Final Symphony II – Weltpremiere in Bonn

Vergangenen Samstag spielte das Beethoven Orchester Bonn die Fortsetzung der Final Symphony, welche die Musik der Final Fantasy Videospiele auf die Bühne bringt. bonnFM hat sich im Vorfeld bereits mit Dirigent Eckehard Stier getroffen und ihn zur Konzertreihe interviewt.

bonnFM: Sie dirigieren ja jetzt am Samstag die Final Symphony II mit dem Beethoven Orchester Bonn. Können Sie vielleicht kurz beschreiben: Was zeichnet die Musik von Final Fantasy aus? Was schätzen Sie an der Musik?

Stier: Also, was ich an unseren Projekten mit der Final Symphony, mit dieser Musik und den Konzerten ganz besonders schätze, ist die Verbindung mit der wohl allseits bekannten Musik aus den Final Fantasy Computerspielen und was daraus aus dem Team entstanden ist. Es ist ja nicht mehr nur, dass wir originär diese Melodien spielen, sondern dass wir ein komplettes, großes sinfonisches Konzert anbieten unter Nutzung eines kompletten, riesigen Orchesterapparates mit einer Menge Schlagwerk und allem Drum und Dran. Wir hieven diese Musik nochmal auf eine neue Stufe, weil die Geschichten werden ja nach wie vor erzählt – übrigens sehr intelligent gemacht von Roger Wanamo und Jonne Valtonen [den Arrangeuren der Stücke, Anm. d. R.] – und damit dem Publikum nochmal eine komplett neue vierte und fünfte Dimension anbieten. Das ist immer wieder in so einem Schöpfungsprozess, wie wir das gerade haben, extrem aufregend.

bonnFM: Haben Sie zu Final Fantasy einen direkten Kontakt? Haben Sie das schon mal gespielt, wenn ich mal so salopp fragen darf?

Stier: Um ehrlich zu sein, ich bin natürlich aus dem Alter raus, wo man Computerspiele macht. Ich bin eher ein Fan von Simulationen, allerdings lässt es meine Zeit nicht zu, denn ich bin so viel unterwegs auf dem Erdball, dass ich kaum zuhause sitze und mich am Computer vergnüge. Allerdings in Vorbereitung auf die gesamte Geschichte mit Final Fantasy und Final Symphony hab ich natürlich mal geguckt, was das ist. Bestimmte Figuren schaue ich mir heute auch immer noch an. Die letzte Figur, die ich mir angeguckt habe, war Vanille. Da hab ich dann plötzlich eine nächste Idee gehabt, wie man dieses Thema noch schöner gestalten kann, wenn man dann imaginiert, wie die Figur im Spiel agiert und aussieht. Insofern, ich bin kein Computerspieler, aber ich weiß, worum es geht.

bonnFM: Sie haben ja schon einige Opern dirigiert und Sinfonien, wo genau liegt der Unterschied bei Final Symphony? Ist Computerspielmusik ganz anders oder hat das schon noch eine Ähnlichkeit zu klassischen Werken?

Stier: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die Verbindung, die wir in diesen Konzerten erreichen, zwischen dem, was die Oper auszeichnet – nämlich die Geschichte zu erzählen – und was im besten Sinne bei klassischer Musik geschieht, dass wir dieses in den Final Symphony Programmen sehr, sehr gut verbinden. Das sind nämlich Geschichten, die erzählt werden, da ist eine hohe Dramatik in der Musik, auch eine hohe Lyrik und deswegen sind diese Programme für mich immer ein ganz besonderer Moment. Das macht wirklich Freude!

bonnFM: Sie haben ja schon mal 2013 in Wuppertal die Final Symphony aufgeführt, also den ersten Teil, und danach einmal rund um den Erdball. Was hat Sie dazu bewegt, nochmal eine Fortsetzung zu machen? Was ist am zweiten Teil anders als im ersten Teil?

Stier: Ich würde sagen, das hat originär zwei Gründe. Der erste Punkt liegt darin, dass die erste Reihe so erfolgreich lief, dass sich natürlich das Team hingesetzt und gesagt hat, wir wollen noch eine weitere Konzertreihe generieren. Zum Zweiten ist es natürlich einer der Hauptgründe für das menschliche Sein: Wir wollen uns immer weiter verbessern. Die Final Symphony II Konzertreihe – und ich bin jetzt am zweiten Tag der Proben, wir haben das alles live einmal durchexerziert – bietet andere Farben, andere Entwicklungen, es ist eine andere Evolutionsstufe. Das Final Symphony Programm ist hauptsächlich 2012 entstanden, jetzt sind wir alle drei Jahre älter und das spürt man in der Musik. Die Musik hat wie gesagt eine andere „Kennzeichnung“ und natürlich andere Themen, weil wir andere Spiele zugrunde gelegt haben, aber es ist nicht minder aufregend. Also ich würd jetzt sogar sagen, so nach dem ersten Kontakt, es ist beides sehr gut.

bonnFM: Wie genau lief die Arbeit ab bei Final Symphony? Also es gab ein Team an Arrangeuren und natürlich auch noch Herr Hamauzu und Herr Uematsu, die die Musik original komponiert haben. Wie ist die Arbeitsverteilung im Team? Wie lief die Zusammenarbeit ab im Vorfeld?

Stier: Es ist so, dass Thomas Böcker als Produzent da natürlich ein ganz gewichtiges Wort mitzureden hat. Es gibt am Anfang ein Brainstorming, was wir in diese Konzerte mit hineinnehmen wollen, dann wird die Musik gesichtet, die ursprünglich vorhanden ist und dann gibt es die beiden wichtigen Hauptakteure für diese Konzertreihe, das sind Roger Wanamo und Jonne Valtonen, die dann aus diesen ganzen kleinen Versatzstücken wirklich diese epischen Bilder für uns generieren. Ich spiele dann im Grunde erst mal die absolut letzte Laterne, weil ich komm dann erst in dem Moment, wenn die Partituren fertig sind, stehe dann beratend zur Seite und mache dann die gesamte Endfassung der Geschichte mit dem Orchester.

bonnFM: Vielen Dank für das Interview, Herr Stier!

Stier: Gerne, alles Gute!

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