Die wilde Saite des Green Juice – Teil I

Wer hat nicht mal hin und wieder Lust, was Neues auszuprobieren? Wie wäre es mit musikalischen Klängen von Party-Punk bis Deutsch-Pop-Rock an nur einem Abend? Klingt komisch, ist es aber nicht. Das Green Juice Warm Up ermöglicht ganz genau das.

Samstagabend in der Bonner Altstadt im August. Eigentlich eine super Gelegenheit, um etwas Schönes zu unternehmen – dürfte man meinen. Wäre da nicht das klitzekleine Problem, dass der Sommer sich in den letzten ein bis zwei Wochen ein bisschen zu gut vor uns versteckt hat. Und das andere kleine Problem, dass das Kultur- und Freizeitprogramm in Bonn in den letzten Jahren leider etwas nachgelassen hat. Viele gebürtige Bonner, die für das Studium weggezogen sind, müssen so bei ihren Besuchen in der Heimat immer wieder feststellen, dass einige Veranstaltungen, die sie teilweise noch aus der Kindheit kennen, entweder in andere Städte gezogen, oder den ewigen Kampf gegen die Nörgelbürger komplett aufgegeben haben. Zum Glück gibt es immer mal wieder etwas, das so manch einem Bonner Schüler oder Studenten Hoffnung macht. Am Samstagabend hat das Green Juice Warm Up (mehr dazu hier) im IrishPub „The Dubliner“ in der Altstadt, ganz nahe der Haltestelle ‚Stadthaus‘, stattgefunden. bonnFM war für Euch dabei und sprach mit einer der Bands.

Warum ist das gut für Euch? Wir testen den Auftakt dieses einwöchigen Programms und sagen Euch, was die Veranstaltungen so zu bieten haben. Wenn ihr dann Lust bekommen habt, habt ihr noch weitere vier Tage Zeit, um Euch selbst ein Bild davon zu machen. Hier gibt es den Veranstaltungsplan!

Kostenloser Eintritt, Live Musik, Bier – was will man mehr?

Die beiden Bands, die am Samstag im „The Dubliner“ aufgetreten sind, könnten musikalisch kaum unterschiedlicher sein. Die erste Band, Dan Dryers, macht Musik, die die fünf Mitglieder selbst als „Party-Punk’n’Roll“ bezeichnen. Auf Spotify kann man hören, dass die überwiegend englischen Lieder von Party-Sauf-Songs bis hin zu tiefgründigen Auseinandersetzungen reichen, die sie mit einer extremen Lautstärke und viel Wumms auf die Bühne bringen. Dass die Texte auf Englisch sind, konnte man im Dubliners leider nicht raushören – was allerdings nicht nur dem Schreianteil des Sängers, sondern auch der nicht so guten Akustik in dem Pub geschuldet war. Das Publikum war nichtsdestotrotz ziemlich angetan. Als sich nach den ersten paar Liedern eine mutige Tänzerin nach vorne an die Bühne traute, folgten noch einige mehr und ab und an konnte man lange Haare beim Headbangen fliegen sehen.

Eine Idee des Green Juice Warm Ups ist es, Konzerte in Locations zu veranstalten, in denen es normalerweise keine gibt. Damit im Hinterkopf wundert man sich auch nicht mehr, dass die kommenden Warm Up Veranstaltungen etwa im Euro Theater Central oder im WOKI stattfinden. Aber wenn man sich im Dubliner so umschaut, könnte man fast meinen, dass es für abendliche Livemusik geradezu wie gemacht ist. Der Sänger Gansman holte in jedem Fall alles aus der Location raus. Er lief immer wieder durch den Raum oder sprang auf Tische und Barhocker, von wo aus er das Publikum anheizte. Nach 45 Minuten Spielzeit hat er sich so langsam heiser gebrüllt und verlässt verschwitzt die Bühne. Die Stimmung ist super.

Bild: Sonja Möller / konzertsucht

Bild: Sonja Möller / konzertsucht

„Dynamisch, jung und frisch“

Die zweite und letzte Band und damit auch der Höhepunkt des Abends ist Heldenviertel. Heldenviertel gibt es seit 2011 und besteht aus Rafael, Jens und den Brüdern Simon und Julian. Die vier Bonner Jungs, die sich im Interview selbst als „dynamisch, jung und frisch“ bezeichnen, kennen sich seit der Kindheit und machen schon ewig zusammen Musik. Bis 2011 hatten sie noch eine Sängerin und nannten sich Basement. In dieser Konstellation haben sie auch schon auf der ersten Ausgabe des Green Juice Festivals gespielt. Unter dem Namen Heldenviertel haben sie ihren Musikstil leicht verändert und viele ihrer Lieder sind nun deutlich rockiger. Im Interview erzählten die Jungs, dass sich die Situation in Bonn für junge, lokale Bands in letzter Zeit eigentlich auf dem Weg der Besserung befindet: „Die Szene ist wieder größer geworden. Es gab eine Zeit, wo man als Band gar keine Chance hatte, hier in Bonn aufzutreten. Mittlerweile gibt es aber wieder recht viel, von klein bis groß. Es gibt viele Clubs, viele Bars, wo man spielen kann. Man muss sich halt ein bisschen anstrengen und sich informieren, dann kriegt man das ganz gut hin.“
Neben dem Green Juice Festival, das einmal im Jahr stattfindet, weist Schlagzeuger Julian noch auf die Musikstation, den Kunstgarten und Kunstrasen, die Stadtgartenkonzerte und den Bandcontest Toys2Masters hin.

In Bonn fühlen sich die Jungs pudelwohl. Hier befindet sich auch ihre Fanbase. Ihren Lieblingsort können sie gar nicht wirklich benennen, aber in der Rheinaue spielen sie häufiger und auch gerne. Die vier sind zufrieden damit, in kleineren Bonner Clubs und Kneipen aufzutreten. Das ist persönlicher und macht mehr Spaß, weil sich die Menschen auf eine kleinere Fläche konzentrieren und dadurch die Stimmung intensiver ist, erklärt Julian. Natürlich träumen sie aber auch von größeren Engagements, wie zum Beispiel einem Auftritt im Kölner E-Werk oder als Vorband von Coldplay. Am 2. September dürfen die Jungs auch die Luft größerer Bühnen schnuppern: Im Kölner Tanzbrunnen spielen sie als Vorband für Bosse und Clueso im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums des Verkehrsbundes Rhein-Sieg.

Wie auch bei Coldplay, decken die Songs von Heldenviertel eine ganze Palette an Emotionen und Stimmungen ab. Nicht selten beschreiben ihre Texte auch ihre lange Freundschaft und die ist auf der Bühne auch deutlich zu erkennen: Sie albern miteinander rum, haben Spaß und fühlen sich merklich wohl. Als zwischendurch eine Saite von Jens’ Bass reißt, überbrücken die Jungs die Wartezeit mit ein bisschen Geplauder mit den Fans und erzählen ein paar Witze. Nachdem die Band etwas verspätet um 22.30 mit ihrer letzten Zugabe durch ist, ist der Abend noch lange nicht vorbei. Der Laden ist voll, die Gäste sind alle richtig in Stimmung gekommen und weiter geht’s mit Karaoke.

Bonn und Musik und Kultur und so

Bonn hat es nicht leicht, gegen das so nah gelegene Köln anzukommen. Köln ist nun mal deutlich größer, da ist logischerweise auch einfach mehr los. Viele Bonner trauern Veranstaltungen wie der Rheinkultur oder den Klangwellen immer noch etwas hinterher. Aber man muss dabei natürlich aufpassen, dass man nicht aus lauter Nostalgie die neuen Kulturangebote, die die Stadt zu bieten hat, übersieht.

Einen Appell haben die Jungs von Heldenviertel auch an alle Bonner, die gerne kritisieren, dass in Bonn im Vergleich zu Köln so wenig los sei: „Die Warm Up Woche hat einiges zu bieten. Was da geboten wird, muss man auch annehmen. Es ist ganz wichtig, dass die Leute hier auch hingehen. Es ist schade, wenn Leute sich solche kulturellen Veranstaltungen entgehen lassen, weil genau diese Bonn einfach ausmachen.“

Das Interview mit Heldenviertel könnt ihr euch demnächst hier als Podcast anhören.

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