Chris Nolde erzählt: „Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel“

Witzig, charmant und ehrlich schreibt Chris Nolde in seinem zweiten Roman „Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel“ über eine Generation, die sich auf der Suche nach sich selbst permanent hinter dem Schutzpanzer der Ironie zu verstecken versucht. Im Rahmen der Lesereihe Forum Junge Literatur der Kritischen Ausgabe – Zeitschrift für Germanistik & Literatur stellt Chris Nolde seinen Roman im Buchcafé Antiquarius in der Bonner Südstadt vor. bonnFM hat für euch seine Lesung im Buchcafé Antiquarius besucht.

Sein Outfit schlicht, dennoch womöglich nicht ganz unbedacht gewählt – graublau, Ton in Ton, aber mit Krawatte und Ringelsocken – bahnt sich Chris Nolde den Weg vorbei an deckenhohen, prallgefüllten Bücherregalen und vollbesetzen Stuhlreihen. In der Hand ein Glas Wasser – und eine Flasche Bier – lässt er sich in dem für ihn vorgesehenen Sessel nieder und fängt sofort das Gespräch an. Er wirkt locker und aufgeschlossen und interessiert sich sichtlich für seine Leserschaft, was ihn sehr sympathisch und nahbar erscheinen lässt.

Ein Identitätsroman, der den Nerv einer ganzen Generation trifft

Kurz darauf beginnt Chris Nolde aus seinem im Februar diesen Jahres erschienen Roman „Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel“ zu lesen. Er handelt von Liebe, dem Leben und den damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen, denen man sich immer wieder auf’s Neue stellen muss. Konkret geht es um Max Baum, einen Schriftsteller aus Berlin, der auf die Dreißig zugeht und seit kurzem wieder Single ist. Seine Freundin hat sich von ihm getrennt und so muss Max mit dem Misserfolg seines ersten Romans alleine fertig werden. Der Einzige, der ihm zunächst zur Seite steht, ist sein Hund Buk – Kurzform für Bukowski. Doch dann lernt Max Emma kennen. Und Emma unterscheidet sich vor allem in einem Punkt von vielen anderen Frauen: Sie versteht keine Ironie. Max hingegen kontert auf nahezu jede Frage mit Ironie und das aus einem bestimmtem Grund: Selbstschutz.

Die Hipster-Krankheit Ironie

Eben diese Ironie diagnostiziert Chris Nolde als „Hipster-Krankheit“ und als ein grundlegendes Merkmal, das zur Schwierigkeit unserer Generation geworden ist. Wir wollen zu allem Distanz wahren, uns nicht festlegen und scheuen uns vor endgültigen Entscheidungen. Was uns das kostet? Unsere Authentizität! Emma hat sich von dieser Krankheit noch nicht anstecken lassen, sie ist von Grund auf ehrlich. Schafft sie es vielleicht auf diese Weise Max zu heilen? Dass Emma zumindest eine ziemlich große, und nicht ganz unbedeutende Rolle in Max‘ Leben zu spielen scheint, bestätigt auch die Tatsache, dass der Roman ursprünglich mit „Emma – Das Original“ betitelt werden sollte.

Vom Student zum Autor

Wer sich ein bisschen mit der Biographie von Chris Nolde auseinandergesetzt hat, kann vielleicht autobiographische Züge in „Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel“ erkennen und auch er selbst verneint diese These zumindest nicht ganz. Geboren im Jahr 1986 studierte er Literaturwissenschaft, Philosophie und Politik. Erst in Bonn, dann in Berlin mit dem Vorhaben seinen Master dort anzuschließen. Ein Schlüsselereignis – oder wie er es (ironisch) nennt: heroischer Moment – in einem Universitätsseminar zu Peter Handkes „Langsame Heimkehr“ veranlasste ihn letztendlich dazu, sein Studium abzubrechen und zu schreiben, um selbst Autor zu werden. Inzwischen lebt Chris Nolde in Köln und schreibt nicht nur Romane, sondern auch Theaterstücke. „Von der Unschuld des Atmens“ wurde unter anderem bereits dieses Jahr in Bonn aufgeführt. Ein dritter Roman ist ebenfalls in Planung. Nur so viel: Es soll eine Art Verbrecherroman, im untypischen Sinne – nicht kriminell, sondern eher humoristisch – als Roadnovel im Stil von Bonnie und Clyde werden. Wir lassen uns überraschen!

„Eigentlich ist mein Leben gar nicht so übel“ ist im „Kein & Aber“ Verlag erschienen und kostet 19,90.

 

 

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