,,Ich seh nicht ein, dass ich Höhenangst hab!‘‘ – Ein herrlich ehrlicher Talk mit Jan-Dirk und Alex von den DONOTS

Am 20.8 spielten die DONOTS als Headliner beim Green Juice Festival vor knapp 7000 Zuschauern. Im Vorfeld traf unsere bonnFM-Reporterin Ulrike Hauswald die Band in ihrem Tourbus und fragte sie für euch aus. Einige Überraschungen kamen dabei heraus! Und was eine abgetrennte Gummihand damit zu tun, lest ihr hier.

Es ist Samstagnachmittag, die Sonne scheint und ich und meine Kollegin Jenny Meinert, die das Ganze fotografieren wird, warten im Backstagebereich des 9. Green Juice Festivals auf die Jungs von DONOTS, eine der bekanntesten deutschen Punk-Rock-Bands. Sie sind heute Headliner und haben sich bereit erklärt, vor ihrem Auftritt am Abend ein paar Interviews zu geben. Und schon kommen Alex, der Gitarrist, und Jan-Dirk, der Bassist der Band, um die Ecke. Wir werden freundlich begrüßt und man sieht den beiden an, dass sie wirklich Spaß daran haben, Fragen zu beantworten. Da der Rest der Bandmitglieder verschwunden scheint, suchen wir also zu viert ein ruhiges Plätzchen und sitzen am Ende im gemütlichen Tourbus.

Bild: Jenny Meinert/bonnFM

Bild: Jenny Meinert/bonnFM

Englisch, deutsch – oder vielleicht doch lieber japanisch?

Die beiden Musiker sind so offen und lustig, dass die Zeit viel zu schnell vorbei ist. Sie erzählen davon, dass sie schon mal in Bonn aufgetreten sind, vor ein paar Jahren, als es die Rheinkultur noch gab. Sogar zweimal. ,,Das war eine große Ehre, (…) weil es immer hieß, eine Band darf nur einmal spielen, aber wir durften dann doch zweimal spielen‘‘, meint Jan-Dirk. Da habe er auch seine Höhenangst in Angriff genommen, indem er einfach in einen Hubschrauber gestiegen sei. Seitdem sei er schon mehrmals geflogen und versuche weiterhin, seine Höhenangst zu bekämpfen. ,,Ich seh das nicht ein, dass ich Höhenangst habe. Wenn ich dann irgendwann Kinder habe und dann heißt es, ,Papa, lass uns mal da und da hingehen!‘ und ich sag ,Nee, kann ich nicht, trau ich mich nicht.‘, das kann doch nicht sein. Das ist völliger Quatsch. Man muss sich ja alles trauen! Also von daher versuche ich immer, alles anzugehen, was gegen die Höhenangst geht.‘‘ Was das Musikalische angeht, halten sie sich jedoch etwas bedeckt. Sie arbeiten zwar an Songs, sammeln Ideen und schreiben, aber bis ein neues Album rauskommt, wird es wohl noch etwas dauern. Zuerst einmal stehen ein paar weitere Festivals und das ungefähr 1000. Konzert im Winter in Münster an. Auch was die Sprache der neuen Songs betrifft, verraten sie nichts. ,, Kann sein deutsch, kann sein englisch, kann auch passieren, dass es auf einmal japanisch wird – wer weiß das schon?‘‘, grinst Alex.

Der Plan eines eigenen Labels war eher Zufall

Was viele gar nicht wissen: Die Band aus Ibbenbüren hat sogar ihr eigenes Plattenlabel. Nachdem sie viel in Japan unterwegs waren, bemerkten sie, dass sich viele dort für amerikanischen Punk-Rock interessieren und sich dabei auch gut auskennen. Nur was die europäischen Vertreter angeht, herrsche da eine große Wissenslücke. ,,Und da ist irgendwann der Plan entstanden, dass wir ein Label in Japan gründen, um da deutsche, aber auch europäische Bands (…) zu veröffentlichen‘‘, meint Jan-Dirk. Nach Fukushima sei der ganze internationale Markt jedoch so eingebrochen, dass heute nur noch sie in Deutschland unter dem Label veröffentlichen, auch wenn sie regelmäßig noch von Bands angefragt werden. Dafür sei allerdings einfach zu wenig Zeit und zu wenig Kapazitäten vorhanden.

,,Mittelfinger gegen Nazis!‘‘

Auch wenn sie unter anderem mit dem Song ,,Dann ohne mich‘‘ auch mal politische Töne anschlagen, bezeichnen sie sich selbst nicht als politische Band, sondern eher als ,,fünf normale Typen,

Bild: Jenny Meinert/bonnFM

Bild: Jenny Meinert/bonnFM

die, wenn denen gesellschaftlich oder sozial irgendwas auf den Sack geht, das einfach auch sagen wollen‘‘. Sie hoffen besonders darauf, dass sie dabei auch einen gewissen Einfluss auf ihre jüngeren Zuhörer haben und ihnen sozusagen als Vorbilder ein bisschen was mitgeben können. Für die Zukunft wünschen sie sich, dass es – politisch gesehen – weniger Angst gäbe und allen noch
einmal bewusst würde, wie gut es ihnen hier in Deutschland geht. Um das zu erreichen, sei mehr Austausch, Offenheit und Neugier gegenüber Unbekanntem nötig, in Jan-Dirks Augen. Dass das nicht nur seine Meinung ist, sondern die der gesamten Band widerspiegelt, und sie damit tatsächlich auch eine Wirkung auf ihre Fans haben, merkt man spätestens bei ihrem Auftritt, wenn Frontmann Ingo in sein Mikro brüllt: ,,Mittelfinger gegen Nazis!‘‘ und das gesamte Publikum es ihm nachmacht.
Doch auch wenn das gesamte Interview sehr entspannt und angenehm ist, beunruhigt mich eines doch ein wenig: eine blutverschmierte abgetrennte Hand einer Gummipuppe, die auf dem Tisch liegt. Als Alex den leicht besorgten Blick in besagte Richtung bemerkt, lacht er nur und meint, dass die Fans wirklich die verrücktesten Dinge auf die Bühne werfen. Okay, nochmal Glück gehabt!
Anschließend tauchen auch die anderen Bandmitglieder wieder auf und Jenny und ich können noch ein Foto mit allen fünf ergattern!

Die Jungs waren so locker und freundlich, dass es wirklich Spaß machte, mit ihnen zu quatschen! Und auch das Konzert am Abend war ein voller Erfolg, die Fans sangen, tanzten und pogten zur Musik. Es wurde schnell klar, warum die DONOTS es verdient haben, Headliner zu sein und immer noch zu einer festen Größe im deutschen Punk-Rock gehören.