Biffy Clyro live in Köln: Eine geglückte Gratwanderung.

Bild: Antje Naumann

Wer sich am 11.11. in Köln als Rockband auf die Bühne stellt und dabei für gewöhnlich gar nichts mit Karneval am Hut hat, braucht eine Menge Mut. Wie man diese Aufgabe und dazu eine noch viel größere Herausforderung mit Bravour bewältigt, zeigten Biffy Clyro am vergangenen Freitag in der Lanxess-Arena.

Einen sehr gelungenen Einstieg in den Abend lieferte die englische Band Lonely The Brave. Ohne die Gunst des Publikums auf künstliche Art und Weise für sich gewinnen zu wollen, spielte das Quintett seine warmen, eher zurückhaltenden und hervorragend zu Biffy Clyro abgestimmten Songs in grundsolider Manier.

Pünktlich um 21:00 Uhr betraten Simon Neil sowie die Brüder Ben und James Johnston die Bühne. Als wäre dieser Song als Blaupause für einen Opener solcher Konzerte geschrieben worden, eröffnete Wolves Of Winter vom kürzlich erschienenen Album Ellipsis die nachfolgenden zwei Stunden. Offensichtlich war die Karnevals-Thematik auch der Band geläufig, denn inmitten des zweiten Liedes Living Is A Problem Because Everything Dies stimmte Sänger Simon Neil die inoffizielle Hymne der fünften Jahreszeit Viva Colonia an. Die gut 7000 Zuschauer in der nicht ganz ausverkauften Arena dankten es ihm mit einer einstimmigen Antwort.

Eine gekonnte Symbiose zwischen Alt und Neu

Nicht nur dieser Schulterschluss machte den Abend besonders. Zwar ließ die Setlist hier und dort einen roten Faden vermissen, zu keinem Zeitpunkt aber drohte der Spannungsbogen vollkommen zum Erliegen zu kommen. Das gespielte Material bestand hauptsächlich aus Songs der letzen vier Alben (Ellipsis, Opposites, Only Revolutions, Puzzle), doch eine Ausnahme wusste durch ihren speziellen Charme zu überzeugen. Nachdem der letzte Ton der Ballade Rearrange verklungen war, folgte das selbst für Biffy Clyro-Verhältnisse eher unkonventionelle Wave Upon Wave Upon Wave aus dem Album Infinity Land. Weniger das Lied selbst als das Selbstverständnis, mit dem es in die Show eingebaut wurde, sprach Bände. Mit Ellipsis haben sich Biffy Clyro zunehmend einem breiteren Publikum verschrieben, wenngleich diese Tendenz schon auf dessen Vorgängern zu beobachten war. Der ein oder andere hält diese Entwicklung für fragwürdig, allerdings wurden Kritiker, zu denen auch der Autor dieses Artikels zählt, eines besseren belehrt, wenn sie eine glatte und durchkonzeptionierte Arena-Rockshow erwartet hatten. Der sichtlichen Spielfreude und dem gekonnten Einfügen der neuen Songs in die Show konnte man im Grunde nicht widerstehen. Wie schon seit einigen Jahren wurde das schottische Trio von Mike Vennart an der Gitarre und Richard „Gambler“ Ingram (beide ehemals Oceansize) am Keyboard unterstützt, was nicht nur dem Live-Sound zugutekam, sondern ebenso die Klangwelten der neueren Alben gebührend widerspiegelte.

Kurzum: Die Herausforderung eines groß angelegten Auftretens, bei dem der authentische Kern der Band jedoch nicht verloren geht, ist Biffy Clyro auf der Bühne besser gelungen als im Albumformat.

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