Haken live in Köln: Party like it’s 1985!

Die britische Progressive-Rock Band Haken spielte am vergangenen Samstag im ausverkauften Gebäude 9 in Köln ein denkwürdiges Konzert zum Abschluss ihrer knapp einmonatigen „Affinity“ Europa-Tour. Insbesondere die Stücke des gleichnamigen Albums, das 2016 neu erschienen ist, schufen das Gefühl einer Zeitreise in ein Jahrzehnt, das musikalisch ein teils fragwürdiges, teils ausgesprochen unterhaltsames Vermächtnis hinterlassen hat.

Die norwegischen Metal Bands Arkentype und Rendezvous Point eröffneten den Abend mit durchwachsenen Darbietungen. Während Arkentype mit ausgedehnten Stakkato-Gewittern im unteren Frequenzbereich, bei denen jedoch gefühlt die Hälfte des Gehörten vom Band zu kommen schien und sich die Band dabei das ein oder andere Mal verrannte, nicht ganz überzeugen konnten, zeigte die Formkurve bei Rendezvous Point schon eher nach oben. Die durchaus imposante Präsenz des Sängers Geirmund Hansen ging mit einem handwerklich tadellosen Auftritt einher, den das Publikum mit wohlwollendem Applaus quittierte.

Nachdem Haken die Bühne betreten hatten und dabei von frenetischem Jubel begleitet worden waren, zeigte der erste Song sofort die Richtung an, in die es im Folgenden gehen sollte. Die Single-Auskopplung „Initiate“ lieferte einen gelungenen Einstieg in einen Abend voll von technisch hoch versierten, dabei aber nicht weniger eingängigen Liedern, die zu keinem Zeitpunkt so etwas wie Langeweile aufkommen ließen. Eine durchschnittliche Länge der Songs von sieben bis zehn Minuten erlaubte es den Zuschauern, sich vollends der Musik hinzugeben, ohne dabei alle drei bis vier Minuten aus der Dynamik der Lieder herausgerissen zu werden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Handydisplays des Publikums vergleichsweise wenig zu bestaunen waren. Einen großen Pluspunkt gibt es also auch dafür.

Eine musikalische Zeitmaschine

Das Highlight stellte jedoch zweifelsohne der Song „1985“ dar. Die Mischung aus einer offensichtlichen Hommage an die Musik der 1980er Jahre und ihrem Hang zu Synthesizern, gepaart mit denen für progressive Rockmusik typischen Tempi- und Harmonienwechseln, lieferte eine Reminiszenz an verschiedene Altmeister des Genres wie etwa „Yes“ oder „Rush“, die ihresgleichen suchte. Kurzzeitig glaubte man, überall im Publikum Dauerwellen und neonfarbene Trainingsanzüge zu sehen und wähnte sich an der Seite von David Hasselhoff im Lamborghini auf der Promenade von Miami Beach. Mitnichten driftete das Gehörte in die Sphären einer Parodie oder einer flachen Kopie ab, was vornehmlich durch die Verwendung von Elementen neuerer Ausprägungen des Progressive-Rocks erreicht wurde und speziell „1985“, aber auch ihre weiteren Songs zu musikalischen Feuerwerken machte. Einen kleinen Wermutstropfen lieferte leider der Sound des Gebäude 9, der es an manchen Stellen schwierig machte, das komplexe Zusammenspiel des Sextetts sauber voneinander zu unterscheiden.

Den Schlusspunkt setzte der Song „Crystallised“ als Zugabe, die mit ca. zwanzig Minuten jedoch sehr großzügig bemessen war und die Aufnahmefähigkeit des Spektakels bereits an ihre Grenzen brachte. Alles in allem hatte man nach fast zwei Stunden das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein und was wünscht man sich eigentlich mehr von einem guten Konzert?

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