Hazel Brugger passiert – und das ist gut so

Bild: Patrick Wira/ bonnFM

Hazel Brugger ist 22 Jahre alt, lustig und trotzdem Schweizerin. Sie empört ihre Zuhörer (zumeist Lehrer) mit schwarzem, absurden Humor. Hauptberuflich gewinnt sie Poetry Slams und hatte schon Auftritte in der Heute-Show, in der Anstalt und im Neo Magazin Royale. Die Komplexität ihrer Bühnenfigur zeigt sich in kleinen vermeintlichen Randnotizen: dass sie bei jedem Lacher des Publikums trinkt oder dass sie in einem ihrer Texte immer mehr Essensvoköttbullar verwendet, um ihren aufkommenden Hunger zu kompensieren. bonnFM hat sich vor ihrem Soloauftritt im neuen Pantheon in Beuel mit Hazel Brugger getroffen.

bonnFM: Hallo Hazel! Einstiegsfrage: Was verbindest du mit Bonn?

Hazel Brugger: HA-RI-BO. HANS RIEGEL BONN. Und ich war beim Prix Pantheon!

bonnFM: Was ist denn dein Bezug zum Pantheon?

Hazel: Da bin ich bei einem Kabarettpreis in der Vorrunde rausgeflogen. Aber dafür spiel ich jetzt hier solo und es kommen voll viele Leute, kann also nicht so schlimm gewesen sein.

bonnFM: Wie erklärst du uns Gleichaltrigen deine Karriere?

Hazel: Puh. Das schöne an Gleichaltrigen ist ja, dass sie genauso lange leben wie man selber und auch irgendetwas gemacht haben. Mir haben einfach mehr Leute dabei zugesehen. Wenn ihr erfolgreich wirken wollt, versucht einfach, dass die anderen euch zugucken und ihr nicht abkackt.

bonnFM: Geht dir das alles zu schnell?

Hazel: Ach, was heißt zu schnell. Wenns einem zu schnell geht, dann denkt man sich: Wenigstens kann ich arbeiten und wenns einem zu langsam geht: Ach, wenigstens bin ich nicht so gestresst. Irgendwer muss ja in diese Sendungen, wenn es sie schon gibt.

bonnFM: Du bist dieses Jahr nach Köln gezogen. Gibt es Unterschiede zwischen Köln und deiner Heimatstadt Zürich?

Hazel: Viele Unterschiede. In Zürich funktioniert alles, aber die Leute sind so zugeknöpft. Der Bus ist pünktlich, aber die Schweizer flippen auch komplett aus, wenn man an der Ampel jemand aussteigen lässt.

bonnFM: Glaubst du, dass du erfolgreich bist, weil dein Äußeres und deine Texte eine größere Distanz haben als bei anderen Künstlern?

Hazel: Comedy funktioniert durch Kontraste, das ist bei mir bestimmt auch so. Ob ich aber deswegen erfolgreich bin, weiß ich nicht.

„Akzeptier, dass ein Text niemals so geil sein wird, wie du es gern hättest“

bonnFM: Wie kommt es zu den für viele Zuschauer krassen Texten?

Hazel: Ich find die gar nicht krass. – Warum sollte man auf einer Bühne über irgendwelchen banalen Scheiß reden? Da können die Leute doch zuhause bleiben. Lepra, Aids und Pädophilie interessiert mich.

bonnFM: Wie entstehen die Texte?

Hazel: Wenn du einen Text schreibst, dann überlegst du dir was, schreibst es auf, findest es scheiße, legst du es weg, dann schreibst du es nochmal und dann musst du akzeptieren, dass es nie so geil wird wie du es gerne hättest.

bonnFM: Wie findest du uns Studenten?

Hazel: Es gibt dumme Studenten, es gibt coole, nette, attraktive Studenten. Ich habe gar nichts gegen Studenten, solange sie sich nicht zu sehr einen darauf runterholen, dass sie Studenten sind. Aber wenn man irgendwas studiert, sollte man das schon richtig machen.
Ich hab aber keine Zeit dafür, ich werde jetzt so Bundeskanzlerin.

bonnFM: Beschreib mal dein Programm: Hazel Brugger passiert…

Hazel: Das ist so schwer. Ich hab es ja noch nie gesehen. Ich muss immer arbeiten, wenn das ist. [Anmerkung der Redaktion: Grillenzirpen]
Die Frage ist so wie: Beschreib mal dein Gesicht – keine Ahnung wie mein Gesicht aussieht. Es dauert 90 Minuten, hat eine erste und eine zweite Hälfte.

bonnFM: Wie ist das Tourleben?

Hazel: Weniger cool, als man sich es vorstellt – aber weniger schlimm als man befürchtet. Wenn man viele Städte sehen möchte, die einem nichts bedeuten (zum Beispiel Bonn) ist es super, wenn man jeden Dienstag im Tennisclub sein möchte, geht es nicht. Es gibt keine Regelmäßigkeit im Alltag.

bonnFM: Erkennen dich Leute?

Hazel: 1-5 Mal am Tag, wenn ich rausgehe. Wenn nicht, nicht.

bonnFM: Wir haben mal zwei Internetkommentare für dich rausgesucht – magst du die zum Abschluss kommentieren?

Hazel: „Das einzige was man Hazel Brugger zugutehalten kann ist ihr Teint. Und der wird verwelken.“ – Spricht für mich, ich schminke mich meistens selber d.h. ich mach das sehr gut.
„Boah, ist die unlustig“ – Es ist voll okay, wenn mich jemand unlustig findet. Würde ich auch finden, wenn ich scheiße wäre.

 

Hazel Brugger tourt mit ihrem Soloprogramm: „Hazel Brugger passiert“ durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ihre kommenden Termine in NRW: am 28.1.2017 in Bielefeld, am 16.3.17 in Dülmen und am 17.3.2017 in Köln.

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