Flüchtlinge erzählen: „Weißt du wer ich bin?“

Dem abstraktem Begriff „Flüchtlinge“ ein Gesicht geben – das war das Ziel der EMFA / Integrationsagentur, als sie ein Buch über die unterschiedlichen Lebenserfahrungen von 28 Flüchtlingen aus Bonn schrieben. Wer bist du, wer bin ich? Die einfachsten Fragen, die manchmal doch so schwer zu stellen sind. Doch nicht für Michael Fischell und Georgia Sogos, die am Montag in der Universität Bonn einzelne Geschichten wiedergaben und den Dialog eröffneten. bonnFM saß mit im Publikum.

Eine neue Eilmeldung auf dem Smartphone: „Flüchtlinge auf dem Mittelmeer ertrunken“. Zu schnell wischt man die Meldung weg, wie andere Nachrichten auch. Nicht, weil es einen nicht interessiert oder berührt, sondern weil sich diese Nachrichten häufen. Obwohl man selbst berührt ist vom Schicksal vieler hilfloser Menschen, so macht es doch ein Unterschied ihnen gegenüber zu stehen, ihr Schicksal zu hören oder ihre Gedanken während der Flucht gesagt zu bekommen. Menschen aus acht unterschiedlichen Herkunftsländern (aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Somalia, Ägypten, Serbien, und aus Eritrea) machen ihre Geschichte öffentlich, um zu zeigen, dass hinter den schlimmen Nachrichten, die uns fast täglich erreichen, Individuen stecken.

Von Damaskus zur Telekom nach Bonn

Einer von ihnen ist Wisam, ein junger Mann aus Damaskus. Er stammt aus einem guten Elternhaus und hatte in Syrien einen festen Job in der IT-Branche. Als er zum Wehrdienst berufen wird, verlässt er seine Heimatstadt und seine Familie und Freunde. Als Palästinenser bleibt ihm keine Wahl, als illegal in die Türkei zu reisen. Bei der Flucht geriet er in die Hände von Schmugglern, die ihm und anderen Flüchtlingen skrupellos das Geld wegnehmen. An der Grenze zur Türkei kann er sich an hunderte von Soldaten erinnern, die ihn einschüchtern. Vor Ort werden sie bedroht und verlieren alles, was nicht an ihrem Körper ist. Sein anfänglicher Optimismus verschwindet spätestens mit dem Blick auf ein Schlauchboot, das für die große Anzahl an Flüchtlingen viel zu klein ist. Gefühle von Todesangst und der Erkenntnis, dass ihnen auf dem offenen Meer keiner hilft, lassen die Gruppe auf dem Boot zusammen wachsen. Auch wenn sie an der Grenze feststellen müssen, dass der Egoismus am Ende stärker ist, als man denkt. Dort zählt jede Minute, wie Wisam feststellen musste.
Doch bei seiner Geschichte erfahren wir ein gutes Ende: Wisam schafft es nach Bonn. Er lernt zu Beginn seiner Zeit in Bonn das Zusammenleben auf engsten Raum kennen. In einer Turnhalle in Holzlar findet er Gleichgesinnte. Mittlerweile ist er nochmal ein ganzes Stück weiter, er hat eine Praktikumsstelle bei der Telekom in Bonn bekommen, lernt fleißig Deutsch, hat eine Unterkunft bei einer Familie gefunden und ist verliebt.

Willkommen in Deutschland

Diese und andere Geschichten der Lesung verblüffen, wie viel ein Mensch ertragen kann, in der Hoffnung auf ein besseres Leben ohne Krieg. Ihre unterschiedlichen Herkunftsländer, Lebensweisen und Erfahrungen geben Anreize, Unbekanntes, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Menschen kennenzulernen, ihnen eine Chance zu geben und das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein.

Die Lesung ist nur eine der Veranstaltungen im Rahmen des festival contre le racisme mit dem die Mitarbeiter von Refugees Welcome Bonn e.V. die Integration und das Zusammenleben vereinfachen wollen.

Kommentar verfassen