If you ride like lightning, you’re gonna crash like thunder

Bild: Linus Schmitz / bonnFM

Im ausverkauften Club Bahnhof Ehrenfeld lieferte sich Bass-Ass Stephen Thundercat Bruner ein knapp zweistündiges Solo-Battle mit Schlagzeuger Justin Brown.

Stephen Bruner wurde die Musik, wie man so schön sagt, sprichwörtlich in die Wiege gelegt. Sein Vater spielte seinerzeit mit Größen wie Diana Ross und den Temptations und zwang ihm während der Autofahrt seinen Musikgeschmack auf. Sein Bruder ist ein begnadeter und Grammy prämierter Schlagzeuger. Kurz um, Bruner wuchs in einem großem familiäreren Schatten auf und aus diesem tritt Thundercat, bewaffnet mit seinem sechssaitigen Bass, spielend hervor. Die virtuose und rechte Hand von Flying Lotus kollaborierte bereits mit Künstlern wie Kendrick Lamar, Snoop Dogg und nicht zuletzt dem epischen Saxophonisten Kamasi Washington. Doch nicht nur mit Anderen, sondern vor allem auch alleine dreht das Kind der Nintendo Generation richtig auf. Thundercats Stil lässt die Grenzen von Jazz, Funk und Electronic verschwimmen.

Bei Flying Lotus’ Plattenlabel Brainfeeder erschien nun im Februar sein drittes Solo Album  „Drunk“, mit dem er für drei Termine nach Deutschland kam, zuletzt vergangenen Dienstag in Köln.

Gewandet in Bass und Birkenstock

Im ausverkauften Club Bahnhof Ehrenfeld hing vorfreudige Elektrizität in der stickigen Luft, als nach einigen technischen Schwierigkeiten weiße Birkenstock die Bühne betraten (ein schuhwerkliches Markenzeichen von Bruner). Neben Tretern und rotem Schal lenkte aber vor allem eins die Blicke auf sich; dieses unfassbar schöne Instrument und handwerkliche Meisterstück eines Basses. Erwartungsvoll starrte man auf Bruners Hände, deren Rücken das Logo der Thundercats ziert, einer Zeichentrickserie aus den 80ern. Und dann, wie wahrlich einem Cartoon entsprungen, begannen jene Pranken ihr Eigenleben und ließen den Raum donnerartig erbeben und vibrieren. Tatsächlich wirkt Thundercats Bassspiel wie eine eigene außerirdische Sprache, die man zwar nicht versteht, aber dennoch von ihr in den Bann gezogen wird. Auch Bruner selbst wirkt während seinem Akt, als sei er gerade auf einem anderen Planeten, wenn er fast schon ekstatisch die Augen verdreht.

Begleitet von Dennis Hamm am Keyboard und Justin Brown an den Drums folgte eine knapp zweistündige Reise in andere Dimensionen. Jedes Motiv und jede noch so virtuose Idee der neuen Platte wurden bis zur Unkenntlichkeit weitergesponnen und extrapoliert; die Übergänge zwischen den Tracks waren nur unmerklich zu vernehmen. Leider hatte man nach der ersten Stunde allmählich das anstrengende Gefühl, alles schon einmal gehört zu haben. Dennoch war das instrumentelle Muskelprotzen, bei dem die Akteure immer ein Stück mehr versuchten, einander zu übertreffen, als miteinander zu improvisieren und zu kreieren, nicht weniger beeindruckend. Allen voran preschte Schlagzeuger Justin Brown scheinbar unermüdlich voran, als könnte ihm die Energie gar nicht ausgehen. Selbst, als er versehentlich seinen Stick fallen ließ, führte er sein Solo unbeirrt fort ohne dabei auch nur einen einzigen Beat zu patzen.

„Hello Cincinnati!“

Was dem Ganzen enttäuschender Weise jedoch völlig fern blieb, war die bei Konzerten sonst gewohnte Interaktion zwischen Künstler und Publikum. Hallo, Danke und Tschüss, waren so ziemlich die einzigen Worte die Bruner an diesem Abend über die Lippen brachte. Kein Hallo Köln, stattdessen gab es ein „Hello Cincinnati“, nicht die ein oder andere Anekdote oder ein kleiner Witz am Rande. Was nach der exzessiven Dröhnung Fusion-Jazz blieb, waren vor allem eins, dröhnende Ohren.

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