Das V in Beethoven steht für „Veränderungen“

Am vergangenen Freitag startete Bonn mit einem fulminanten Konzert der Berliner Staatskapelle in das Beethovenfest 2015. Unter dem Motto „Veränderungen“ wird bis zum 4. Oktober Ludwig van Beethoven, der wahrscheinlich bekannteste Bonner aller Zeiten, geehrt.

Das diesjährige Beethovenfest wird an 22 Spielstätten in über 100 Veranstaltungen durch mehr als 2000 Künstlerinnen und Künstler gestaltet. Ausstellungen, Lesungen, Workshops und Public Viewing sind ebenso elementare Bestandteile des Festes wie klassische Konzerte. Weiterhin richtet sich ein Projekt namens „Junges Beethovenfest“ gezielt an Schüler und Auszubildende in der Region. Mit über 34.000 angebotenen Eintrittskarten macht das Beethovenfest seiner Auszeichnung „Kulturmarke des Jahres 2012“ alle Ehre – und das nicht zum ersten Mal: Schon seit nunmehr 170 Jahren findet das Beethovenfest in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen in Beethovens Heimat statt. Dass nun mit der neuen Intendantin Nike Wagner deutlich frischerer Wind durch die Bonner Gassen weht, hat das Eröffnungskonzert eindrucksvoll bewiesen.

Einige Begrüßungsworte hatte zunächst Jürgen Nimptsch an das Publikum zu richten. Nimptsch, seines Zeichens Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn, wies mit einem Augenzwinkern darauf hin, dass das Motto des diesjährigen Beethovenfestes auch durchaus für die Stadt Bonn gelten könne – schließlich sei Bonn bekannt für Veränderungen jedweder Art. Das uneinige Publikum belohnte diese Bemerkung gleichermaßen mit Lachen und Buh-Rufen. Im Folgenden richteten auch Ute Schäferin, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie die bereits erwähnte neue Intendantin des Beethovenfestes, Nike Wagner, ein paar warme Worte an das Publikum. Alle drei Redner fassten sich überraschend kurz und überließen Dirigent Daniel Barenboim und den Solisten der Berliner Staatskapelle die Bühne.

Beethoven, Schönberg, Elgars – 205 Jahre in 100 Minuten

Eröffnungskonzert in der Beethovenhalle Foto: Philipp Lohmüller / bonnFM

Eröffnungskonzert in der Beethovenhalle
Foto: Philipp Lohmüller / bonnFM

Den Start in das Konzert bildete eine Komposition von Beethoven selbst: Die Ouvertüre zu Johann Wolfgang von Goethes Tragödie Egmont wurde 1810 uraufgeführt; seine Premiere beim Beethovenfest feierte die Ouvertüre bereits 1845. Um einen Wandel ging es auch in Goethes Trauerspiel: Der niederländische Visionär Graf Egmont träumt von Veränderungen – und dennoch endet das Drama mit seiner Hinrichtung. Passenderweise startet die Komposition in der Trauertonart f-Moll und schlägt nach ständigen Tempowechseln doch in eine siegreich anmutende Dur-Tonart um.

Auch die folgenden Orchestervariationen aus der Feder von Arnold Schönberg verkörpern das Motto des Beethovenfestes 2015 perfekt: Insgesamt neun Variationen in unterschiedlichen Tempi spielt die Berliner Staatskapelle unter Leitung von Barenboim und überrascht dabei das Publikum immer wieder erneut. Ein konstantes Hörvergnügen will und soll sich nicht einstellen, rund vierzig Tempovariationen liefert das Stück insgesamt. Und trotz aller Veränderungen bleibt die Komposition ihrem eigentlich Klang und damit sich selbst treu.

Einen fulminanten Abschluss bildete Edward Elgars erste Symphonie. Zwei Pauken führen leise und unaufdringlich in das Stück ein, das im Hauptteil einer wahren Sturmflut an Klängen gleichkommt, die nie wirklich an Tempo verliert. Ebenso stürmisch belohnte das Publikum die Kapelle und ihren Dirigenten mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen – minutenlang. Ruhige Klänge beherrschten das Eröffnungskonzert ebenso wie die lauten und schnelle Tonfolgen gingen nahtlos in langsame über – Veränderungen lassen sich eben nicht nur in der Musiklandschaft seit Beethovens Tod vor 188 Jahren feststellen. Sie bilden den elementaren Teil jeder einzelnen Komposition und können sich in Sekundenschnelle vollziehen oder aber Zeit lassen. Aber dass Veränderungen kommen, ist gewiss.

Weitere Informationen sowie das gesamte Programm des Beethovenfestes findet ihr hier.

 

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