Bierdeckel für den Rektor

Hoher Besuch in der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) in Bonn: Unirektor Prof. Dr. Michael Hoch war am Mittwochabend zu Gast. Studentinnen und Studenten konnten ihre Fragen per Bierdeckel oder mit Kölsch in der Hand direkt an den Rektor richten. Nicht nur Fragen wie „Kaffee oder Tee“ oder „FC Bayern oder FC Köln“ beantwortete er im Laufe des Abends in der Evangelischen Studierendengemeinde, auch anderen Fragen stellte er sich offen und unverblümt in privater Runde.

Der Beginn des Abends wurde eingeleitet durch einige Fragen, die Simon Manderla von der Bonner ESG an den Rektor richtete und die sich besonders auf seine ersten sechs Monate im Amt bezogen. Prof. Hoch sagte, er habe es nicht bereut, sich auf das Amt des Rektors beworben zu haben und genieße seit Beginn seiner Amtszeit besonders den Kontakt zu vielen Menschen. Ihm sei es wichtig, nicht nur die globale Vernetzung der Uni voranzutreiben, sondern auch für regionale Verwurzelung zu sorgen. Die Rolle der Uni für die Region müsse von allen Seiten wahrgenommen werden. Dazu legt er Wert darauf, lokale Kontakte herzustellen. Neben Antrittsbesuchen bei kommunalen Amtsträgern suchte er aber genauso den Kontakt zu Kollegen und Studierenden. Wichtig ist ihm, das Bewusstsein aller an der Uni Lehrenden und Forschenden für das „Ganze“ zu schärfen. Jeder trage nicht nur eine persönliche Verantwortung für das, wofür er arbeite. Er ermuntert zum Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, der zu mehr Gemeinschaftsgefühl und dem Bewusstsein einer „Verantwortung für das Gesamte“ beitrage.

Raumsituation und Sparmaßnahmen

Als drängende Themen seiner Amtszeit zeichnete sich u.a. die vielfach für Unzufriedenheit sorgende Raumsituation ab. Herr Hoch erläuterte, dass es sich hierbei auch um einen nicht zu unterschätzenden Nachteil im Wettbewerb um gute Professoren handle, wenn man z.B. deren Mitarbeitern keine geeigneten Büros zur Verfügung stellen könne. Als zweites Beispiel führte er das Institut der Orient- und Asienwissenschaften an, welches auf vier Standorte verteilt ist. Dies seien keineswegs effiziente Strukturen, gerade auch im Hinblick auf den Spardruck der Uni. Die Sparmaßnahmen der Uni waren nicht nur einmal Thema an diesem Abend: Sparpotenzial sieht Rektor Hoch beispielsweise bei den Ausgaben für Energie, die momentan fast zehn Prozent der Ausgaben der Uni ausmachen.

Leidenschaftlicher Wissenschaftler und Dozent

Rektor Hoch ist mit Leidenschaft bei der Sache. Dies wurde im Laufe des Abends in der Evangelischen Studierendengemeinde auf jeden Fall deutlich. Mit Leidenschaft berichtet er von seiner Arbeit als Wissenschaftler und Dozent in der Molekularen Biomedizin und als Rektor. Es ist ihm ein Anliegen, dass den Studierenden das „Gefühl der Entdeckung“, das man beim wissenschaftlichen Arbeiten erfährt, weitergegeben wird. Aus eigener Erfahrung betont er die Wichtigkeit von Personen, die den Studierenden Impulse für den weiteren Weg geben und als Berater zur Verfügung stehen. Er sagt, es sei Aufgabe der Uni, Talente zu finden, die in den Studierenden schlummern und diese dann gezielt zu fördern. Dazu fordert er auch eine gewisse Leistungsbereitschaft der Studierenden: „Es ist schwer, Studenten zu fördern, die sich nicht motivieren lassen.“

„Bonner Erklärung für Weltoffenheit und Toleranz“

Ein Anliegen war es Professor Hoch auch, die „Bonner Erklärung für Weltoffenheit und Toleranz“ vorzustellen. Diesen Appell hatten die Rektoren der regionalen Hochschulen, die Leiter von Forschungsinstituten, der Oberbürgermeister und der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises gemeinsam formuliert und unterzeichnet. Gerade die Wissenschaft lebe vom internationalen Austausch und von grenzüberschreitendem Denken. Natürlich helfen aber nicht nur Worte, auch tatkräftiger Einsatz werde gebraucht. Hierzu hat das Rektorat, gemeinsam mit dem International Office, der Initiative für Flüchtlinge und dem AStA, ein Programm entwickelt, das Geflüchteten den Zugang zum Studium an der Uni Bonn erleichtert. Der erste Schritt sind dabei Deutschkurse, die bereits seit Oktober laufen. Außerdem ist eine Ringvorlesung zum Thema geplant, zu der Studierende und auch die Bonner Bevölkerung eingeladen sind.

Für die eine oder andere Frage war Herr Hoch auch nach Ende des Programms noch bei einem Glas Kölsch offen. Die Studenten, die an diesem Abend in der ESG dabei waren, äußerten sich positiv. Es sei spannend gewesen, auf dieser privateren Ebene jemanden kennen zu lernen, mit dem man sonst als Durchschnittsstudent nicht in Kontakt käme. Michael Pues, Hochschulpfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde, war positiv überrascht, wie persönlich und menschlich der Rektor geantwortet hat und bedankte sich bei Herrn Hoch für den Abend. Die Antwort auf eine dieser persönlichen Fragen – „FC Bayern oder FC Köln“ – verheimliche ich an dieser Stelle aber lieber, um den bisher guten Amtsantritt des Rektors hier im Rheinland nicht zu beflecken…