At The Drive-In: Reunionkonzert in Köln

Vor 15 Jahren, kurz nach ihrem kommerziellen Durchbruch trennte sich die gefeierte, heute Kult gewordene Post-Hardcoreband At The Drive-In. Jetzt ist die Band zurück auf Tour und kündigt neue Musik für 2016 an. Doch ein Gründungsmitglied fehlt.

Schon in der Straßenbahn auf dem Weg zum Kölner Palladium wurde mit großer Vorfreude getuschelt und spekuliert: Wie wird es wohl werden? Haben sie es immer noch drauf? Wird der Funke und die Energie von damals überspringen? Vor dem Palladium dann: Eine lange Schlange am Eingang – obwohl die Vorband schon begonnen hatte – ließ erkennen: Hier spielt heute Abend nicht irgendwer, hier spielt heute jemand Besonderes. Konkret: Hier spielen heute Abend At The Drive-In!

At The Drive-In, jene US-amerikanische Post-Hardcoreband, die von Mitte der 90er bis Anfang der 00er Jahre zur Vorzeigeband dieses Genres avancierte, und nach ihrem kommerziellen Durchbruch mit dem Album „Relationship of Command“ im Jahr 2001 auseinander brach. Danach teilte sich die Gruppe in die beiden Bandlager The Mars Volta um Sänger Cedric Bixler und Gitarrist Omar Rodriguez und Sparta um Gitarrist Jim Ward, Drummer Tony Hajjar und Bassist Paul Hinojos auf. Auch wenn beide Nachfolgebands ihre Erfolge feierten – The Mars Volta mit ihrem experimentellen, progressiven Stil und Sparta mit ihrem Emo angehauchten Post-Punk – wünschten sich viele alte Fans At The Drive-In zurück. Und ihr Wunsch wurde erhört, jedoch nur zum Teil.

Einer fehlt

Kurz vor Beginn der Tour gab die Band bekannt, dass Gitarrist Jim Ward die Band nicht begleiten werde. Insofern prekär, als dass Ward neben Sänger Cedric Bixler das einzig echte Gründungsmitglied ist. Der Rest der Gruppe fand sich erst im Laufe der Jahre zusammen und das finale Band Line-Up wurde schließlich 1997 komplettiert. Es scheint also, als sei doch nicht alles so ganz harmonisch, wie es nach der bekannt gegebenen Reunion schien. Gründe für die Trennung wurden aber keine genannt.

Die lange Schlange vor dem Eingang spiegelte nicht Eins zu Eins die Publikumszahl im Palladium wieder. Das Konzert war nicht ausverkauft und so manch einer versuchte noch, vor der Halle ein überschüssiges Ticket loszuwerden. Trotzdem war es alles andere als leer: Ein bunter Mix aus alten und erst später auf den At The Drive-In-Geschmack gekommenen Fans füllte die Halle, ohne dass diese auseinanderplatze oder große Löcher entstanden. Eine angenehme, entspannte Atmosphäre also.

Eine Vorliebe für Krautrock

Nach der mexikanischen Vorband Le Butcherettes um Omar Rodriguez Bosnian Rainbows-Kollegin Teri Gender Bender ging das Warten auf den Hauptact los. Beendet wurde dies unter lauten Jubelrufen des Publikums mit dem „Relationship of Command“-Opener „Arcarsenal“. Schnell setzten sich die ersten kleinen Pogopits in Gang und nach einer kleinen Aufwärmphase – Cedrix Bixler beschwerte sich z.B. über die im Zuge der sich entladenen Energie zuhauf auf die Bühne fliegende Bierbecher – waren Publikum und At The Drive-In zusammen im Jahr 2016 angekommen.

Der Sound ließ an einigen Stellen ein wenig zu wünschen übrig – hier und da war der Klang ein wenig zu breiig und Omar Rodriguez übertönte deutlich den Rest der Musiker – doch das Energielevel stimmte und stieg stetig mit Klassikern wie zum Beispiel „Invalid Litter Dept“, das euphorisch vom Publikum mitgesungen wurde. Im Laufe des Konzerts wurde Cedric Bixler auch immer gesprächiger: Er erzählte von der ersten Tour der Band in Deutschland, von ihrer Begeisterung für Krautrock und ihrer unermessbaren Obsession für Musik. Nach dem ersten Set folgte noch eine Zugabe von zwei Songs, die mit dem Hit „One Armed Scissor“ den Abend beendete.

Ein kompakter, alles in allem gelungener Auftritt, der viele Sehnsüchte befriedigt haben dürfte. Es wurde jedoch auch deutlich, das zurecht daran gezweifelt wurde, ob es sich wirklich um eine Reunion als Band handeln würde oder nicht eher Cedric Bixler und Omar Rordiguez als Frontmänner mit ihren alten Weggefährten ein paar alte Songs spielen. Die beiden standen deutlich im Mittelpunkt des Geschehens, einmal sprach Bixler sogar von „me and my partner“; hin oder her, die Musik hat an diesem Abend zumindest nicht darunter gelitten.