TattooBash in Köln: Convention der lebenden Kunstwerke

Sehen und gesehen werden

Das ist normalerweise das Motto jeder Star-Party, aber auch sehr passend für die vom 25. – 26. April 2015 stattfindende Tattoo Convention „TattooBash“ in der XPost Messehalle in Köln. Ärmellose Shirts, kurze Hosen, Hauptsache man zeigt viel Haut oder besser, die zahlreichen Tattoos auf der Haut. Meine Kolleginnen Jill, Sara und ich haben keine solcher Kunstwerke vorzuzeigen, aber vielleicht sieht das am Ende des Tages ja ganz anders aus. Mit ca. 280 nationalen, wie internationalen Tattoo Artists hat man genug Auswahl und Beratungsstellen, auch wenn ein Termin von Vorteil ist, denn viele Künstler sind von vornherein ausgebucht.

Immer Zeit für ein Gespräch

Dank unserer Pressebändchen dürfen wir vorbei an der für 11 Uhr morgens doch recht ansehnlichen Schlange von Menschen, raus aus dem Regen und als erstes hinein in die 6000m² große Halle. Genauer gesagt, eine große und eine kleine Halle, die beim durchstreiten dann leider doch kleiner wirkt als gedacht, dafür jede Menge Raum für private Gespräche mit den Künstlern ermöglicht. Die Tätowierer vom Studio „Indecent Art“ aus Offenbach verraten uns, dass sie jetzt schon zum zweiten Mal hier sind und die Messe sich sehr gut eignet, um neue Kunden zu gewinnen, aber auch um ihre Kunden aus dem ganzen Ruhrgebiet zu treffen. Ihr Motto lautet „Wir arbeiten vegan“, was bedeutet, dass alle ihre Produkte rein vegan sind, von den Farben, über die Abflussflüssigkeiten von der Vorlage hin bis zu den Cremes für die Nachsorge.

Alexander Kroll, der Besitzer des Tattoostudios „Tattoojunkies32“, lässt bereits seit seinem 14. Lebensjahr, die verschiedensten Motive auf seinem Körper verewigen, sodass bis auf eine rein private Stelle, nichts mehr auf seinem Körper untätowiert ist. Auch Gill, der Besitzer von „Gills Body Art“, der auf der Messe sein zehnjähriges Bestehen feiert, ist auf dem Kopf tätowiert, meint aber, dass der Rücken wesentlich schmerzempfindlicher ist. Schmerz wird ihn aber nicht davon abhalten, sich im Laufe der Jahre noch jede Menge weitere Tattoos zuzulegen und sei es nur als Gag.

„Goodbye Arschgeweih“

Inzwischen ist es fast 12 Uhr und Moderator Daniel Krause – bekannt aus „Berlin Tag und Nacht“ – hat soeben die Band „The Gorilla Gunman“ angekündigt. Bevor diese aber losrocken, sodass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht, fragen wir Daniel, wie er auf die Idee zu seinem neuen Buch „Goodbye Arschgeweih“ gekommen ist. Eigentlich wollte er einen Ratgeber schreiben, aber die sind zu langweilig, also geben er und seine Radio- und TV-Kollegen Erfahrungen aus ihrem Besuch im Tattoostudio wieder und Tipps, wie man vermeiden kann, dass etwas schief läuft. Denn Tätowierer ist kein Berufsstand und Daniel meint, dass jeder zweite Laden gefährlich ist. Ohne Ausbildung und Regeln im Blut anderer Leute rumpinseln mit der Gefahr Aids und Hepatitis zu verteilen, ist nicht in Ordnung, vor allem da für ihn Tattoos die ehrlichste Ausdrucksform überhaupt sind. Für ihn hat jeder Kunde das Recht, gesund aus einem Laden raus zukommen und deshalb hat er dieses Buch geschrieben. Zudem arbeitet er als Vorstandsmitglied in dem relativ neuen „Bundesverband Tattoo“. Dieser will u.a. Grundlagen für Hygienestandards, Kontrollen durch Gesundheitsämter und für die Erteilung des Gewerbescheins für Tätowierer schaffen und Anlaufstelle für Neutätowierer sein, damit sog. Wohnzimmertätowierer endlich verschwinden. Jeder, der sich heute für eine kostenlose Mitgliedschaft anmeldet, hatte zudem die Chance ein ganz besonderes Tattoo zu gewinnen.

Programmchaos

Nach guten zwei Stunden haben wir alles abgelaufen, was es an Ständen zu sehen gibt, weshalb wir uns für die Feuershow zur Bühne begeben. Da die Künstlerin scheinbar aber vergessen hat, dass es an einem Samstagvormittag in der Kölner Innenstadt durchaus mal zu Staus kommen kann, fiel diese ohne weiteres aus. Leider nicht die letzte Sache für heute. Da das Essen auf Conventions in der Regel immer überteuert ist, begleite ich Jill und Sara noch kurz zum Kölner Hauptbahnhof für einen Mittagssnack, bevor es für mich allein zurück auf die Convention geht. Dort stehe ich jetzt vor dem Problem fünf Stunden bis zum Auftritt von Sänger Rene Nocon totzuschlagen, meinem Hauptgrund die Convention zu besuchen.

Da die Zeitabstände im Bühnenprogramm auch nicht wirklich realitätsgetreu abgebildet sind, habe ich bereits die Burlesqueshow verpasst, die nur gute drei Minuten gedauert haben soll. Die zweite am Abend fiel dann auch ohne Begründung aus. Auch die Modeshow – oder besser Brüsteshow – von Kinky Affairs vertreibt mit die Zeit gerade mal für fünf Minuten. Der Sänger Kieron sorgt immerhin zwischenzeitlich für gute Musik, was mich aber nicht darüber hinwegtröstet, dass die zweite Feuershow um eine gute halbe Stunde verschoben wird und dann nur aus viel nackter Haut und dem Herumwirbeln von Feuerstäben besteht. Schlauerweise spuckt die Künstlerin das Öl auf den Bühenboden, wo noch das restliche Nachfolgeprogramm stattfinden soll und alle versuchten notdürftig mit Tüchern die Lage zu retten. Trotzdem rutschte Leon Fuller bei der Welturaufführung seines TattooBash-Songs „Stay Inked“ auch prompt aus.

Totenschädel everywhere

Besucher, die da waren, um sich beraten, inspirieren oder sogar gleich tätowieren zu lassen, hatten natürlich weniger Probleme sich die Zeit zu vertreiben. Neben der als eigentlich viel größer erwarteten Messehalle, war Hauptkritikpunkt, dass man bei einem mehrere Hundert Euro teure Tattoos nicht mit EC-Karte bezahlen konnte und erst mal einen Geldautomaten außerhalb der Convention aufreiben musste. Das Problem hatte ich ja nicht und mein Zeitüberbrückungsproblem löste ich schließlich mit mehrfachen Rundgängen durch die Stände, wobei mir auffiel, dass der Totenkopf an jedem Stand vertreten war. Einige Tätowierer bezeichnen es als klassisch, Olli von „J.D. Tattoo-Art“ sieht es wie die Sterne eher als Modetrend. Er setzt lieber auf Individualität. Er verrät mir auch, dass Kunden sich Tätowierer nach Stilarten aussuchen, wie Old School, Asia, Portraitzeichnen usw. und man daher nicht einfach in das nächstgelegene Studio marschiert, wenn man ein Tattoo will. Außerdem hat jeder Tätowierer seinen ganz eigenen Stil, das Bild auf die Haut zu bekommen. Besonders für Aufsehen sorgte ein Tätowierer in der kleinen Halle, der im wahrsten Sinne des Wortes, die Tinte mit Stäben in die Haut hämmerte.

Das Beste kommt zum Schluss

Alle Kunstwerke, die rechtzeitig heute fertig gestellt wurden, konnten abends am Best of – Contest auf der Bühne teilnehmen: Sehr gering vertreten ist die Kategorie Asia, während Black and Grey jeder Menge Teilnehmer für sich verbuchen kann. Leider verzögerte sich auch hier der Programmauflauf stark nach hinten, da die meisten Teilnehmer nicht mitkriegten, wie ihr Name aufgerufen wurde. Nach dem sehr gut besuchten Contest ist es endlich soweit: Rene Nocon betritt die Bühne! Nur leider ist außer mir und einem anderen Mädel keiner mehr davor. Wir klatschen tapfer nach jedem Lied und wie ein Echo scheint es hinten bei den wenigen Leuten, die noch an den Essenstischen sitzen,  widerzuhallen. Er singt tatsächlich so gut, wie man ihn in der vierten Staffel von „Voice of Germany“ gehört hat, wo er es immerhin mit rein deutschen Songs bis ins Halbfinale schaffte. Nach seinem Auftritt meint er zu mir, dass die Castingshow natürlich der Grund ist, dass er jetzt für solche Auftritte wie hier gebucht wird, aber allgemein kann er nicht sagen, dass er mehr erkannt wird als früher. Er selbst besitzt übrigens auch Tattoos, würde sich aber hier auf der Convention keins stechen lassen, weil er jetzt schon wegen der Hitze in der Halle fast in Ohnmacht fällt.

Ich bleibe noch kurz in der Hoffnung auf die zweite Burlesqueshow, stattdessen folgt aber der Best of Day Contest, leider mit fast genau den gleichen Teilnehmern, wie beim Best of vor zwei Stunden und so entschließe ich mich, um halb zehn zurück nach Bonn zu fahren. Insgesamt war die Convention eine nette Erfahrung mit wirklich sehr netten Leuten, aber einem sehr chaotischen und wenig Zeit füllenden Programm. Jedem der sich aber ein Tattoo stechen lassen will, ist die Convention – auch wegen der großen Auswahl und Beratung – sehr zu empfehlen. Die „TattoBash“ findet vom 6. – 8. Mai 2016 erneut in Köln statt und davor noch dieses Jahr im August in Oberhausen.