„Schöne Neue Welt“ in den Bonner Kammerspielen

Die Bonner Kammerspiele zeigen eine außergewöhnliche Inszenierung von Aldous Huxleys Roman „Schöne Neue Welt“. Dabei setzt der irische Regisseur Gavin Quinn besonders auf Aktivierung und Verunsicherung der Zuschauer, um diese über die gesellschaftlich heftige Thematik zum Nachdenken zu bringen. bonnFM hat sich in der vergangenen Woche das Stück für euch angesehen.

„Ich bitte nun die Zuschauer auf den schwarzen Sitzen, mir in den Konditionierungsraum zu folgen.“. Dass der Besuch dieses Theaterstücks in den Bad Godesberger Kammerspielen wohl kein gewöhnlicher sein würde, wurde dem Publikum von „Schöne neue Welt“ spätestens zu diesem Zeitpunkt klar. Schon beim Einlass bekam jeder Zuschauer ein Buch, aus dem zu Beginn gemeinsam gelesen wurde. Und auch der weitere Verlauf des Abends sollte außergewöhnlich bleiben.

Die perfekte Gesellschaft in der „Schönen neuen Welt“

Die Produktion „Schöne Neue Welt“, welches das Bonner Theater zeigt, basiert auf der Romanvorlage von Aldous Huxley. Sein Roman, der unter dem Titel „Brave New World“ vielen aus dem Englischunterricht bekannt sein dürfte, ist einer der klassischen Dystopien der Literaturgeschichte. Er beschriebt eine scheinbar perfekte „schöne neue Welt“, in der alle Menschen glücklich sind. Die Menschen werden künstlich in Reproduktionsfabriken gezeugt und direkt einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse zugeordnet und dieser entsprechend genormt. Trotz der großen Klassenunterschiede ist jedes Mitglied der Gesellschaft glücklich über seinen Posten und sollte das mal nicht so sein, so nimmt er einfach „Soma“, die Droge, die dafür sorgt, dass die Menschen keine Sorgen haben, keinen Kummer und kein Leid kennen. Egal welcher Kaste die Menschen angehören, sie sind alle auf eine permanente Bedürfnisbefriedigung durch Konsum, Sex und Soma konditioniert und hinterfragen so ihre Weltordnung nicht.

Ein unerwartetes Treffen mit weitreichenden Konsequenzen

Bernhard Marx, ein Mitglied der höchsten Klasse, den Alpha-Plus, besucht gemeinsam mit der Beta-Frau Lenina die „äußere Zone“, einen Ort, an dem die Menschen leben, die in der Gesellschaft nicht angepasst werden konnten und als „Wilde“ gelten. Dort lernen sie Linda und ihren Sohn John kennen. Bald finden sie heraus, dass John der leibliche Sohn von Berhards Chef ist, der ihm mit Versetzung droht. Bernhard beschließt, die beiden „Wilden“ mit in die „schöne neue Welt“ zu nehmen, um seinen Chef mit der Tatsache, dass er einen natürlich gezeugten Sohn hat, zu diffamieren.

Gesellschaftliche Strukturen stehen mehr im Vordergrund, als die Charaktere

Der irische Regisseur Gavin Quinn brachte mit „Schöne Neue Welt“, sein erstes Stück in Bonn auf die Bühne. Er verleiht dem Stück einen besonderen, fast exzentrischen Charakter. So tragen die Schauspieler auf der Bühne Masken und zeigten keinerlei Scheu sich auf der Bühne umzuziehen. Dabei waren die dargestellten Charaktere psychologisch nicht besonders tiefgehend. Quinn schaffte es in seiner Inszenierung, die gesellschaftliche Struktur in den Vordergrund zu stellen und den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen. Dafür durchbrachen die Darsteller immer wieder Barriere zum Publikum, indem sie direkt zu ihnen sprachen und immer wieder Gruppen in den Konditionierungsraum, einen großen schwarzen Würfel auf der Bühne, holten.

Wer einen entspannten Theaterabend erwartet, bei dem man sich zurücklehnen kann, wird bei Gavin Quinns Inszenierung von „Schöne Neue Welt“ enttäuscht. Das Stück möchte mit exzentrischen und provokanten Darstellungen aufrütteln und den Zuschauer zum Nachdenken bringen.

Am 2. und 17. Februar wird das Stück noch in den Bonner Kammerspielen gezeigt.