Ein Klassiker neu inszeniert – ,,Die Physiker‘‘ in der Brotfabrik

Der Regisseur Gregor Pallast hat sich Dürrenmatts Klassiker, den wahrscheinlich schon viele von uns in der Schulzeit gelesen haben, angenommen und einmal neu in Szene gesetzt. Das Stück rund um die drei verrückten Physiker aus dem Sanatorium ,,Les Cerisiers‘‘ hatte bereits im Mai Uraufführung. Überwältigt von der positiven Resonanz folgten vom 7.-9. September drei weitere Termine, die ebenfalls restlos ausverkauft waren. bonnFM hat für euch einmal reingeschaut.

Bild: Thomas Kölsch

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Für alle, die das Stück nicht kennen oder aber deren Schulzeit doch schon etwas länger her ist, darum geht’s (wer sich das Stück noch ansehen möchte, wohl besser NICHT WEITERLESEN!): Das Drama handelt von drei Verrückten, die sich freiwillig ins Irrenhaus haben einweisen lassen. Zum einen ist da Herbert Georg Beutler, der sich angeblich für Newton hält, zum anderen ist dort Ernst Heinrich Ernesti, der sich als Einstein ausgibt. Außerdem Johann Wilhelm Möbius, der laut eigener Aussage die Weltformel entdeckt hat, die in den falschen Händen den Weltuntergang bedeutet. Mit seiner Behauptung, ihm erscheine König Salomo, will er sich selbst unglaubwürdig machen und so dem Missbrauch seiner revolutionären Entdeckung vorbeugen. Die anderen Beiden sind jedoch Agenten rivalisierender Geheimdienste, die an Möbius‘ Ergebnisse wollen. Alle drei ermorden innerhalb weniger Monate ihre Krankenschwestern, weil sie Angst haben, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Als die Polizei ihre Ermittlungen beginnt, vernichtet Möbius seine Aufzeichnungen und überzeugt die Anderen, ihr Geheimnis zu wahren, doch Mathilde von Zahnd, Besitzerin des Sanatoriums und in Wahrheit die einzig Verrückte, hat bereits alle Unterlagen kopiert und möchte damit die Weltherrschaft erlangen. Sie glaubt tatsächlich, im Auftrag Salomos zu handeln. Da die drei Physiker aufgrund ihrer Morde öffentlich als Verrückte gebrandmarkt sind, haben sie keine Chance mehr, aus der Anstalt rauszukommen und die verrückte Chefärztin aufzuhalten.

Viel Inhalt trotz wenig Handlung

Bild: Thomas Kölsch

Bild: Thomas Kölsch

Wer das Stück kennt weiß, dass nicht besonders viel passiert. Das Hauptgeschehen findet in einigen Räumen statt und die meisten Informationen erhält der Leser durch die Gespräche der Protagonisten. Das macht dieses Stück besonders schwer zu inszenieren. Dem Regisseur, der bereits ,,Romulus der Große‘‘ (auch von Dürrenmatt) und ,,Enigma‘‘ (Eric Emmanuel Schmitt) auf die Bühne gebracht hat, ist das jedoch sehr gut gelungen. Die Brotfabrik bietet sich aufgrund ihrer Ausstattung und Räumlichkeiten sehr gut an, gibt es doch eine Durchreiche, eine Schleuse und eine Empore, um ein wenig mehr Bewegung in das Ganze zu bringen. So kommt es, dass die Anstaltsleiterin von der Empore auf die Zuschauer und die drei Physiker herabschaut, um das Machtverhältnis auszudrücken. Zudem geschieht der Mord der dritten Krankenschwester in der Schleuse. Dies ist bewusst so inszeniert, um ,,dem Zuschauer ein gewisses Kopfkino zu ermöglichen‘‘, meint Gregor Pallast. Er hat es wissentlich sehr ernst aufführen lassen, obwohl Dürrenmatt es als Komödie tituliert hat, da andere Inszenierungen, in denen beispielsweise die Physiker am Ende in einem Bällebad sitzen, doch schlichtweg etwas albern waren. Zwar gilt das Werk als schwere Kost und es gab nur spärliche Requisiten (ein paar Stühle, Kisten, ein Tisch, Geschirr), was den ein oder anderen zum Stutzen brachte, doch wurde während der Aufführung klar, dass diese gar nicht von Nöten waren, um dieses etwas andere Drama sehr originalgetreu aufzuarbeiten.

Weitere Termine folgen im Februar

Bild: Thomas Kölsch

Bild: Thomas Kölsch

Die Folge davon, dass bereits die Uraufführung so gut lief, war die wiederholte Aufnahme ins Programm in diesem Monat. Und da auch diese Aufführungen, trotz Konkurrenz wie Pützchens Markt und gutem Wetter, überraschend schnell ausverkauft waren, werden weitere Termine (voraussichtlich 7.-9. Februar 2017) folgen. Mit diesem riesigen Erfolg hatte kaum einer gerechnet, gibt es das Ensemble doch erst seit 2013 und das mit keiner festen Crew. Dem Umstand, dass es immer wechselnde Akteure und dabei kaum Jüngere gibt, ist es auch geschuldet, dass die drei Buben im Original in Pallasts Inszenierung zu drei Mädchen wurden. Diese hatten zwar bereits einige Workshops des Jungen Theaters besucht und diverse Erfahrungen gesammelt, doch war dieses Stück sozusagen ihr erster großer Auftritt, den sie mit Bravour gemeistert haben. Auch die verrückten (oder auch nicht verrückten) Physiker wurden so gut verkörpert, dass sogar manchen Zuschauern bei Möbius‘ Ausraster mulmig wurde.

Der Abend war wirklich ein voller Erfolg, sowohl für das begeisterte Publikum als auch für die talentierten Schauspieler, denen es offensichtlich großen Spaß machte. Für alle, die nun auf den Geschmack gekommen sind, sind die nächsten Termine im Februar nur wärmstens zu empfehlen!

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