bonnFM reist: Mit dem Fahrrad von Bonn nach Venedig!

3 Wochen, 11 Etappen, 1275 Kilometer. Lars und Kira, zwei Studenten der Uni Bonn, sind mit dem Rad den Weg von Bonn nach Venedig gefahren. Ein Interview über das Reisen durch Europa auf zwei Rädern.

bonnFM: Wie kommt man überhaupt auf die Idee, den ganzen Urlaub auf dem Fahrrad zu verbringen? Urlaub ist doch eher Entspannungssache.

Lars: Zunächst ist mein Hobby Rennrad fahren. Dann hab ich mir gedacht, das könnte man ja ganz gut mit dem Urlaub verbinden. Das hab ich schon letztes Jahr gemacht und bin zusammen mit einem Kumpel quer durch Frankreich gefahren. Dieses Jahr haben wir allerdings alles ein bisschen genauer und besser geplant. Wir dachten uns: Irgendwie wollen wir nach Venedig und zwar über die Alpen. Im Endeffekt war es viel entspannter als erwartet. Fünf Stunden am Tag waren wir auf dem Rad, ansonsten waren wir in Seen schwimmen oder haben uns irgendwas angeschaut.

bonnFM: Die Frage ist da natürlich: Wie viel Zeit muss man für die Gesamtplanung investieren?

Bild: Lars Fischer

Bild: Lars Fischer

Kira: Wir haben uns schon vorher zusammengesetzt und uns überlegt, wie wir die Etappen machen, damit man jeden Tag ein festes Ziel hat, einen Campingplatz zum Beispiel. Dann weiß man, dass man am Tag z.B. genau 115 km fahren muss. Und am Ende landet man an einem schönen Ziel. Es sind schon einige Sachen, die man berücksichtigt, aber es macht auch Spaß, das zu planen.

bonnFM: Wenn Leute das jetzt auch machen wollen, wie viel muss man denn an Gepäck mitnehmen?

Lars: Es ist auf jeden Fall wichtig, dass man drauf achtet, nicht zu viel mitzunehmen. Jedes Gramm, das man zu viel mitträgt, stört einen nur noch – besonders wenn man in die Berge kommt. Wenn man im Flachen am Rhein entlang unterwegs ist, ist alles entspannt, aber sobald man dann in die Berge kommt, sollte man schauen, dass man ein leichtes Zelt hat. Wir hatten dann eins dabei, das nur zwei Kilo wog. Ein Jahr davor hatte ich ein Sechs-Kilo-Zelt dabei, also das Dreifache. Man sollte schauen, dass man leichtes Equipment hat und wenig Klamotten.

„Der Brenner war natürlich schon ein Happen“

bonnFM: Wo genau seid ihr denn eigentlich langgefahren? Venedig liegt in Norditalien, da gibt es doch ein kleines Hindernis namens Alpen, oder?

Lars: Zunächst sind wir in Bonn gestartet und in der ersten Etappe schön entspannt am Rhein langgefahren. Danach ging es quer durch Deutschland, nach Heidelberg und Dillingen, dann über Augsburg nach München. Bis dahin mussten wir schon einige Höhenmeter (Anm. der Red: Auf der gesamten Reise insgesamt 8000 Höhenmeter!) machen. Und dann kamen natürlich die Alpen – wir sind dort über den Brenner, durch das Pustertal, anschließend durch die Dolomiten und von da aus nur noch runter bis ans Meer.

Bild: Lars Fischer

Bild: Lars Fischer

bonnFM: Wenn ihr das so beschreibt, dass ihr schon in Deutschland Höhenmeter machen musstet und dann auch noch die Alpen. Klingt nach viel Anstrengung, was war denn der anstrengendste Teil für euch?

Kira: Der Brenner war natürlich schon ein Happen. Da ging es ordentlich hoch und man merkte jedes Gramm Gepäck. Der anstrengendste Teil kam aber schon in Deutschland, also eigentlich am Anfang der Reise. In der zweiten Etappe kam schon ein ziemlich steiler Berg. Was auch sehr anstrengend war: wir wollten zu einem Campingplatz und den gab es dann seit gefühlt 50 Jahren nicht mehr. Obwohl wir kein Wasser mehr hatten, mussten wir dann noch so ca. 40 oder 50 Kilometer weiter fahren.

bonnFM: Geht also auch viel um Erwartungen, dass man nicht erwartet so einen steilen Berg schon in Deutschland zu haben. Weg von den Strapazen: Was war denn für euch der schönste Teil?

Lars: Man kann keinen einzelnen schönsten Teil herausstellen. Was ich am schönsten fand, war die Veränderung, die man immer sehen konnte. Mit der Landschaft, die Leute haben sich verändert. Immer wenn man in den nächsten Supermarkt gegangen ist, war der Akzent der Leute wieder ein anderer. Das war schon einfach toll, auch die Leute, die wir unterwegs kennengelernt haben.

bonnFM: Was ist denn für euch so der größte Vorteil, den man durchs Reisen per Rad mitnehmen kann?

Kira: Man konnte so viele verschiedene Sachen sehen – wir waren am Meer, sind in Seen geschwommen, haben Städte gesehen. Wir haben auch einen bestimmten Tagesrhythmus entwickelt: Man ist früh müde, steht aber auch früh wieder auf, ist einfach den ganzen Tag so aktiv und kann die Zeit richtig nutzen. Und jeder Tag birgt sehr viele verschiedene Eindrücke.

Es gibt viele verschiedene Wege, die Welt und Europa zu bereisen. Warum nicht mal auf zwei Rädern?

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