Polizei = Männersache? Ein Interview zum Thema Frauen bei der Polizei

Der Polizeiberuf ist lange keine reine Männersache mehr. Immer mehr Frauen bewerben sich, um das duale Studium zur Kommissaranwärterin in NRW aufzunehmen – im letzten Jahr wurden über 800 Frauen eingestellt. Im Rahmen der bonnFM Sexismus-Reihe haben wir mit einer Kommissaranwärterin im dritten Jahr darüber gesprochen, wie es heutzutage als Frau bei der Polizei ist. 

bonnFM: Hast du dich während deiner bisherigen praktischen Einsätze von deinen Kollegen (männlich und weiblich) fair und gleichbehandelt gefühlt? 

Kommissaranwärterin: Also ich hatte bisher nur zwei Praktika, die habe ich aber auch in unterschiedlichen Dienstgruppen gemacht. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass sowohl die männlichen, als auch die weiblichen Kollegen immer mir gegenüber auf Augenhöhe aufgetreten sind und mich sofort mit ins Team aufgenommen haben und mich auch eigentlich immer wie Kollegen behandelt haben. Somit habe ich mich eigentlich bei beiden Dienstgruppen von den männlichen, als auch weiblichen Kollegen immer fair und gleich behandelt gefühlt. 

bonnFM: Werden deiner Meinung nach Frauen in NRW dazu motiviert und gefördert, ein Studium bei der Polizei aufzunehmen?  

Kommissaranwärterin: Ich finde schon, dass auch Frauen dazu motiviert werden, vielleicht auch aus dem Grund, dass man versucht, den Polizeiberuf Frauen näher zu bringen und ich glaube, das ist auch eine ganz gute Chance für Frauen. Gerade auf der Homepage, wenn man sich da die Kriterien anguckt, wann man zur Polizei kann. Da wird Frauen entgegen gekommen, gerade auch was Größe angeht. Auch hinterher bei den Sporttests gibt es eine Norm für Männer und eine andere Norm für Frauen. Die Voraussetzungen sind da andere. Ich denke, dass das schon Frauen motiviert, dahin zu gehen. Und ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass auch da eigentlich immer eine Gleichbehandlung herrscht. Ich habe nie erfahren, dass Männer da irgendwie bevorzugt wurden.

bonnFM: Gab es Situationen, in denen du dich als Frau während eines Einsatzes diskriminiert gefühlt hast?

Kommissaranwärterin: Von Kollegen habe ich mich bis jetzt auf gar keine Fall diskriminiert gefühlt in irgendeinem Einsatz. Aber es gab natürlich schon ein, zwei Situationen, wo ich mich gerade vom männlichen polizeilichen Gegenüber unfair behandelt gefühlt habe, wenn man das so sagen kann. Z.B. wenn ich mit jemandem reden will und dem erklären möchte, was er falsch gemacht hat. Da erinnere ich mich an eine Situation, dass dann der Mann sehr patzig mit mir geredet hat, wenn er überhaupt geantwortet hat. Als dann ein männlicher Kollege hinzu gekommen ist und ihm das ganze nochmal erklärt hat, da hat man dann schon relativ schnell gemerkt, dass er mit ihm sehr gerne spricht und zu mir und meiner anderen weiblichen Kollegin eher passiv gegenüber tritt und mit uns da gar kein Gespräch führen wollte. Dann fühlt man sich schon irgendwie diskriminiert, wobei man das nicht so sehr an sich ran lassen sollte. 

bonnFM: Hattest du das Gefühl, dass betroffene Personen, z.B. das männliche Gegenüber, das dann nicht mit dir reden wollte, dich während eines Einsatzes nicht als Polizistin ernst nehmen, weil du eine Frau bist? 

Kommissaranwärterin: Ja, wenn ein polizeiliches Gegenüber nicht mir dir sprechen möchte, sondern lieber mit dem männlichen Kollegen, hat man dann schon das Gefühl, dass man nicht als Frau, als Polizistin, ernst genommen wird. Wobei ich auch das Gefühl hatte, dass es dann auch an meinem jungen Alter liegt. Gerade erwachsene Männer, aber auch erwachsene Frauen wollten sich dann von einer jüngeren Person nichts sagen lassen, sondern eher mit den älteren und aus deren Sicht erfahreneren Kollegen sprechen. 

bonnFM: Werdet ihr während der polizeilichen Ausbildung auf Situationen vorbereitet, in denen ihr als Frau mit sexistischen und diskriminierenden Aktionen konfrontiert werden könntet?

Kommissaranwärterin: In der Theorie jetzt explizit nicht, weil da natürlich nur das Theoretische vermittelt wird. In unseren Trainings kommt das schon vor, dass die Trainer da sowas mit einbauen, um uns darauf vorzubereiten, weil das natürlich schon im polizeilichen Alltag vorkommen kann. Was mir persönlich sehr weitergeholfen hat, war der Austausch mit weiblichen Kolleginnen in meinen Praktika, die mir dann schon Tipps gegeben haben oder auch von eigenen Erfahrungen berichtet haben. Gerade auch wenn es mal zu einer Situation gekommen ist. Wenn man dann hinterher mit Kollegen darüber gesprochen hat, fand ich das schon sehr hilfreich und hat mich auch auf solche Situationen vorbereitet und mir geholfen, passend auf so etwas einzugehen. 

bonnFM: Wie reagierst du auf sexistische Aussagen? Hast du für dich eine eigene Strategie entwickelt? 

Kommissaranwärterin: Ich für mich habe herausgefunden, dass ich am besten damit klar komme, wenn ich mir das ganze nicht so zu Herzen nehme und vor allem auch in dieser akuten Situation dann nicht darauf eingehe, sondern dass das rechts rein geht und links wieder raus. Natürlich, wenn man in den Bereich von krassen Beleidigungen kommt, dann ist das auch irgendwann nicht mehr witzig und ist im strafrechtlichen Bereich, sodass man dann auch mal eine Strafanzeigen fertigen muss. Aber ich für mich habe herausgefunden, dass man vielleicht dann auch einen männlichen Kollegen hinzuzieht und ich mich als Frau dann anderen Aufgaben widme, um ein bisschen Dampf aus der Situation zu nehmen. Sonst habe ich für mich gemerkt: Einfach nicht darauf eingehen, dann hören sie schon irgendwann damit auf.