Der Idiot, der Geizkragen und die Schwuppe

Noch bis zum 10. Juli läuft jeden Abend (außer montags) im Contra-Kreis-Theater, das direkt neben der Universität in Bonn liegt, das Stück „Der Vorname“. Unter der Regie von René Heinersdorff liefern die Schauspieler/-innen Anja Kruse, Sebastian Goder, Pascal Breuer, Werner Tritzschler und Janina Isabell Batoly ein grandioses Stück Schauspielkunst ab.

Die Szene spielt vor einem Bühnenbild, in dem sich sofort jeder wiedererkennt: im heimischen Wohnzimmer. Auch die Situation, ein Essen mit der Familie und Freunden, ist jedem bekannt. Das dabei manchmal Streitigkeiten aufkommen können, ist nichts Ungewöhnliches, doch an diesem Abend geht es vergleichsweise heiß her. Drei unterschiedliche Welten stehen sich gegenüber:

Da sind einmal der Literaturprofessor Pierre Garaud mit seiner Frau Elisabeth, ihr Bruder Vincent, ein erfolgreicher und vermögender Immobilienmakler zusammen mit seiner Frau Anna und dann der vermeintlich ewige Junggeselle Claude Catignol, seines Zeichens Posaunist. Es steht Nachwuchs ins Haus, denn Anna ist hochschwanger. Sie verspätet sich allerdings, man muss mit dem Essen warten und unterhält sich. Und so kommt die unvermeidliche Frage nach dem Vornamen des Sprösslings. Von da an nimmt das Drama seinen Lauf, denn der Name ist skandalös. Aber mehr sei von der Geschichte noch nicht verraten.

Ein überzeugendes Schauspiel

Die Vorstellung ist grandios gespielt. Durch die geringe Größe des Theaters und die Nähe zu den Schauspielern ist jede Regung, jede Geste und Mimik klar zu erkennen und alles passt haargenau. Die Dialoge sind perfekt gesprochen und das Gesamtbild überträgt die Stimmung von der Bühne auf das Publikum. Immer wieder wird herzhaft gelacht, besonders der Figur des Vincent strömt der Schalk aus allen Poren. Und dann, plötzlich, wird es ernst. Das Publikum hört schlagartig auf zu lachen, als die Schwingungen von Witz zu Wut umschwingen. Gebannt hört man zu, um dann im nächsten Moment doch wieder zum Lachen gebracht zu werden, bevor die Stimmung wieder umschlägt. Dieses Wechselbad der Gefühle macht das Stück unglaublich spannend. Man fiebert der Auflösung des entstandenen Konfliktes förmlich entgegen, die allerdings noch ein bisschen auf sich warten lässt.

Damit sei der Beschreibung auch schon genüge getan. Wer einen Abend Zeit hat und der Welt der Universität für zwei Stunden entfliehen will, sollte das Contra-Kreis-Theater auf jeden Fall einmal besuchen und sich dieses Stück ansehen!

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