4 Esel – 12 Beine op Jöck

Von St. Augustin- Menden nach Ventimiglia in Norditalien. Über 1000 km. Die Alpen dazwischen. Und das alles zu Fuß. Am besten bis Oktober. Das haben sich die beiden Mendener Kindergartenfreunde Josef Laqua und Günter Neuhalfen zumindest fest vorgenommen. Begleitet nur von Eselmama Paula und ihrem Sohn Pepe. Und ein Tag lang auch von bonnFM.

Über die Alpen ans Mittelmeer

Geträumt haben die beiden Rentner von der Reise über den „Europäischen Fernwanderweg E1“ und dem Alpenweitwanderweg „Grande Traversata delle Alpi (GTA)“ schon seit fast dreißig Jahren. Sie kennen sich schon über sechzig Jahren. Haben sich aus den Augen verloren, wieder getroffen, Wanderungen unternommen und im Mai 2017 mit dem Kauf der Esel endlich begonnen, ihren Traum in die Tat umzusetzen. Alle Vier mussten sich erst aneinander gewöhnen. Die Esel an die Sattel voller Gepäck, statt wie früher Kutschzeug. Die Herren an das „Gassigehen“ mit etwas viel größerem als einem Hund.

Bild: Desiree Wilde

Und am 14. April 2018 ist es schließlich soweit. Umgeben von Familie, Freunden und Schaulustigen brechen die Vier von Menden aus schließlich auf. Das Wetter könnte nicht besser sein.

Für kostenlose Logis braucht man nur einen Esel

Ich treffe die beiden am vierten Tag ihrer Reise in Vettelschoß, um sie zu ihrer nächsten Etappenstation Neschen zu begleiten. Sie berichten von den letzten Tagen und den vielen freundlichen Leuten, die ihnen auf Nachfrage schnell Unterkunft gewährten und deren Kinder auch auf Pepe und Paula reiten durften. Ihr letzter Gastgeber, Jürgen Milz, erwartet uns auf seiner Araberstute 1 km weiter, um uns den Weg zu zeigen. Die beiden Esel legen heute ein ganz schönes Tempo vor. Vermutlich um die Stute zu beeindrucken, meint Josef. Der hat am heutigen Tag noch ganz schön mit dem lieben Pepe zu kämpfen.

Weniger ist mehr

So süß und verschmust die beiden Esel auch sein mögen, besonders Pepe ist sehr schreckhaft. Alles muss erst mal kritisch beäugt werden. Als wir es gerade geschafft haben, das Gepäck festzuzurren, kommt ein Hund um die Ecke und Pepe macht einen Satz. Zack liegt die Hälfte über den Waldboden verteilt. Also das ganze wieder von vorne. Doch schon wenige Meter weiter, prescht Pepe wieder los und wir bekommen gerade noch den Bauchgurt gelöst, bevor der Sattel ganz in die Brüche geht. Die nächste Stunde verbringen die drei Männer damit, zu beratschlagen, wie sie Sattel und Gepäck am besten verschnüren. Von den Schnüren ist die Hälfte übrigens inzwischen zerrissen. Ich muss an „Wild Trip“ mit Reese Witherspoon denken, wo sie die gleiche Lektion wie Josef so ziemlich am Anfang ihrer Reise lernt. Nimm so wenig Gepäck wie möglich mit. Und hab den passenden Rucksack dabei!

Über Stock und Stein…

…geht es irgendwann schließlich weiter. Viel geschafft haben wir noch nicht. Jürgen verlässt uns wieder und wir schlagen uns nun einen Berghang hinunter. Josef hat Mühe, Pepe zurückzuhalten. Ich habe Mühe, aus den Laubbergen wieder herauszukommen. Meine Beine sind total zerkratzt. Nachdem wir die Wied erreichen, verläuft der Rest der Strecke zum Glück gemütlich und wie Josef meint, im normalen Eselstempo. Und Pepe traut sich sogar ohne zu Zögern über die Brücke! In Neschen werden wir von Freunden empfangen, die Esel im Vorgarten eingezäunt ( ja, dünne Zaunstäbe haben sie auch dabei) und wir mit Essen versorgt. Es ist inzwischen fast 22 Uhr und ichbin ziemlich K.O.

Ich muss sagen, mit Eseln wandern, habe ich mir entspannter vorgestellt. Sollte das Sattel-Gepäck- und Pepe-Panikattacken-Problem gelöst werden, denke ich, werden sie es schaffen. Vielleicht geselle ich mich noch für eine weitere Etappe zu ihnen.

Wenn ihr auch Lust habt oder die Reise der beiden mitverfolgen wollt, dann schaut doch auf ihrem Blog vorbei.