CityLeaks Festival 2015 – Die Stadt, die es nicht gibt

Zurzeit findet in Köln das dritte CityLeaks Festival statt, eins der größten Urban Art Festivals weltweit, das noch bis zum 20. September läuft. Dazu versammeln sich internationale Künstlerinnen und Künstler, um Kölner Häuserfassaden nicht nur bunter zu machen, sondern auf ihnen gleichzeitig noch eine Message zu hinterlassen. Dazu gibt es zahlreiche Indoor-Ausstellungen, Workshops und viele weitere spannende Programmpunkte.

Köln wird bunt

Guten Morgen Köln, (auch) Du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau. Du kannst aber auch wunderschön, unglaublich bunt und ausdrucksstark sein. Zum Beispiel, wenn sich Künstler aus aller Welt beim CityLeaks Festival, einem der größten Urban Art Festivals weltweit treffen, um mit vielseitiger Kreativität die Stadt nicht nur bunter zu machen, sondern auch gleichzeitig eine Botschaft zu hinterlassen. Ganz im Sinne von Bertolt Brecht, der schrieb: “Kunst ist nicht ein Spiegel, den man der Wirklichkeit vorhält, sondern ein Hammer, mit dem man sie gestaltet.”, wie auch der berühmten Streetartist und Guerilla-Künstler Banksy in seinem Programmheft zum kürzlich eröffneten (Un-)Vergnügungspark Dismaland zitiert. Bei der CityLeaks Biennale, die nach 2011 und 2013 nun zum dritten Mal stattfindet, nimmt dieser Hammer ganz verschiedene Formen an ganz unterschiedlichen Plätzen an.

Zwischen Straße und Galerie

So manch einer, der in den letzten Jahren des öfteren durch Köln geschlendert ist, hat bestimmt schon das ein oder andere Werk, das im Rahmen der vergangenen CityLeak Festivals entstanden ist, gesehen. An Häuserwänden, die meist von Privatleuten zur Verfügung gestellt werden, entstehen großformatige Gemälde, sogenannte Murals, in ganz verschiedenen Stilen. Ob die Werke nur temporär oder dauerhaft das Kölner Stadtbild prägen, darüber entscheiden nach Ende des Festivals auch dieses Jahr wieder die Eigentümer der Fassaden. Die Kirsche auf dem Ganzen ist, dass man zum Teil den Künstlern live dabei zusehen kann, wie sie nach und nach einer ausdruckslosen Hauswand Leben einhauchen.

Während des Festivals selbst gibt es neben der Kunst an der frischen Luft auch zahlreiche kooperierende Galerien, in denen Künstler ihre Werke präsentieren. Die Festivalzentrale ist dieses Jahr dabei das Kupferwerk im Carlswerk in Mülheim. Hier wurde am vergangenen Samstag, dem 05. September, die Ausstellung mit dem Motto „Die Stadt, die es nicht gibt“ eröffnet.

Stadtgestaltung „von unten“

Im Zentrum steht hier die Beziehung zwischen der Stadt und dem Menschen, den es in seiner stetig anwachsenden Anzahl an Individuen immer mehr in die Städte verschlägt. Bis zum Jahr 2050 soll es laut UN-Prognosen 9,3 Milliarden Menschen auf der Erde geben, von denen 70 Prozent in den Städten leben werden. Die Stadt wird also immer mehr zum Zentrum des Lebens. Dabei muss man aufpassen, dass der beschränkte Platz nicht nur nach den Interessen von Bürokraten und machthabenden Politikern gestaltet wird, sondern auch „von unten“ heraus, wie die Idee des CityLeaks auf dessen Homepage beschrieben wird. Im Kupferwerk selbst drückt sich dieser Ansatz auf ganz verschiedene Art und Weise in unterschiedlichsten Kunstformen aus. Es gibt einige Foto- und Videoinstallationen, für die teilweise extra geschlossene Räume oder Container in die Halle hinein montiert wurden. Inmitten der Ausstellung steht ein begehbares Wörterrätsel, in dem man dazu angehalten ist, Begriffe mit Bezug zur Stadt, zu Filmen, Comics, Romanen oder Filmen zu finden und einzukreisen. An den Wänden hängen Gemälde auf Leinwand, Glas oder – in Streetart-Manier – auf dünnem Poster direkt auf die Wand selbst geklebt. Am Ende der Halle arbeitet der Künstler Sebas Velasco an einem riesigen Bild, das er direkt auf die Innenfassade des Kupferwerks malt und bei dessen Entstehung man live dabei sein kann.

Ins Auge fallen auch diverse Skulpturen und Installationen, deren politische Intention oft nicht vieler Blicke bedarf, um sie zu entschlüsseln. Zwischen zwei Absperrreihen aus roten Seilen erstreckt sich ein roter Teppich, dessen Basis rote Leichensäcke sind. Der Weg nach oben fordert bekanntlich seine Opfer. Nahe des Eingangs steht ein Kubus aus 1000 dicht an dicht gereihter Stahlzäune, die im ersten Moment gar nicht als Kunstwerk ins Auge fallen, jedoch so viel Raum einnehmen, dass sie nach einer Weile gar erdrückend wirken. Damit hat der Künstler Borgman Lenk seine Wirkung wohl erzielt, geht es im darum, auf soziale Ausgrenzung und gesellschaftliche Abschottung zu verweisen, wie wir sie in diesen Tagen traurigerweise öfters bei den dramatischen Flüchtlingssituation erleben.

Es gibt also eine Menge beim CityLeaks Festival 2015 zu entdecken und neben den Ausstellungen werden zahlreiche andere Aktivitäten und Events geboten: Workshops, Siebdruck-Aktionen, Gesprächsrunden, Konzerte und vieles mehr. Wer die großen Murals an den Häuserwänden nicht auf eigene Faust erkunden will, der kann auch an einer der Führungen durch die Stadt teilnehmen, die von den Veranstaltern angeboten werden. Alle weiteren Informationen zum Programm inklusive Datum, Uhrzeiten und Veranstaltungsorten gibt es hier.