Interview und Akustiksession mit Kölner Band Like Snow

Die Kölner Band Like Snow hat in den vergangenen Monaten immer mal wieder auf sich aufmerksam gemacht. Im bonnFM-Interview spricht der Sänger Niels Schneberger über die langjährige Bandgeschichte, den Deal bei Soulfood Records und wie es dazu kam, dass sie ein Konzert in China spielten. Das Radiokonzert, das Niels danach gespielt hat, könnt ihr außerdem hier nachhören.

bonnFM: Niels, erklär doch mal kurz wer ihr seid, was ihr macht und wie viele ihr seid.

Niels: Wir sind eine fünfköpfige Band. Das hat sich so mit der Zeit entwickelt. Eigentlich hatten wir zu zweit angefangen – nur mit Akustikgitarren und Gesang – und sind dann mit der Zeit immer weitergewachsen. Wir machen Folk-Rock-Pop, irgendwas in diese Richtung. Am besten hört man sich das selber an und macht sich ein Bild. Ich finde es immer sehr schwer einzuschätzen, was man selber für Musik macht.

bonnFM: Ihr seid eine Kölner Band. Soweit ich weiß, wohnt ihr aber so ein bisschen verteilt übers Land. Wie habt ihr zueinander gefunden und wir organisiert ihr die Band?

Niels: Wir sind alle auf die gleiche Schule gegangen in Odenthal; das ist irgendwo im bergischen Land. Durchs Studieren sind wir mittlerweile alle grob im Raum Köln angesiedelt. Unser Bassist ist in Mannheim momentan, ist dort aber bald mit seinem Studium fertig. Deswegen bezeichnen wir uns als Kölner Band, weil es eben irgendwie der Großraum Köln ist.

bonnFM: Wie läuft das mit Proben und Auftritten, wenn man so weit auseinander wohnt?

Niels: Wir machen es meistens so, dass wir ein ganzes Wochenende planen und dann auch von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag machen, damit sich für Marian die lange Anreise aus Mannheim lohnt. Das ist gar nicht so leicht immer. Teilweise sehen wir uns dann auch mal einen Monat nicht. Das ist meist sehr schade, weil man dann nämlich wieder ein bisschen reinkommen muss. Das geht aber eigentlich relativ schnell bei uns dadurch, dass wir eben schon sehr lange miteinander Musik machen. Ich habe mit Marian 2007 angefangen in meiner ersten Band zu spielen und seit 2012 mit Like Snow sind wir zu viert und Tristan, unser Keyboarder, kam 2015 dazu.

bonnFM: Etwas bekannter seid ihr jetzt seit einiger Zeit, seitdem ihr bei Soulfood Records einen Labeldeal habt. Wie kam es dazu?

Niels: In erster Linie harte Arbeit, glaube ich. Wir hatten überlegt, nachdem wir irgendwann mal eine erste EP aufgenommen hatten im Studio bei uns um die Ecke, dass wir das nächste Album oder die nächste EP eigentlich ein bisschen größer rausbringen und auch offiziell releasen wollen. Wir waren dann auf der Suche nach einem Label, haben mit einem Produzenten zusammengearbeitet und die ersten Songs fertiggemacht und Promotion-mäßig rausgebracht. Dann sind wir irgendwie an Soulfood geraten, waren mal dort, haben uns super wohl gefühlt und dachten uns, das sind die Richtigen dafür.

bonnFM: Ihr habt erst die EP rausgebracht und dann das Album „Beauty & Fear“. War das so geplant oder kam das so dazu, weil ihr gemerkt habt, dass die EP gut angekommen ist?

Niels: Wir hatten eigentlich immer den Plan ein Album zu machen und hatten auch schon deutlich mehr Songs aufgenommen als dann auf der EP gelandet sind. Wir haben dann die EP raugebracht, um zusammen mit Soulfood zum ersten Mal etwas zu releasen und diesen Prozess einmal durchzugehen, sodass wir dann, wenn das Album rauskommt, weniger Fehler dabei machen und weniger Fristen verpennen.

„Es ist natürlich viel Arbeit gewesen und es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber es macht Spaß und das ist es, was zählt.“

bonnFM: Es scheint ja ganz gut anzukommen und ihr bekommt auch einiges an Beachtung. Ihr habt Interviews mit dem Kölner Stadtanzeiger, mit dem WDR und so weiter. Wie fühlt sich das an, wirklich professionell zu arbeiten?

Niels: Es fühlt sich sehr gut an, dass man das, was man schon jahrelang macht, plötzlich das Ganze ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt und man selber als Musiker etwas ernster genommen wird. Früher war es immer so: “Ah, das ist eine Schülerband. Ist ja ganz witzig, spielen hier ein paar Mal auf unserem Dorffest.” Davon wollten wir weg und das hat jetzt schon mal ein Stück weit geklappt. Es ist natürlich viel Arbeit gewesen und es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber es macht Spaß und das ist es, was zählt. 

bonnFM: Die Aufmerksamkeit und die Beachtung kamen relativ plötzlich. Hattet ihr das denn schon vorher im Gefühl, als ihr das Album aufgenommen habt?

Niels: Wir waren alle schon von den Songs begeistert und als wir sie dann im ersten Mix bei unserem Produzenten gehört haben, waren wir echt begeistert. Ich glaube, dass wir ein gutes Album gemacht haben und wir sind alle sehr zufrieden damit. Wir haben uns da aber nicht großartig bei gedacht, dass das Album ankommen muss. Wir hatten halt Lust, ein Album machen. Ein paar Fans hatten wir schon. Für die wollten wir ein gutes Album machen, aber vor allem für uns. Ich glaub das hat ganz gut geklappt.

bonnFM: Ihr habt neulich auf einem großen Festival in China gespielt. Wie kam das zustande und wie war das für euch?

Niels: Wie genau das zustande kam, wissen wir alle selber nicht. Das ist total abgefahren. Angeblich haben die uns auf Spotify oder dem chinesischen Pendant dazu gehört. Unser Manager war Ende letzten Jahres auf Welttour mit seiner Band. Er war auch in China und hat dort Kontakte geknüpft und das Ganze festgemacht. Wir haben dann erfahren, dass wir in Changcha spielen sollen. Wir dachten uns erstmal, dass das gar nicht sein kann. Schließlich sind wir doch einfach hingeflogen und haben dort einen Auftritt auf dem Festival gespielt. Es war super!

bonnFM: Eine große Bühne, ein großes Festival am anderen Ende der Welt – das ist schon was Besonderes. Was ist denn der Unterschied zwischen so einem großen Konzert in China und den Konzerten in Deutschland?

Niels: So einen großen Unterschied gibt’s nicht. Witzig ist, dass die Menschen in China anders jubeln. Es ist zwei Sekunden richtig laut und danach ist es wieder komplett still. Es war sehr witzig. Als Europäer wird man dort schon anders angeschaut. Die Leute wollten auch mehr Autogramme am Ende des Konzerts haben, aber ansonsten ist es sehr ähnlich zu den Konzerten in Deutschland.

bonnFM: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Niels: Wahrscheinlich werden wir im Herbst eine kleine Tour fahren als Supportact. Wir sind in Gedanken auch schon ein bisschen bei der nächsten Aufnahme, weil wir ja neue Songs schreiben müssen. Ich denke, das wird jetzt auch erstmal viel Zeit in Anspruch nehmen. Hauptsache weitermachen und irgendwie vorankommen.

„Ich glaube das geht nur, wenn man ein bisschen bekloppt ist, wie wir es sind.“

bonnFM: Festivals in China, Konzerte in Bonn, eine kleine Tour durch Deutschland und auch ein neues Album – wie lässt sich das mit der Uni vereinbaren?

Niels: Ich glaube das geht nur, wenn man ein bisschen bekloppt ist, wie wir es alle sind. Wir haben die Leidenschaft für die Musik. Es ist immer wieder schön, wenn man in den Proberaum kommt und die vier anderen sind da. Man hat direkt gute Laune, kommt ein bisschen aus dem Alltag heraus, kann einfach mal abschalten und kann dabei gleichzeitig etwas Produktives tun – das ist wunderbar!

bonnFM: Eure Musik klingt weder wie typischer Pop oder typischer Indie. Ist es das, worauf ihr hinauswollt?

Niels: Man macht sich glaube ich gar nicht so viele Gedanken, was man für eine Musikrichtung machen möchte, sondern man macht einfach. Wir hören alle sehr unterschiedliche Musik und das, was dabei an Einflüssen bei rumkommt, ist dann das, wie wir klingen. Wir schauen, dass jeder von uns einen Teil einbringt.

bonnFM: Könntet ihr euch vorstellen einen Ausflug in ein anderes Musikgenre zu machen?

Niels: Ja, durchaus. Solange nicht deutsch gesungen wird, denn das mag ich nicht. Wir probieren auch immer mal wieder rum. Die neuen Songs, die wir jetzt soweit geschrieben haben, klingen auch schon ganz anders als die alten. Mal schauen, was sich daraus entwickeln wird. Wir covern auch immer mal wieder, zum Beispiel Elle Kings “Ex’s and Oh’s”. Mal etwas anderes zu spielen, macht es auch interessant. 

Am 12. August spielen Like Snow beim Green Juice Warm Up im Bonner Euro Theater Central ein Akustikset. Der Eintritt ist frei.

 

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