Beethovens Bunte 2018 – CSD Bonn auf dem Münsterplatz

Am letzten Samstag fand traditionell der Bonner CSD „Beethovens Bunte“ auf dem Münsterplatz statt. bonnFM war für euch dabei und hat mit Veranstaltern, Besuchern und Teilnehmern gesprochen.

Als um 13 Uhr auf dem Münsterplatz die Ode an die Freude erklingt, dürfte genau die bei Mitgliedern und Vorstand des Vereins r(h)einqueer e.V. groß gewesen sein. Der Verein organisiert seit 2016 das ehemals schwul-lesbische Sommerfest. Zum einen wurde das Sommerfest durch eine bunte Veranstaltungswoche ergänzt, die auch in diesem Jahr einen Mix aus Wanderung, Poetry-Slam, Lesung und vielem mehr bot. Zum anderen hat r(h)einqueer dem Sommerfest auch den neuen Namen „Beethovens Bunte“ verpasst. Seit der komplett ehrenamtliche Verein übernommen hat, kommen laut eigenen Angaben nicht nur jedes Jahr mehr Besucher zum Bonner CSD, sondern auch mehr Teilnehmer und Stände.

PRIDE in Bonn – anders als woanders

Stände? Ja, genau. Anders als zum Beispiel in Köln gibt es in Bonn nämlich keine große Parade quer durch die Innenstadt, sondern ein buntes Straßenfest zentral auf dem Münsterplatz. Eingeladen sind

Bild: Matthias Fromm / bonnFM

dabei ausdrücklich alle Bonnerinnen und Bonner, auch Menschen die selbst nicht der LGBTIQ*-Community angehören. Für die Zukunft haben Ira Batschi und Andreas Franke von r(h)einqueer viele Ideen, schließen auch eine Parade nicht aus. Allerdings: für die Umsetzung dieser Ideen wünschen sie sich mehr Unterstützung, nicht nur durch die Stadt Bonn sondern auch durch die Community selbst. Andererseits will man sich in Bonn zu gewissen Teilen auch bewusst von der Nachbarstadt abgrenzen: zu kommerziell sei das Treiben in Köln, heißt es. Hier setze man demgegenüber auf den charmanten und familiären Charakter eines Straßenfestes, der auch die Grundmentalität der Bonner Bevölkerung besser aufgreife.

 

Bonner CSD 2018 trotz Hitze gut besucht

Der CSD als charmantes Familienfest klingt in der Theorie nach einem interessanten Ansatz. Doch lässt sich dies auch in der Praxis umsetzen? In diesem Jahr jedenfalls gelang trotz Jahrhunderthitze und Temperaturen weit über 30 Grad ein buntes, fröhliches und lautes Sommerfest. Außer queeren Organisationen, wie AIDS-Hilfe oder LSVD, waren auch fast alle großen Parteien vertreten, um ihre Solidarität mit der Community zu zeigen. Vor allem zum Nachmittag hin stiegen die Besucherzahlen, so dass zeitweise Hunderte Menschen gleichzeitig den Münsterplatz bevölkerten. Nach Schätzungen der Veranstalter haben über den Tag verteilt mehrere Tausend das queere Sommerfest besucht. 

Buntes Programm mit emotionalen Highlights

Geboten wurde den Besuchern ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit viel Live-Musik, aber auch Comedy-Auftritten und Travestie-Einlagen. Außerdem wurde in Talkrunden über ernstere Themen disktuiert. Ein besonders emotionales Highlight war das gemeinsame Steigenlassen der sogenannten „Memorial Balloons“: Dutzende bunte Luftballons erhoben sich gegen 16 Uhr in den Himmel, um der nicht minder zahlreichen AIDS-Toten zu gedenken. Nach rund acht Stunden neigte sich Beethovens Bunte 2018 dann gegen 21 Uhr seinem Ende zu. Doch die queere Szene wäre nicht die queere Szene, wenn nicht auch danach noch kräftig weitergefeiert worden wäre: bei der offiziellen After Show Party, dieses Jahr im Nyx. Abgesehen davon werden frei nach dem Motto „Nach dem CSD ist vor dem CSD“ wohl bald wieder die Vorbereitungen für 2019 beginnen – für die vierte Runde von „Beethovens Bunte“.

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