Dudelsäcke in der Rheinaue – In Extremo auf der Rockaue 2017 in Bonn

Bild: Daniel Pomplun

Rock, Metal, Folk und Punk – Bands aus den verschiedensten Musikrichtungen konnten sich Fans am Samstag bei der dritten Ausgabe der Rockaue in den Bonner Rheinauen anschauen. Einer der Headliner war die deutsche Mittelalterrockband In Extremo, die bonnFM zum Interview treffen durfte.

„Da kann man nur Danke sagen!“

Seit nunmehr 22 Jahren machen In Extremo Mittelalterrock: eigene Interpretationen traditioneller Texte und Melodien aus aller Herren Länder in den unterschiedlichsten Sprachen, egal ob tot oder lebendig oder längst vergessen. Immer mit auf der Bühne: eine ungeheure Menge von Instrumenten, vom Dudelsack über Harfe bis hin zur Schalmei und Drehleier. Dass In Extremo in all den Jahren noch nie in Bonn gespielt haben, scheint unglaublich, aber wahr. Doch bei der Rockaue 2017 war es endlich soweit und bonnFM nutzte die Gelegenheit, um Sänger Micha „Das letzte Einhorn“ Rhein zu interviewen.

Bild: Daniel Pomplun

Bild: Daniel Pomplun

bonnFM: Also ihr seid das erste Mal hier in Bonn auf der Rockaue, was erwartet ihr euch denn vom heutigen Abend?

Micha: Das ist eigentlich lustig, ich glaub, das ist ein Festival, wo uns nur die Hälfte der Zuschauer kennt. Finde ich aber interessant so was.

bonnFM: Fühlt ihr euch hier wohl?

M: Ja natürlich, ich meine, wir spielen ja auf ganz vielen Festivals. Ich wohne in der Nähe hier und für mich ist das natürlich noch besser. Wir sind jetzt seit anderthalb Wochen in diesem Bus und heute Abend fahr ich nach Hause und brauch nicht weit fahren. Das ist einfach ein geiles Gelände hier, ich meine die Leute haben Spaß […]. Ich bin vorher auch mal auf dem Festival rumgelaufen und hab mich umgeschaut, Klasse.

bonnFM: Ihr tourt ja gerade und macht bald eure Burgentour [Konzerte auf unterschiedlichen Burgen, z.B. Wasserschloss Klaffenbach oder der Merseburg, Anm der Red.]. Was ist denn da das Besondere im Vergleich zu einem Festival wie heute, was macht da die Atmosphäre für euch aus?

M: Ja auf so einer Burg ist natürlich immer ne geile Atmosphäre, da kommt natürlich auch unser Hauptpublikum hin, da spielen wir auch stellenweise ein paar ältere Songs. Das ist immer ganz gut, dieser Mix, auf Festivals spielst du natürlich was anderes stellenweise.

bonnFM: Euer Album [Quid pro Quo, Amn. der Red.] ist ja jetzt ziemlich genau ein Jahr draußen. Seid ihr zufrieden mit der Resonanz?

M: Absolut, es hat sich sehr gut verkauft bisher, wir waren Nummer eins damit… Da kann man nur Danke sagen, das ist einfach klasse!

bonnFM: Und kann man mal fragen, ob es Pläne gibt für weitere Alben?

Bild: Katharina Pütz / bonnFM

Bild: Katharina Pütz / bonnFM

M: Ja auf alle Fälle! An Arbeiten ist diesen Sommer natürlich nicht zu denken, wir sind die ganze Zeit unterwegs, da genießt man das auch und denkt gar nicht ans Produzieren. Aber ich denke mal so ab Winter setzen wir uns mal wieder zusammen. Aber wann und wo, das weiß ich noch nicht.

bonnFM: Ihr hattet ja 20 Jahre Jubiläum [20 wahre Jahre Festival 2015 auf der Loreley mit vielen anderen befreundeten Bands wie Russkaja, Schandmaul oder Eisbrecher, Amn der Red.]. Was macht ihr bei 25 Jahren?

M: Da machen wir auch ein großes Fass auf! Wir sind auch schon an den ersten Planungen, aber das ist jetzt alles noch zu verfrüht. […] Das war schon was, ich glaube, ich kenne keine Band, die die Loreley zwei mal ausverkauft hat, es war eine runde Sache. Wir haben zwei verschiedene Sets gespielt, die Bands, die alle mitgemacht haben, es gab einen Mittelaltermarkt – es hat alles gestimmt!

bonnFM: Vieles in eurem Repertoire hat ja fremdsprachige Texte, auch auf Sprachen, die schon länger tot sind; ist das eigentlich schwer, das alles auswendig zu lernen?

M: Natürlich, klar, im Alter wird das immer schwieriger. Bin ja auch nicht der Fleißigste, muss man sagen, oft mach ich das auf den letzten Drücker und dann machst du es eben intensiver. […] Natürlich kannst du die Sprachen nicht alle, das lernt man schon auswendig. Aber du weißt natürlich immer, um was es geht. […] Aber es gab auch Songs, wie Liam zum Beispiel, das waren ursprünglich eigene Songs, also selbst geschrieben auf deutsch, aber die klangen auf Fremdsprachen besser und dann haben wir die übersetzen lassen.

bonnFM: Habt ihr auch schon mal Kritik bekommen von z.B. Franzosen oder Spaniern, bezüglich eurer Aussprache?

M: Ja natürlich, das finden die aber auch charmant. Das ist wie wenn du jemanden triffst, der eine fremde Sprache spricht, der hat dann eben einen Akzent, also ich find das immer ok.

bonnFM: Kannst du schon irgendwas über die Show heute Abend verraten?

M: Och, lass dich überraschen! Wird schon lustig, glaub ich!

Feuer in einer Vollmondnacht – In Extremos Auftritt als Headliner

Bild: Daniel Pomplun

Bild: Daniel Pomplun

Etwas früher als angekündigt, da sich durch die krankheitsbedingte Verkürzung des Blues Pills-Auftritts die Konzerte von Danko Jones und auch In Extremo zeitlich nach vorne verschoben hatten, startete der Headliner auf der Mainstage. Es ging auch fulminant mit dem Song Feuertaufe los. Das Publikum, das den ganzen Tag auf den Auftritt hingefiebert hatte, war begeistert – und überaus textsicher.

Die Bühnenshow von In Extremo war wie immer außergewöhnlich mit Flammen, Feuerwerk und Konfettikanone ausgestattet. Die Band spielte fast alle Klassiker, obwohl der Fokus auf dem inzwischen ein Jahr alten Album Quid pro Quo lag.

Zwar war der Auftritt mit einer Spielzeit von ca. anderthalb Stunden länger als die der vorherigen Acts, dennoch für die Fans viel zu schnell zu Ende. Mit Pikse Palve, einem von traditionellen (estnischen) Melodien inspirierten Song verabschiedete sich die Band vom Bonner Publikum und entließ es in die Vollmondnacht.

Das nächste Konzert (im Unkreis) von In Extremo findet am 30.12.2017 im Kölner Palladium statt.

Kommentar verfassen