KMPFSPRT im bonnFM Interview

In unserer Spezialsendung Heavy Tuesday war Dennis, Bassist der deutschen Punkband KMPFSPRT zu Gast und wir haben mit ihm unter anderem über das neue Album „Gaijin“ gesprochen.

bonnFM: Das neue Album „Gaijin“ ist jetzt seit ein paar Wochen draußen, wie fühlst du dich?

Dennis: Gut, ich bin froh, dass das Ding raus ist. Es ist ja häufig so, dass hinter den Kulissen immer mal Sachen passieren und dann muss man wieder mal was verschieben oder so. Es war also alles sehr stressig und ich bin sehr froh, dass das Album jetzt draußen ist.

bonnFM: Als ihr vor zwei Jahren euer Album „Intervention“ veröffentlicht habt, hatte ich das Gefühl, dass es ein Album ist, auf das viele gucken, weil es von einer recht neuen Band ist, die gerade dabei war, sich einen großen Namen in der Szene zu machen. Das Album bekam super Kritiken und hat euch nochmal ein ganzes Stück gepusht. Jetzt kommt es mir vor, als ob „Gaijin“ von einer Band kommt, die bereits ein Standing hat und in der Punkrockszene wesentlich bekannter schon ist. Stimmst du dem zu?

Dennis: Ja, durchaus. Bei „Intervention“ hatte ich auch das Gefühl, dass viele Leute drauf geguckt haben, weil wir da ja auch von einem kleinen Indie-Label weggegangen sind zu einem großen Label, also zu People Like You, die zu Sony gehören mittlerweile. Das wird natürlich in der Punk- und Alternativen Szene immer ein bisschen beäugt. Da gab es dann auch die ein oder andere Stimme, der das Album dann zu soft war, aber das hatte nichts mit dem Wechsel des Labels zu tun. Aber da wurde schon so ein bisschen drauf geguckt und auf dem bauen wir jetzt mit „Gaijin“ auf.

bonnFM: „Gaijin“ ist euer drittes Album. Man redet immer vom „wichtigen“ dritten Album. Fühlt es sich auch so an?

Dennis: Das ist eine schwierige Frage. Für unseren Schlagzeuger zum Beispiel ist es das erste Album, wir haben ja mittlerweile den Ruf, nach jedem Album den Schlagzeuger zu wechseln. (lacht) Aber eigentlich haben wir alles wie immer gemacht. Man spricht ja auch von diesem „Make it or break it“-Ding und dadurch, dass das für uns jetzt keine Karriere ist, wo unser Lebensunterhalt von abhängt, war das nicht so.

bonnFM: Der Albumtitel „Gaijin“ heißt so viel wie “Ausländer” auf japanisch. Wie ist diese Idee entstanden?

Dennis: Unser Gitarrist hat Japanisch studiert und hat auch ein paar Jahre in Japan gelebt. Man muss dazu sagen, „Gaijin“ bedeutet nicht nur „Ausländer“, sondern auch „Außenseiter“, das hat eine doppelte Bedeutung. Mit dem Wort wird in Japan ein bisschen anders umgegangen als hier, hier würde man ja niemanden auf der Straße als „Ausländer“ bezeichnen, und David [der Gitarrist] hat das dort ständig gehört und darauf bezieht sich das. Die Idee, das als Albumtitel zu benutzen, ist aber tatsächlich von Casper. David und Casper kennen sich und waren auch mal zusammen in Japan im Urlaub und Casper fand, dass das ein mega geiler Albumtitel ist. Wir haben ihm dann zwei Alben lang Zeit gegeben, diesen Titel zu benutzen, er hats nicht gemacht und dann haben wir gesagt: dann machen wir das jetzt! Aber eigentlich kam die Idee zum Albumtitel von Casper und nicht von uns (lacht).

bonnFM: Ihr seid eine sehr politische Band mit klarer Aussage, besonders auf diesem Album. Jedoch nicht so mit erhobenem Zeigefinger, aber auch nicht so super versteckt und abstrakt. Ist das die Art, wie ihr am liebsten die Botschaften rüber bringen wollt?

Dennis: Ja, wir sehen uns auch nicht als klassische Deutschpunk-Band, die, ohne das schlechtreden zu wollen, textlich mit der Brechstange daher kommt. Uns ist aber auch sehr wichtig, dass man, wenn man die Texte hört, sofort weiß, worum es geht oder wer gemeint ist, weil wir nämlich genau keinen Bock haben, dass solche Leute zu unseren Konzerten kommen oder unsere Musik hören, deswegen ist es wichtig, eine klare Aussage zu treffen, die aber nicht ultra platt rüberkommt. Also wir versuchen, einen Mittelweg zu finden und ich glaube, das gelingt uns ganz gut.

bonnFM: “Trümmer” ist ein Lied über Social Media – ein sehr präsentes Thema. Wie steht ihr zu der Thematik? Gerade heutzutage ist es ja auch als Band unverzichtbar, präsent zu sein auf allen sozialen Netzwerken.

Dennis: Wir sind da ja auch präsent und pflegen unsere Social-Media-Känale sehr. Ich glaub, wichtig ist, da zu unterscheiden, was das reale Leben ist und was nicht. Ich für mich persönlich bin da zu dem Schluss gekommen, dass ich sämtliche Socal-Media-Apps von meinem Handy gelöscht habe, weil ich da einfach keinen Bock mehr drauf hatte, weil ich gemerkt hatte, wie viel Zeit das gefressen hat für eigentlich nichts. Daher bin ich ganz froh, dass unser Gitarrist das mehr oder weniger übernommen hat und da auch Spaß dran hat, dann ist das ja auch cool. „Trümmer“ ist ein Song, der alles so ein bisschen ins Lächerliche zieht, was da eigentlich passiert um uns herum und das man vielleicht weniger aufs Handy starren sollte.

bonnFM: Ist der Titel “Freut euch nicht zu spät” an den Zeitgeist und sozusagen unsere Generation, die im Moment nur von Erfolg und Start-Ups redet, gerichtet?

Dennis: Ja, durchaus. Das sind alles so Themen, die uns beim Schreiben des Albums begleitet haben. Der Haupttenor ist schon das, was glaube ich viele Menschen in den letzten Jahren berührt hat: die Flüchtlingskrise. Das ist der rote Faden, der sich durch das Album zieht. Aber wir haben natürlich auch geschaut, dass wir abgesehen davon, links und rechts noch ein paar Themen mitnehmen, und das ist eins davon.

bonnFM: Zu einem neuen Album gehört ja eigentlich auch immer eine Tour. Ihr habt noch keine Termine konkret angekündigt, aber ich könnte mir vorstellen, dass ihr noch auf Tournee geht dieses Jahr, oder?

Dennis: Genau, wir haben das so ein bisschen in den Herbst geschoben, weil jetzt natürlich erstmal die ganze Festivalsaison ansteht, zudem gibt es noch so einen kleinen Indie-Event namens „WM“, wo wir auch nicht unbedingt gegen antreten wollen. Ich glaube, bei der letzten WM haben wir drei Konzerte gegeben, während Deutschland gespielt hat, das waren die besten Konzerte meines Lebens (lacht). Deswegen werden wir im Herbst eine kleine Tour machen und jetzt erstmal ein paar Festivals abklappern.

bonnFM: Welche beispielsweise?

Dennis: Wir werden zum Beispiel hier in Bonn auf dem Green Juice Festival spielen, worauf ich mich sehr freue, weil ich, glaube ich, jede Band an den beiden Tagen kenne oder mit uns befreundet sind, da freue ich mich auf jeden Fall sehr drauf.