Ein Fuchsschwanz mit Groove

Bild:  ©Janine Schmitz

Quest Love ist ein Fan. Genauso wie Prince oder Erykah Badu. Die Herzen von zahlreichen Musikgrößen habe Hiatus Kaiyote bereits erobert. Bei ihrem Konzerttrip durch Deutschland dürften die Australier weitere zahlreiche Anhänger dazu gewonnen haben.

Es ist erstaunlich und gleichzeitig schön mit anzusehen, wie solch komplexe Musik, wie sie Hiatus Kaiyote spielt, eine so große und diverse Gruppe von Menschen mitreißen kann. Am 10. November spielte die Band bei ihrer „Choose Your Weapon“-Tour im Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld. In den gut eineinhalb Stunden, die die Band spielte, stieg mit der Zeit die Temperatur des dicht gefüllten Konzertraums. Wie eine Horde gut gelaunter Wackeldackel nickte das Publikum fleißig zu den tighten und ansteckenden Grooves mit und hatte sichtlich jede Menge Spaß.

Hiatus Kaiyote aus Australien nennen ihre Musik „Multi-dimensional polyrthymic gangste-shit“. Die Musik lebt vor allem von knackigen, oft wechselnden Rhythmen. In die bei Kritikern so beliebten Genre-Schubladen lässt sich der bunte Mix aus Hip Hop, Soul, Jazz, R&B, Pop und Rock nur schwerlich einordnen. Ihr Debütalbum „Tawk Tomahawk“ erschien 2012. Die jetzige Tour fand im Rahmen ihres im Mai veröffentlichten, zweiten Albums „Choose Your Weapon“ statt. Viele der neuen Songs spielte die Band auch beim Konzert in Köln.

Stetige Steigerung

Den Abend eröffnete Noah Slee. Dabei war nicht so ganz klar, was der sympathische Neuseeländer eigentlich darbieten wollte. Seine Performance war wie eine Collage aus klassischen Songwriter Stücken mit Gitarre, geloopten Drumcomputer Beats und verfremdeten Live-Samples. Musikalisch blieb bis auf das Gnarls Barkley Cover „Crazy“ nicht wirklich viel hängen. Dafür wurde gute Laune und diverse Tanzeinlagen geboten. Nach einem Set von einer halben Stunde hieß es warten auf Hiatus Kaiyote. Und diese ließen sich fast eine dreiviertel Stunde Zeit.

Dann aber betrat das Quartett um Sängerin Nai Palm endlich die Bühne. Wie nicht anders zu erwarten, hatte sich die Frontfrau mal wieder besonders extravagant zurecht gemacht. Auf ihrer engen Hose war senkrecht in großen Buchstaben ihr Name aufgenäht. An ihrem schmalen Kettengürtel hing ein Fuchsschwanz. Ja, richtig, das gute alte Antennenaccessoire eines manchen Autos.

Ihre Augen waren dunkel geschminkt und ihr Gesicht war von zwei riesigen, goldenen Ohrringen umrandet und auf dem Kopf saß eine nach hinten gerichtet Cap. Abgerundet wurde ihr Look durch eine bunt glitzernde Gitarre. So viel zum Fashion-Check, der bei einer Erscheinung wie Nai Palm nicht ausbleibt. Nun aber zur Musik.

No Smoking please

Man merkte Nai Palm an, dass sich die Tour zum Ende neigt. Zu Beginn wirkte sie ein wenig müde und bat mit Rücksicht auf ihre Stimme das Publikum, sich das Rauchen doch bitte zu verkneifen. Trotzdem musste der Security-Beauftragte sich auf die ein oder andere „Kippe-Aus“-Mission ins Publikum begeben. Nach den ersten Songs und einigen behobenen Soundproblemen – beim Song „Jekyll“ übersteuerte Palm’s E-Piano so sehr, dass Keyboarder Simon Mavin regelrecht zusammen zuckte – wachte die Frontfrau dann aber immer mehr auf. Kontinuierlich steigerte sich das Energielevel auf der Bühne, das spätestens beim Schluss-Jam der toll aufspielenden Band um Bassist Paul Bender, Drummer Perrin „Pez“ Moss und Simon Mavin seinen Höhepunkt erreichte. Zum Ende gab es noch die Zugabe „Swamp Thing“ und unter dem Strich ein rundes Konzert, das nach einigen Anlaufschwierigkeiten für Band und Publikum als rundum gelungener Abend verbucht werden kann.

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