum nicht loslassen. Zu sehr hat es sich verliebt in Louisans Spiel. Im Stehen wird geklatscht und nicht mehr aufgehört. Louisan gibt eine Zugabe und noch eine und der Zuschauer hat auch jetzt nicht genug. Eine leere Bühne bleibt zurück und im Kopf ihr Song Ein zweites erstes Mal. Erst jetzt drängt sich die Message des Liedes in alle Sinne und verlassen wünscht man sich: eine zweite Premiere.

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