Premiere der Bonner CocoonDance Company „GHOST TRIO A – corps furtifs“ eine Reise in die Zwischenwelt des Ab- und dennoch Anwesenden

Zur Premiere von „GHOST TRIO A – corps furtifs“ der Bonner CocoonDance Company war bonnFM dabei im „Genf“ Saal des World Conference Center in Bonn.

Geisterhafte Klassik

Zum Beethovenfest Bonn präsentierte dieses Jahr die seit 2000 existierende Bonner CocoonDance
Company die Aufführung „GHOST TRIO A – corps furtifs“, Beethovens sogenanntes „Geistertrio“.
Dabei erschuf u.a. die Choreographin Rafaele Giovanola zusammen mit Rainald Endraß und Beatrice Berrut am Klavier ein geisterhaftes Ambiente, in der sowohl die Tänzer, als auch das Publikum gefangen zwischen dem Anwesenden und Abwesenden waren.
Mit live gespielten Parts aus Beethovens Klaviertrio D-Dur, op. 70/1, aus dem zweiten Satz, dem Largo assai ed espressivo, spannungsaufbauenden Lichteffekten und Klangobjektinstallationen aus Geige, Cello und Tonband, schaute man gebannt zu, was als nächstes geschehen würde.

Tanztheater der etwas anderen Art

Anders als man es gewohnt ist, bekam man einen Klappstuhl zur Verfügung gestellt und sollte sich „dahin setzten, wo man wollte“. So frei wie die Sitzordnung tanzten die drei Tänzer im gesamten Saal umher, nahmen den ganzen Raum ein und integrierten das Publikum so indirekt mit in ihre Vorstellung. So nah, wie sie auf einen zukamen, gingen sie auch wieder fort, gleich einer geisterhaften Begegnung… Zwei Bildschirme, die jeweils an der Seite des Raumes standen, zeigten den Saal in schwarz-weiß, gleich alten Filmaufnahmen, die nicht klar zu erkennen sind und die man sonst nur in Sequels aus Gruselfilmen kennt. Passend zum Konzept der „Körper als Medium, der in verschiedenen Kontexten verschieden aufgeladen werden kann“ herrschte eine zum Teil gruselig angespannende Atmosphäre, die einen darauf achten ließ, was als nächstes geschehen würde.
Immer toll in Szene gesetzt war die Pianistin, die mit der gespielten Musik Beethovens Gänsehaut erzeugte und die Tänzer fast schon unsichtbar, nicht anwesend machte.

Bild: ©Klaus Fröhlich

Einfach drauf einlassen

Diese nicht ganz konventionelle Aufführung muss man auf sich einwirken lassen, in die Musik abtauchen und sich ihr hingeben. Bei der Premiere gesellten sich von Schülern bis Rentnern alle Altersklassen dazu und alle schienen durchaus beeindruckt, da es zwischen den Musikpausen unglaublich still war, weil alle noch das gerade eben Geschehene, Gesehene und Gehörte verarbeiten mussten.
Also wer neugierig auf eine andere Art des Tanzens ist und dem Ausdruck dessen, der sollte sich einfach mal in andere Welten entführen lassen. Für Klassik-Kenner und Liebhaber wäre es auf jeden Fall etwas, da hier sowohl Klassik als auch Moderne vereint werden und sich auf eine andere Art ausdrücken, wobei die Interpretationsweise jedem selbst überlassen ist.

Kommentar verfassen