Blasmusik: Nur heiße Luft und dicke Backen?

Sie schallt dumpf aus überfüllten Bierzelten heraus, schmeckt nach Bier und Currywurst und klingt nach Opas alten Schallplatten. Blasmusik hat in unserer Generation nicht den besten Ruf. Warum sie trotz hartnäckiger Vorurteile ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur ist und auch außerhalb von Kirmes und Oktoberfest gehört werden sollte, weiß Dominik Misterek. bonnFM hat sich mit ihm über die Geschichte und Zukunft der Blasmusik unterhalten.

Dominik Misterek ist studierter Orchestermusiker, Solotubist in der Neuen Philharmonie Frankfurt, Tubadozent am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz und Mitglied der traditionsreichen Gruppe Klostermann und seine Musikanten. Er steckt also mitten in der Szene, und das schon seit er zehn Jahre alt ist, wie er in unserem Interview verraten hat. 

In einem kleinen Gespräch nach der Probe mit dem Musikverein Weidenhahn, den Misterek neben anderen Vereinen dirigiert, hat er für bonnFM die Feinheiten zwischen Militärmusik und Polka heruntergebrochen. Was sich für den vermeintlichen Laien erstmal nur nach dicken Backen anhört, unterscheidet sich rhythmisch und vor allem stilistisch. 

Angefangen hat alles mit Tierknochen.

Musiziert wurde schon in der frühen Menschheitsgeschichte, also mit Tierknochen und Trommelmusik. In der Antike, zum Beispiel im alten Rom, wurden dann Fanfaren wichtig. Vor allem im Militär hat Blasmusik nämlich eine lange Tradition. Böhmen und das Egerland werden in dieser Beziehung wichtig, weil sie unter österreichisch-ungarischer Herrschaft ein Schmelztiegel unterschiedlichster Musikrichtungen waren. Der Charme des Wiener Walzers, die Präzision eines preußischen Marsches und der Schwung von Balkanmusik nahmen allesamt Einfluss auf die Egerländer Blasmusik. 

In der Musik gibt es keine „leichte“ Literatur…

…wenn man die Stücke richtig spielen will. Dominik Misterek hat dennoch ein paar Empfehlungen für Einsteiger, die Blasmusik machen und hören wollen. „Der Bergmannsgruß“ von Michael Klostermann sei ein gutes Stück für den Laien. Die Polka „Goldener Oktober“, die im Podcast kurz vom Musikverein Weidenhahn angespielt wurde, und auch „Böhmisches Blut“, eignen sich dafür, einen Blick auf die Egerländer Stilistik zu werfen. Wer Blasmusik richtig spielt wird bald merken, dass das ganz schön grooven kann, meint Misterek. 

Warm und herzlich  – Musik für die ganze Familie 

Der Musikverein Weidenhahn und Dominik Misterek sind sich einig. Blasmusik, ob nun Polka, Marsch oder Symphonisch, ist ein Hobby für die ganze Familie. Die meisten Mitglieder des Vereins sind, wie Dominik, schon früh zur Blasmusik gekommen. Oftmals waren Mama und Papa schon dabei, oder es waren eben doch Opas Schallplatten, die begeisterten. Denn neben der Musik geht es in diesem Verein, wie in jedem anderen, vor allem um die Gemeinschaft.