„Du bist wie der Mond – alt und fett“ – Poetry Slam im Pantheon

Im Pantheon hieß es wieder „Raus mit der Sprache“. Der literarische Wettstreit fand zum letzten Mal in diesem Jahr statt. Poetry Slammer aus ganz Deutschland und Österreich traten gegeneinander an. bonnFM war mit dabei.

Der Poetry Slam „Raus mit der Sprache“, der regelmäßig im Pantheon in Beuel stattfindet, hatte auch dieses Mal einiges an lyrischen Highlights zu bieten. Das eingespielte Moderatoren-Team Ingo Pieß und Quichotte führten durch den Abend und sorgten selber für das ein oder andere Schmunzeln. Insgesamt traten sieben Poetryslammer/innen aus ganz Deutschland und eine Vertretung aus Österreich gegen einander an. Jeder hatte ungefähr sechs Minuten Zeit seinen Text zu präsentieren. Dabei zählte nur das gesprochene Wort, Verkleidungen und Requisiten waren nicht erlaubt.

Bild: Mariam Gabatashvili-Braun

Im Vorhinein wurde an sieben Tische im Publikum Jurykarten mit Zahlen zwischen 1 und 10 verteilt. Nach jedem Auftritt durften sie ihre Bewertung abgeben. Zu Beginn und außer Konkurrenz präsentierte Quichotte einen seiner Texte, damit das Publikum und die Jury warm werden konnten. Mit dem Titel „Soldat“ lieferte er gleich eine schwere Thematik und brachten mit seinem Satz „das Größte, was es gibt, ist das Leben“ seine Message direkt auf den Punkt.

„Über Paarship verliebt sich nur Günther alle 11 Minuten“ – die Vorrunden

Danach ging es mit der ersten Vorrunde los. Jonas Scheiner aus Wien, die Bonner Delegation Anke Fuchs und Christoph Koitka und Marvin Suckut aus Konstanz präsentierten ihre Texte über Ideen als Währung, die Angst vor einem selbst, der Kühlschrank, der die Herrschaft übernehmen will und einen Brief an die Erstis. In diesem Brief mit dem Titel „Nur 12 Schritte bis zum Bachelor, jeder Schritt ist ein Semester“ konnte sich der ein oder andere anwesende Studierende durchaus wiederfinden. Die Jury belohnte Marvin Suckut für seinen Brief und Christoph Koitka mit seinem Kühlschrank-Szenario mit dem Einzug ins Finale. Auch die zweite Vorrunde hatte so einige Highlights zu bieten. Jakob Kielgaß aus Marburg brachte einen Text über Sisyphus und das Müssen, Zurückschauen und Ausbrechen und Aylin Celig aus Düsseldorf beschwerte sich über Menschen, die einen auf die Nerven gehen und wünschte sich einfach nur Ruhe. Über seine gut behütete Kindheit und schwere Phase in der Pubertät brachte Florian Wintels aus Paderborn das Publikum zum Schmunzeln. Für viele lachende Gesichter im Publikum sorgte auch die Bremerin Rita Apel. Die Ü60-jährige brachte es mit ihrem Text über die Partnersuche und den einzigartigen Wortspielen auf den Punkt. Ihr Fazit: Über Paarship verliebt sich nur Günther alle 11 Minuten. Verdient kam sie zusammen mit Florian Wintels ins Finale.

Von Liebesbriefen und Freundschaftsbekundungen

Bevor die finale Runde jedoch los ging, sorgte Jakob Meyer mit seiner Gitarre und lustigen Lyrics und Mitmachmusik für Stimmung. Die Tatsache, dass er in einem umgebauten LKW mit Bett und Klavier lebt, dessen Kupplung er neulich selbst repariert hat, passte zu seinem Auftreten – mit zerrissener Hose und zerzausten Haaren. Im Finale wurde die Jury von ihrer Aufgabe entbunden und das Publikum entschied nun durch Klatschen den Gewinner. Zu allererst stellte Christoph Koitka seinen Liebesbrief „Worte und Taten“ an das Mädchen, dass er sich nicht traut anzusprechen, vor. Auch einen Brief, jedoch für seine beste Freundin zum Geburtstag, hatte Marvin Suckut in petto. Auf lustige Weise beschwerte er sich darüber, dass sie sich von ihm einen literarischen Text gewünscht hat, schließlich könne er das ja, ohne ihn dafür bezahlen zu müssen. Freundschaft ist eben Lohndumping. Rita Apel ging dagegen einem ganz anderen Problem nach. Dem Problem von kalten Füßen bei Frauen und wie sie Männer dafür missbrauchen, als Fußwärmer zu dienen. Wieder mit allerlei Wortwitz und Zweideutigkeit.

Ein knappes Finale und ein verdienter Sieg

Bild: Mariam Gabatashvili-Braun

Den Abschluss machte Florian Wintels, der seinen Text mit den Worten „Du bist wie der Mond – alt und fett“ begann. Er thematisierte das Älterwerden, Gedanken über den Tod und die Suche nach den perfekten letzten Worten. Mit diesem Text konnte er das Publikum mehr als Begeistern und wurde von ihm mit tosendem Applaus zum Sieger gekürt. Wohlverdient nahm er einen Siegfried Gin als Preis entgegen. Auf hohem Niveau haben sich an diesem Abend die Poetryslammer/innen einen literarischen Wettbewerb geliefert und das Publikum begeistert und mit einem breiten Grinsen im Gesicht in den Abend entlassen. Dabei schafften sie es nicht nur die Lachmuskeln zu aktivieren, sondern auch dem Zuschauer etwas zum Nachdenken mitzugeben.

Der nächste Poetry Slam „Raus mit der Sprache“ findet am 18. März 2018 im Pantheon statt. Wer so lange nicht warten möchte, kann sich am 15.01.18 das Soloprogramm „Optimum fürs Volk“ von Moderator Quichotte, ebenfalls im Pantheon, angucken.

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