Lucia-Fest – Eine schwedische Vorweihnachtstradition in Bonn

Bild: Kerstin Peters/bonnFM

Am Dienstagabend fanden bereits im vierten Jahr in Folge die Feierlichkeiten des schwedischen Lucia-Festes im Kapitelsaal der Katholischen Hochschulgemeinde Bonn statt. Organisiert wurde das Ganze von der Abteilung der Skandinavistik und der Fachschaft GeKoSka (Germanistik, Komparatistik, Skandinavistik) der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn. bonnFM ist für euch in den Brauch dieser schwedischen Tradition eingetaucht.

Traditionell wird in Schweden jedes Jahr am 13. Dezember das Lucia-Fest gefeiert. Auch in Bonn zog an diesem Tag der singende Chor der Skandinavistik-Studentinnen durch das Hauptgebäude der Universität. Allen voran Lucia, die Lichtbringerin, die mit – aus sicherheitstechnischen Gründen leider nur elektrischen – Kerzen im Haar die Prozession anführte.
Eine Woche später waren die Kerzen echt, die Atmosphäre umso feierlicher, mysigt – gemütlich, wie man in Schweden sagen würde – und on top gab es auch noch ein Buffet voll mit traditionell schwedischen Leckereien wie zum Beispiel lussekatter, ein Hefe-Safran-Gebäck. Was selbstverständlich auch nicht fehlen durfte war glögg, der schwedische Glühwein bestehend aus Rotwein und Rum, Gewürzen wie Zimt, Kardamom, Ingwer und Nelken, der gerne auch mit Rosinen und Mandeln serviert werden darf, und welcher den ganzen Abend reichlich floss.

Eine schwedische Tradition in Bonn etabliert

Bereits seit vier Jahren feiern die Studierenden der Skandinavistik und viele andere das Lucia-Fest auch in Bonn. 2012 fand die Premiere unter der Leitung der damaligen Schwedisch-Dozentin Elin Behrens statt. Der Grundgedanke dahinter war, dass zu den Studieninhalten nicht nur die Vermittlung der Sprache gehört, sondern dass es genauso wichtig ist, die Kultur des Landes und die damit verbundenen Traditionen kennenzulernen. Und wieso sollten eben diese Traditionen nicht auch in Bonn gefeiert werden?
Jedes Jahr steckt wahnsinnig viel Arbeit dahinter, damit dieses Fest auf die Beine gestellt werden kann. Es müssen Lieder geprobt werden, was gerade für Erstsemester nicht immer einfach ist, aber gleichzeitig eine unglaublich gute Technik, die den Erwerb der skandinavischen Sprache spielerisch erleichtert. Die Kostüme in Form der weißen Gewänder müssen zum Teil extra aus Schweden beschafft werden. Auch die Kränze, die das Haar eines jeden Chormitgliedes schmücken, müssen jedes Jahr aufs Neue aus Buchsbaum geflochten werden.

Ursprung des Lucia-Festes nicht ganz eindeutig

Das Lucia-Fest beginnt in Schweden schon morgens in den Familien, in denen traditionell die älteste Tochter die Rolle der Lucia innehat. Sie weckt ihre schlafenden Eltern und bringt ihnen Kaffee und lussekatter ans Bett. Auch in Kindergärten und Schulen, Altenheimen und Krankenhäusern, an Arbeitsplätzen und in Kirchen findet die Lucia-Prozession statt, sodass sie von Jahr zu Jahr fester Bestandteil der schwedischen Gesellschaft ist und im ganzen Land gefeiert wird. In Schwedens Hauptstadt wird sogar alljährlich eine Lucia gewählt und das schon seit 1927. In jenem Jahr veranstaltete die Stockholmer Zeitung „Stockholms Dagblad/Stockholms Tidningen“ einen Lucia-Wettbewerb, bei dem sie ihre Leser dazu aufforderte, eine Lucia zu wählen.
Die Frage woher dieser Brauch denn nun eigentlich stammt, ist nicht ganz zweifelsfrei zu beantworten. Der Name Lucia geht wohl auf die Heilige Lucia von Syrakus, eine Märtyrerin aus dem 4. Jahrhundert, zurück, die ebenfalls am 13. Dezember ihren Gedenktag hat. Sie nahm sich den Armen an und versorgte sie mit Nahrung. Zudem war der 13. Dezember vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1752 der Tag der Wintersonnenwende. Somit der kürzeste und gleichzeitig auch dunkelste Tag des Jahres, den die Lichtbringerin Lucia (lat. lux für Licht) erhellen sollte.

Trotz der Rückführung auf die Heilige Lucia, ist das Lucia-Fest so wie es in der heutigen Form in Schweden stattfindet, wenig kirchlich geprägt. Vielmehr markiert es den Mittelpunkt der Adventszeit und wird gleichzeitig als ein vorausdeutendes Symbol des Frühlings für Wärme und neues Leben gesehen. Es soll Licht in die im hohen Norden besonders dunklen Wintermonate bringen.

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