Der Traum vom eigenen Festival

Der Sommer ist bekanntlich Festivalzeit und als Student vertreibt man sich auf solchen gerne mal die freie Zeit. Aber warum nicht mal ein eigenes Festival starten? Das haben Anna-Lena Öhmann und Tobias Patrick Wolf getan und sich damit einen Traum verwirklicht. bonnFM hat die beiden getroffen und mal nachgehakt, was an Arbeit dahintersteckt.

bonnFM: Hallo Anna-Lena, hallo Tobias. Ihr beide habt ja dieses Jahr zum ersten Mal das klangTunnel Musikfest veranstaltet. Könnt ihr vielleicht nochmal kurz zusammenfassen, worum es da ging?

Anna-Lena: Also, das klangTunnel Musikfest stand unter den drei großen Punkten Musik, Wissenschaft und Theater. Wir hatten zwei Abendprogrammpunkte und das ganze Wochenende noch ein Rahmenprogramm. Freitag war die Sprechbühne Halle da, Samstag gab es ein Kammerensemble und klassische Musik mit Texten, wo auch Dr. Volkmar Kramarz von der Uni Bonn dabei war und im Rahmenprogramm hatten wir dann eine Big-Band, Singer-Songwriter, Vorträge von unter anderem auch Silke Meyer von der Uni Bonn. Ein vielfältiges Programm, wo viele Spaß daran hatten.

bonnFM: Und das habt ihr beide mehr oder weniger alleine auf die Beine gestellt?

Tobias: Nein, wir sind ein Team von zwölf Leuten, die das organisiert haben. Letztes Jahr im August haben wir uns zusammengefunden und seitdem haben wir dann wöchentlich Telefonkonferenzen abgehalten und ganz viele Treffen gehabt, um das ganze Ding zu organisieren. Unser Team ist übrigens in ganz Deutschland und Europa versammelt. Einer hat zum Beispiel sein Büro in Brüssel, eine Freundin von mir, die kaufmännische Direktorin war, hat ihr Büro in Wiesbaden. Das war dann nochmal eine besondere Herausforderung, aber das haben wir offensichtlich ganz gut gemeistert.

„Uni ist auch noch irgendwo vorhanden“

bonnFM: Wie kommt man eigentlich auf die Idee einfach mal so ein Festival zu machen? Seid ihr einfach morgens aufgestanden und habt gesagt: „Jo, Bonn bzw. Erpel braucht eine neue Attraktion!“?

Tobias: Jetzt bin ich ja in Erpel aufgewachsen und diesen Tunnel, den kannte ich schon von klein auf. Ich hatte schon immer diesen Wunsch, da muss mich mal was drin stattfinden lassen. Im Studium hat man dann zeitlich die Möglichkeit dafür und warum dann nicht Leute zusammentrommeln, um das dann auch durchzuführen?

bonnFM: Wie genau sieht denn die Planung für sowas aus? Wie genau „macht“ man ein Festival?

Anna-Lena: Naja, man überlegt sich ein Konzept, man überlegt sich ein Programm und dann sucht man sich erstmal die Leute zusammen, eigentlich schon bevor man überhaupt ein Konzept schreibt. Dann muss entsprechend überlegt werden: Woher kriegt man Künstler? Woher kriegt man die entsprechenden Programmpunkte gefüllt? Was hat man eigentlich für Ideen, was gibt es für Möglichkeiten? Wenn man dann irgendwann Künstler und ein Programm zusammen hat, dann fängt man an das Ganze in der Zeitung kundzutun und legt den Termin fest. So baut sich das langsam Schritt für Schritt auf, die meisten Sachen ergeben sich aber tatsächlich im Laufe des Arbeitens.

Man hat dann allerdings trotzdem kurz vor Schluss noch so viele Sachen, die einem dann plötzlich auffallen, die man noch machen muss, wo man vorher vielleicht nicht dran gedacht hat. Somit plant man von langer Hand vor und die letzten zwei Wochen oder vielmehr die letzten 4-6 Wochen sind dann doch ziemlich viel Stress. Uni ist dann, naja, auch noch irgendwo vorhanden (lacht).

bonnFM: Wie kommt man eigentlich an solche Künstler? Kanntet ihr die persönlich vorher oder habt ihr die über Kontakte organisiert?

Tobias: Also, es ist sicherlich nicht verkehrt, wenn man vorher schon einige Kontakte und ein Netzwerk mitbringt. Ich hab vorher schon mal in dem Bereich gearbeitet beim Beethovenfest Bonn und sehr viele Leute kennengelernt, die dann eben die Kontakte möglich gemacht haben und beim klangTunnel auch vor Ort waren. Künstler insbesondere, das sind sehr gute Bekannte und Freunde von mir, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen und die sich bereit erklärt haben dieses Projekt zu unterstützen.

Think big!

bonnFM: Ok, sagen wir mal, ich möchte jetzt auch ein Festival gründen: Was müsste ich machen bzw. was wäre der erste Schritt?

Tobias: Ich denke, dass man so ganz ohne Vorerfahrung so ein großes Projekt vielleicht nicht auf Anhieb so gut hinkriegt. Man sollte irgendjemanden im Team haben, der schon mal in dem Bereich gearbeitet hat, der Erfahrung mitbringt, der Kontakte mitbringt, der vor allem Leute mitbringt, die das Geld da reinstecken und das finanzielle Risiko übernehmen. Da ist es nicht verkehrt, wenn man vorher schon etwas in der Richtung gemacht hat. Ansonsten finde ich es eine gute Idee und gute Ideen finden immer Zuspruch und Leute, die sie unterstützen. Ein Spruch von mir ist „Think Big“: Was Großes vorhaben, was Großes machen und einfach mal machen.

Anna-Lena: Auf keinen Fall es in der Schublade liegen lassen und nichts tun! Wenn man es nicht wenigstens probiert, dann hat man gar keine Chance es überhaupt zu machen.

bonnFM: Ich höre da raus, dass es für euch eine sehr positive Erfahrung war dieses Festival. Würdet ihr es nochmal machen?

Tobias: Definitiv, die nächsten Projekte sind schon in der Schublade und jetzt steht erstmal ein Auslandsaufenthalt an. Aber was danach kommt, wer weiß? Wir haben schon viele Ideen!

Anna-Lena: Ja, es bleibt abzuwarten, aber wir sind definitiv weiter am Überlegen und am kreativ werden.

bonnFM: Alles klar, vielen Dank für das Interview!

 

Mehr Infos zum Festival in unserem Vorbericht:

http://bonn.fm/artikel/musik-im-tunnel

und auf der Homepage der Veranstalter:

http://klangtunnel.de/