Von Welthass, Ewigkeitsversprechen und Kindergarten – Poetry Slam im Pantheon

Was passiert, wenn man einen Popsong einer Gedichtsanalyse unterzieht? Wieso ist es nicht schwer, ein schlechter Mensch zu sein? Und warum können wir uns eigentlich nie eingestehen, verliebt zu sein?
Diese und viele weitere Fragen stellten sich acht Slammer aus ganz Deutschland, die beim letzten Slam vor der Sommerpause im Pantheon auftraten. bonnFM war für euch live dabei.

Eine Bühne. Selbstgeschriebene Texte. Keine Requisiten. Das sind die Regeln für die Slammer. Doch bevor es richtig losging, traten zwei verrückte Jungs auf die Bühne, die sich an keine Regeln halten mussten: Das Singer Songwriter Duo Simon und Ingo. Mit Gitarre und einer großen Portion Verrücktheit sprangen und sangen die Jungs über die Bühne. Doch in ihren Texten über volle WG- Küchen oder langsames Internet steckte mindestens genauso viel Lebensweisheit, wie in den folgenden Slams.

Was am Ende zählt ist nicht dein Lebenslauf, sondern du“

Bild: Mariam Gabatashvili-Braun

Bild: Mariam Gabatashvili-Braun

Und nicht nur das ist eine Weisheit, die man am Abend mitnehmen konnte. Wortgrübeleien über Sprachlosigkeiten und Bindungsängste, Ewigkeitsversprechen und Welthass, Scheinwelten und das Ankommen in der Realität. Warum wir manchmal unsere eigenen Sandburgen wieder einreißen, immer entspannt wirken wollen und dabei oft vergessen, wer wir eigentlich sind. Doch genauso durfte darüber gelacht werden, wie fies man im Kindergarten sein kann oder auf was für verrückte Gedanken man mit einer rosaroten Brille kommt.
Doch so unterschiedlich die Texte auch waren, eins war ihnen allen gleich: Sie bewegten das Publikum. Mal brachten sie die Leute zum Lachen, mal dazu, über das Leben zu philosophieren. Oft erkannte man sich in ihnen wieder oder konnte einfach mal in den Gedanken anderer abtauchen.

Gleich und doch so verschieden

Um dem Abend auch eine musikalische Note zu verleihen, spielte eine dreiköpfige Hausband zwischen den Slams und während der Auszählung. Aber apropros Auszählung, wie wählt man eigentlich einen Gewinner, bei so unterschiedlichen Texten? Hier kamen die Moderatoren Ingo Pieß und Quichotte ins Spiel. Mit viel Witz und Publikumseinbezug sorgten sie nämlich nicht nur für einen abgerundeten Abend, sondern auch dafür, dass am Ende ein Sieger feststand. In der Vorrunde durften ausgewählte Tische aus dem Publikum die Slammer auf einer 10 Punkte Skala bewerten. Die vier Künstler mit der höchsten Punktzahl durften dann im Finale einen weiteren Text vortragen.

Voll Alltag und Lebensweisheiten

So lassen sich die Texte der vier Finalisten charakterisieren. Mit den charmanten Worten „Als ich losging hatte ich Angst, keine Freunde zu finden, doch dann, Freunde zu finden“ beschrieb der Masterstudent Nils Frenzel das seltsame Kennenlernen seiner neuen Kommilitonen. Der Kölner Maximilian Humpert stellte sich die Frage wie schwer es eigentlich ist, ein guter Mensch zu sein und die Aachenerin Luca Sweeter erzählte von ihrer ereignisreichen Zeit im Obdachlosenheim.

Doch wer bekommt den Siegfried Gin?

Die finale Entscheidung, wer den Abend für sich entscheidet und mit einem Siegried Gin nach Hause geht, wurde dann dem ganzen Publikum überlassen. Bei der Qualität der Texte fiel diese Entscheidung allerdings alles andere als leicht. Doch am Ende überzeugte der Tübinger Jean-Philippe Kindler mit seinem „politischen Schminktutorial“, einem gewagten, aber unglaublich wahren Slam über die politischen Verhältnisse in Deutschland und der Welt.

Und am 29.9. wird weitergeslammt

Denn auch wenn es in einem der Slams hieß „Manchmal fehlen mir einfach die richtigen Worte“, sei eins sicher: Die Worte der Slammer im Pantheon werden so schnell nicht ausgehen. Daher können wir uns schon auf den nächsten Slam am 29. September freuen.

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