„EINE ART Macht hoch die Tür“

Wie jedes Jahr bildet die schöne Vorweihnachtszeit den Rahmen für ein buntes Freizeitprogramm. Die Tage sind nur so von interessanten Ausstellungen und einem großen musikalischen Angebot gespickt. Unter dem verheißungsvollen Veranstaltungstitel „EINE ART macht hoch die Tür“ hat der Bonner EINE ART CLUB in der vergangenen Woche sein diesjähriges Programm besinnlich ausklingen lassen. EINE ART CLUB bietet das ganze Jahr über vielfältige Kulturveranstaltungen von jungen Leuten für junge Leute in Bonn und Umgebung an und hat es dieses Mal geschafft, eine Führung im Beethovenhaus geschickt mit einem anschließenden Orgelkonzert zu verknüpfen.

Bonner Opernrituale um 1800

Den Auftakt des Abends bildete ein Rundgang durch die Sonderausstellung im Beethovenhaus über die Opernrituale der Bonner um 1800. Mit Herrn Dr. Michael Ladenburger, dem Leiter des Museums und Kustos der Sammlungen im Beethovenhaus, wagten wir uns auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Was könnte schließlich tugendhafter sein, als etwas über die Oper – damalige Institution für die moralische Sittenbildung – zu erfahren, anstatt den Abend am Glühweinstand zu verbringen.

In der Sonderausstellung konnten wir original erhaltene Instrumente, wie beispielsweise Beethovens Dienstbratsche, sowie noch erhaltene Notenblätter von damaligen Opernerstaufführungen betrachten und uns mit Hilfe eines Gemäldes vom Bonner Opernsaal einen besseren Eindruck von der damaligen Zeit verschaffen. Außerdem gewährte die Führung einen Einblick in die Tradition des Musikkopierens, das einen schwierigen und oftmals langwierigen Prozess darstellte. Demnach zeichnete sich ein guter Kopist durch eine lange Liste an Kompetenzen aus und es handelte sich keinesfalls nur um einfaches Abschreiben.

Ohne Netzwerken läuft gar nichts…

Interessanterweise waren Netzwerke schon damals unverzichtbar. Die Musiker, Korrespondenten und Kapellmeister standen in einem regen, internationalen Austausch miteinander und unternahmen zahlreiche Inlands- und Auslandreisen, um stets auf dem neuesten Stand der Musik zu sein. Wenn dem Kölner Kurfürsten Maximilian Franz eine Oper gefiel, die beispielsweise in Wien aufgeführt wurde, ließ er seinen Kapellmeister einfach die Partituren umschreiben. Die ausgewählte Oper wurde zunächst ins Deutsche übertragen und anschließend oftmals an den Geschmack der Stadtbürger angepasst, indem beispielsweise Arien hinzugefügt wurden. Erst dann konnte die Oper in der Stadt aufgeführt werden. Unglaublich, was für ein langwieriger Prozess das war!

Adventliches Orgelkonzert in der Remigiuskirche

Im Anschluss an unsere kleine Zeitreise sind wir in die Gegenwart zurückgekehrt und haben den Abend in der Bonner Sankt Remigius Kirche fortgesetzt. Auch an diesem Ort ist der Bezug zu Beethoven unverkennbar, denn ausgerechnet hier hat er als Kind das Orgelspielen geübt. Außerdem steht hier auch sein Taufbecken.

An den Eingangstoren der Kirche wartete bereits Herr Dr. Stefan Bodemann, beruflich Kunsthistoriker, Pianist, Organist und Chorleiter. So war es nicht verwunderlich, dass er uns zunächst von der Entstehungsgeschichte der gotischen Bonner Remigiuskirche erzählte, die zahlreiche stilistische und architektonische Besonderheiten aufweist.

Nach dieser netten Einführung setzte sich Herr Dr. Stefan Bodemann an die Orgel. Den Auftakt der besinnlichen Weihnachtsmusik bildete „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, ein aus dem 17. Jh. überlieferter ostpreußischer Liedtext, der dem EINE ART CLUB als Inspiration für die Namensgebung dieser Abendveranstaltung diente. Im Anschluss hörten wir das Adventslied „Veni Emmanuel“, das die Ankunft Jesu Christi an Weihnachten mit dem Einzug eines Königs in seine Stadt vergleicht. Danach durften wir dem melancholischen „Chant du Roi René“ des französischen Komponisten Alexandre Guilmant lauschen. Es folgte ein Thema aus Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 6 (F-Dur) op. 68 (Sinfonia pastorale) „V. Hirtengesang“ und schließlich das allseits bekannte „Jingle Bells“, dessen musikalische Besonderheit die wunderbar klingenden Zimbelsterne der Orgel bildeten.

Der Abend war ein voller Erfolg und spätestens nach diesem Konzert ist jedem klar geworden, dass Orgelmusik auch abseits vom Gottesdienst existiert und nicht nur vielseitig, sondern auch sehr schön klingt und eine perfekte musikalische Entdeckung für die Weihnachtszeit sein kann.

Informationen über die Sonderausstellung im Bonner Beethovenhaus hier.
Mehr Informationen über Dr. Stefan Bodemann hier.

1 Kommentare

Kommentar verfassen