Zero Emission

In der Woche vom 13. bis zum 17. Oktober 2014 war ein Bus der besonderen Art in Bonn unterwegs. Die SWB Bus und Bahn bot für Fahrgäste kostenlose Testfahrten mit einem Elektrobus der Firma Ebusco auf der Linie 607 an. bonnFM hat mit Geschäftsführer Heinz Jürgen Reining über die Schleichfahrt gesprochen.

bonnFM: Wozu machen Sie Testfahrten mit dem Elektrobus?

Jürgen Reining: Wir beschäftigen uns schon seit einiger Zeit mit dem Thema Elektromobilität. Und dazu gehört natürlich auch, dass man sich Praxistests antut. Beim Test lassen wir die Elektrobusse voll beladen durchaus schwierige Strecken fahren. Unser Ziel ist es, die Elektrobusse möglichst öffentlichkeitswirksam zu machen. Wir führen diese Tests auch durch, um die Verbrauchsangaben der Industrie und die tatsächliche Belastbarkeit zu überprüfen.

bonnFM: Wie war die Reaktion der Busfahrer und Passagiere?

Reining: Die Fahrer sagen, dass sich die Elektrobusse erstaunlich gut fahren lassen. Und unsere Fahrgäste äußern sich auch eher positiv. Sie finden es gut, dass man sich gerade solchen neuen Techniken stellt. Die Menschen schauen ja auch dahinter und sehen die Klimastadt Bonn und die Lärmbelastung in unserer Stadt. Bonn gehört ja leider nicht zu den Städten mit einer besonders geringen Lärmbelästigung. Da sehen unsere Kunden, dass wir im Wesentlichen dazu beitragen könnten, dass es in Bonn ruhiger wird.

bonnFM: Wir von bonnFM haben Studenten der Uni Bonn zur Testfahrt des Elektrobusses befragt. Die Mehrzahl der Studenten findet die Idee, Elektrobusse einzusetzen, ganz gut. Es gab aber auch skeptische Stimmen, insbesondere was die Reichweite und Ladezeit des Elektrobusses angeht.

Reining: Die Batterien sind, wenn man die Gewichtskapazität bedenkt, in der Tat noch nicht soweit, dass sie wie der Dieselbus 350 km zulassen. Für die ersten drei oder vier Jahre wird es aber komplett ausreichend sein, wenn die Fahrzeige 200km fahren können. Unser Prinzip ist es, zu sagen, dass sich nicht unser Betrieb dem Elektrobus anpasst, sondern der Elektrobus sich an unseren Betrieb anpassen muss.

bonnFM: Müssen wir uns also keine Sorgen um logistische Probleme machen?

Reining: Im Moment können wir sagen, dass die 200 km reichen. Da gibt es auch kein logistisches Problem. Ich würde aber nicht sagen, dass es gar keine technischen Probleme geben kann. Immer wenn man etwas Neues macht, steht man vor Herausforderungen. Aber deswegen muss man nicht gleich ängstlich werden. Die Testfahrt im Oktober hat der Elektrobus ohne weiteres bewältigt.

bonnFM: Wie laufen die bisherigen Planungen für eine Umstellung auf Elektrobusse?

Reining: Wir haben schon eine komplette Ladekonzeption fertig. Wir haben für den Betriebshof Friesdorf, wo die Fahrzeuge untergebracht sind, schon eine komplette Planung vom Heranführen des Stroms bis hin zur Verteilung. Denn wir planen jetzt für den Endzustand. Parallel formulieren wir auch ein Ausstiegsszenario.

bonnFM: Steht eine komplette Umstellung auf Elektrobusse schon fest? Oder wird es einen gemischten Verkehr von Diesel- und Elektrobussen geben?

Reining: Wir müssen erst wissen, ob sich Elektromobilität für uns lohnt, ob es für uns als Unternehmen finanzierbar ist. Und dafür machen wir ja die Praxistests, die unsere theoretischen Überlegungen ergänzen sollen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in Städten sowohl Diesel- als auch Elektrobusse fahren. Nur wir wollen natürlich diese Strategie fortsetzen zu sagen: Entweder Diesel oder Elektrobus.

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