„Ist das Kunst oder kann das weg“ – SXTN in Köln

„Wäre das nur ohne diese Stimmen dieser Nutten“, „Peinlich“ oder „Das ist kein Rap sondern Müll, aber SXTN sind ja auch keine Rapper sondern Bitches“ . Das sind nur ein paar der Kommentare unter den YouTube Videos und Instagram Bildern von SXTN. Das Rapper Duo, Juju und Nura, aus Berlin erntet mehr Hass als Anerkennung. bonnFM war auf ihrem Konzert im E-Werk in Köln, um sich ein eigenes Bild von den zwei Berlinerinnen zu machen.

Dienstagabend. Köln. Es fühlt sich an, wie eine Massenwanderung Richtung E-Werk. Hier treten heute die beiden Berliner Raperinnen SXTN auf, die seit ungefähr einem Jahr durchstarten. Texte wie „Ich f**** deine Mutter ohne Sch****“ oder „Hass Frau“, in dem ein Song des Rappers King Orgasmus One, den Alice Schwarzer vorliest, gesampelt wird, sind nur zwei Beispiele, warum SXTN so provokativ sind. Dennoch sind auf dem Konzert überraschenderweise sehr junge Frauen, die begeistert jeden Text mitrappen können. Wir haben uns die Frage gestellt, ist das Kunst oder kann das weg?

„Leute, das ist künstlerische Freiheit, ich kann hier quasi auf der Bühne machen was ich will und es ist Kunst“

Künstlerische Freiheit kann man unterschiedlich sehen. In SXTN’s Fall heißt das, „wir können machen was wir wollen“. Hier mal eine Bierdusche für die erste Reihe, da mal einen Joint herumreichen. Mit einem Boot auf der Crowd segeln und der krönende Abschluss: Stage-Diving der beiden durch die Menge. Die Stimmung auf dem Konzert ist begeistert, es wird gepogt, gehüpft und getanzt. Selbst wenn man nicht unbedingt der Dauer-Poger ist, wird man einfach mitgerissen durch den Enthusiasmus und die ausgelassene Stimmung im E-Werk.

„Wenn du hübsch bist, kann ich dich nicht ernst nehmen“

Das alles ist Teil der Show, aber was ist mit den Texten? Das am meisten kritisierte an SXTN ist nun mal meistens ihre Wortwahl. Oberflächlich betrachtet, geht es um Bongs, Mütter und Party. Aber würden tatsächlich so viele Frauen leidenschaftliche Fans des Rapperduos sein, wenn das alles wäre? Höchstwahrscheinlich nicht. Man kann neben den provokanten Texten nämlich auch mal andere Untertöne heraushören. Denn tiefgründig sein können sie auch. In ihren Liedern „Made 4 Love“ und „Hass Frau“ hört man: „Zeig‘ meine Gefühle nicht, denn keinem sind sie wichtig“, „Wenn du hübsch bist, kann ich dich nicht ernst nehmen“. Klischees, die die meisten Frauen sich schon das ein oder andere mal anhören mussten, verpackt in Rap Texte. Auch SXTN wurden schon oft genug Opfer solcher Aussagen. Auf Social Media oder live auf Konzerten werden die beiden mit Zwischenrufen wie „Ausziehen!“ konfrontiert. Ihre Reaktionen darauf sind gelassen, sie lachen und wehren sich mit Worten gegen das Schubladendenken mancher Hörer. Alle werden bei der Show ohnmächtig: „Ausziehen, ausziehen! Denn diese Welt ist oberflächlich“
Also wer sich jetzt einmal vornimmt, selbst auf ein Konzert der beiden zu gehen, sollte gefasst sein auf eine tolle Stimmung, viel Bier und viele Kraftausdrücke.
Unser Fazit: Es hat sich gelohnt, trotz der blauen Flecken.

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