Joe Bonamassa: Ein Rockkonzert im Sitzen

Joe Bonamassa gilt zurecht als Gitarrengott des Bluesrocks. Bei seinem Konzert in der Bonner Beethovenhalle ging die Musik leider ein wenig inmitten von zu viel Show, Berechenbarkeit und Eintönigkeit unter. Dabei weiß Bonamassa eigentlich sehr gut, wie wenig es braucht, um starke Momente zu schaffen.

Drei Trucks stehen auf dem Parkplatz vor der Beethovenhalle. Sie alle transportieren das, was es für das „Guitar Event Of The Year“ braucht: Gitarren, Boxen, Scheinwerfer, weitere Instrumente und…Gitarren. Joe Bonamassa ist nicht nur für seine virtuosen Fingerfertigkeiten auf den sechs Saiten bekannt, sondern auch dafür, ein leidenschaftlicher Sammler dieses Instruments zu sein. Bis zu 300 Gitarren sollen sich im Besitz des einstigen New Yorker Wunderkinds befinden, das bereits mit 12 Jahren neben Blueslegende B.B. King auf der Bühne stand. Heute zählt der 38-jährige zur Crème de la Crème des Bluesrock. Dies unterstreicht auch das ausverkaufte Konzert in der Bonner Beethovenhalle am vergangenen Sonntagabend (28. Februar). Doch die drei Trucks verraten, dass hier nicht nur eine reine Zelebrierung des Blues zu erwarten ist, sondern ebenfalls eine fette Show. Und genau das wurde ein wenig zum Problem.

Platz nehmen, jetzt gibt’s Rock ‘n’ Roll

Schon im Foyer werden die Besucher daran erinnert: Hier geht es um Gitarren. An einem Verkaufsstand sind teure Exemplare verschiedener Modelle aufgestellt, Preisklasse: meist irgendwas zwischen 5.000-10.000 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen und wahrscheinlich auch nicht wirklich in der Erwartung aufgebaut, etwas zu verkaufen. Aber zum Imponieren reicht es. Nach einer kurzen Gelegenheit zum Staunen geht es dann mit deutlich teureren Gitarren weiter. Zu Johnny Cashs „Ring On Fire“ betritt Joe Bonamassa mit seiner fünfköpfigen Band (Schlagzeug, Bass, Klavier/Orgel, Trompete und Saxophon) die Bühne. Die Zuschauer sitzen erwartungsfreudig auf ihren Stühlen. Bonamassa tritt in gewohnter Anzug-Sonnenbrille-Kombination auf. Am Ende des Abends sollen die rote Hose und das Jackett der Transpiration geschuldet einen deutlich dunkleren Ton annehmen. Ins Zeug werden sich an diesem Abend alle Musiker legen.

Gitarre wechsle dich

Die Show beginnt: Eine imposante Lichtshow, ausufernde Gitarrensoli und nach beinahe jedem Song eine neue Gitarre. So vergeht ohne sonderliche Höhepunkte die erste Hälfte des Konzerts. In der vorderen Reihen springen vereinzelte Zuschauer vor Begeisterung nach einem Solo auf, andere Zuschauer, wie zum Beispiel der Vordermann des Autors dieses Textes, sind eher in ihr Smartphone vertieft. Streckenweise ein Sinnbild für diesen Abend, denn irgendwie will der Funke nicht so richtig überspringen, auch wenn ein Großteil des Publikums sichtlich Gefallen am Konzert findet.

Dass Joe Bonamassa sein Handwerk versteht, daran besteht kein Zweifel. Aber im Kontext der durch und durch geplanten, effektvollen und glatt geschliffenen Show, die geboten wurde, verlor die Musik an Tiefe und Emotionalität. Zu berechenbar und kalkuliert wirkte die gesamte Performance.

Die Bedeutung eines einzelnen Tons

Dabei weiß Joe Bonammasa, wie man auch mit wenigen Mitteln viel Wirkung erzeugen kann. Das bewies er zwischendurch immer wieder. Zum Beispiel bei einem Solo in der zweiten Hälfte des Abends auf einer Stratocaster. Keine Verzerrung, wenige, leise Töne. Das Publikum wurde ganz ruhig, Whatsapp hatte zwischendurch mal Pause. Im Fokus standen allein die Musik und ein Gefühl – nicht die Lichtshow, nicht die Virtuosität.

Wie auch laute Stücke für mehr Leben in den Rängen sorgen können, zeigte das letzte Lied vor der Zugabe – eine extra lange Version der Nummer „Ballad Of John Henry“. Dieser Song riss die Zuschauer wortwörtlich von ihren Sitzen: Zahlreiche Zuhörer standen auf, strömten vor die Bühne und begannen zu tanzen. So viel Ausgelassenheit und Energie war den ganzen Abend über nicht zu spüren.

Das Konzept Spektakel funktioniert

Vielleicht sollte Joe Bonammsa darüber nachdenken – wenn möglich – stets unbestuhlte Konzerte zu geben. Auch wenn er sein Leben selbst nicht als Rock ‘n’ Roll bezeichnet, würde ein bisschen mehr Rock ‘n’ Roll, Spontanität und weniger Inszenierung drumherum für deutlich mehr Leben und Emotionen sorgen. So oder so, das Konzept funktioniert trotzdem prächtig, wie die vollen Hallen zeigen. Doch fragt sich, was im Mittelpunkt steht: Das Spektakel und die Faszination für das Virtuose oder wirklich die Musik?

3 Kommentare

  1. Ja man kann das so sehen Herr Rubens, aber bedenken Sie Bitte das JB wahnsinnig viel für den Blues getan hat. Auch das Interesse an Vintage Gitarren ist spürbar angestiegen! Er bezeichnet sich selbst als Guitar Nerd! Er lebt für seine Musik und seine Gitarren und Amps. Was ist daran verwerflich? Es gibt auch Epiphone Bonamassa Signature Gitarren für € 600. Viele junge Menschen haben durch ihm den Zugang zu Blues gefunden. Bedenken Sie auch das er sich komplett selbst vermarktet! Geht nicht über die Konzertveranstalter. Hat keinen Recordlabel. Deshalb wird er kaum im Radio gespielt. Und er ist trotzdem sehr erfolgreich. Das verdient Respekt und Anerkennung. Fast 200 ausverkaufte Konzerte sprechen leider für sich! Irgendwas macht er wohl richtig.

    Zu viele Musiker sind von ihren Managern und Plattenfirmen ausgebeutet worden!

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    • Lieber Herr Schlytter,

      vielen Dank für Ihren Kommentar! All das, was Sie erwähnen, möchte ich Joe Bonamassa auch gar nicht absprechen. Zudem respektiere ich auch seine Kunst und seine Schaffen. Deswegen schrieb ich gleich zu Beginn ja auch “Joe Bonamassa gilt zurecht als Gitarrengott des Bluesrocks”. Dass er anscheinend vieles richtig gemacht hat, schreibe ich ebenfalls.

      Ich denke lediglich, dass er sich ein bisschen mehr trauen könnte, um seine Konzerte lebendiger zu machen. EinEs ist ja auch immer stets ein subjektiver Eindruck, den man beschreibt. Für mich wirkte das Konzert sehr nach dem Schema F geplant und ein wenig uninspiriert. Deswegen hätte ich mir bei dem Potenzial, das JB zweifelsohne hat, ein wenig mehr gewünscht. Waren Sie auch bei dem Konzert?

      Viele Grüße, Ruben Kalus

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      • Hallo Herr Kalus,

        Ich war letzten Samstag in der Jahrhunderhalle Höchst. Die Stimmung war extrem gut. Er hat sich förmlich von einem Höhepunkt zum nächsten gespielt. Die Halle bebte. Bin am nächsten Sonntag in Karlsruhe. Werde berichten.

        Ich spiele Gitarre seit meinem 12 Lebensjahr. Ich verstehe genau was Sie meinen. Wir haben in 1995 ein Konzert gegeben in Mangelsdorfs Jazzkeller in FFM. Alle die vor uns gespielt haben waren perfekt. Als wir mit unsere nicht so perfekten aber emotionalen Auftritt dran waren flippten die Zuschauer total aus. Zum Entsetzen von Mangelsdorf tanzten viele auf seiner Theke.

        Joe muss damit leben das er mit 12 schon ein sensationeller Blues Spieler war. Er erfasst die Musik durch die perfekte Technik. Das ist eine andere Art Blues zu spielen. Was mich bei ihm beeindruckt ist die bedingungslose Hingabe für die Musik. Er verbringt jede freie Minute damit neue Gitarren und Amps zu suchen. Er kann eben alles auf der Gitarre nur nicht ab und zu ein wenig falsch spielen. Da bin ich bei Ihnen. Das gehört auch zum Blues. Aber das passt einfach nicht zu seiner perfekten Art Gitarre zu spielen.

        Gruß

        Thomas Schlytter

        PS: falls Sie zur Musikmesse gehen lohnt es sich in Maintal bei Guitarpoint vorbeizuschauen. Es ist einfach unglaublich cool.

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