„Ist das nicht der von Cobra 11?!“

Am 28. März 2015 ist der Musiker und Schauspieler Tom Beck mit seinem neuen Album „So wie es ist“ in der Live Music Hall in Köln aufgetreten. bonnFM-Reporterinnen Laura Zingsheim und Susann Kexel haben sich mit ihm in Köln zum Interview getroffen.

bonnFM: Im Februar ist dein Album „So wie es ist“ erschienen. Wie würdest du das Album selbst beschreiben?

Tom Beck: Als eine Momentaufnahme. So ein Album repräsentiert immer einen bestimmten Lebensabschnitt, deshalb heißt es auch „So wie es ist“. Es ist natürlich im Vergleich zu den anderen Alben anders, weil es komplett auf Deutsch ist. Stilistisch ist es ein poppiger Mix aus Singer/Songwriter und Blues würde ich sagen. Ich kann das aber selbst schlecht beschreiben, das fällt mir schwer.

bonnFM: Was sind deine musikalischen Vorbilder, welche Musik hörst du privat?

Tom Beck: Da hab ich von Kindheit an alles durch. Ich bin auf dem Dorf groß geworden, da war von den Flippers bis zu den Wildecker Herzbuben alles dabei. Die Zillertaler Schürzenjäger, Bon Jovi, Guns’n’Roses, Metallica, Rage Against The Machine. Aber auch Vanilla Ice, Snap, also wirklich auch diese ganze Scheiße, die es früher gab, alles hab ich gehört. Später kam aber auch viel Rock’n’Roll dazu, Elvis Presley, Little Richard, so diese Kiste. Chuck Berry, und The Beatles natürlich auch. Mittlerweile bin ich bei Paolo Nutini, Marc Broussard, John Mayer und Jason Mraz hängen geblieben.

bonnFM: Also quasi einmal durch alle Musikrichtungen durch?

Tom: Ja, aber ich höre auch jetzt noch unterschiedliches Zeug. Also ich kann nicht sagen, ich interessiere mich nur für ein bestimmtes Genre. Gerade habe ich zum Beispiel diese James Bay Platte gehört und davor die von Deichkind. Das ist also relativ unterschiedlich.

bonnFM: Das Konzert am Samstag in Köln ist ja eines der letzten deiner Tour. Wie sind denn deine bisherigen Eindrücke und was waren Highlights?

Tom: Jedes Konzert ist anders, deswegen ist es immer schwierig zu sagen, was Highlights sind. In Ravensburg war ich in einem total schönen, alten Theater. Das hat von der Atmosphäre her einfach etwas sehr warmes gehabt. Mein Bühnenbild hat aber auch keinen großen Schnick-Schnack, da liegen einfach ein paar Teppiche. Unter anderem ist auch ein alter Wohnzimmerteppich dabei, der 20 Jahre lang bei meinen Eltern im Wohnzimmer lag. Und so ein paar ‚Oma-Lampen’. Das Konzert in Frankfurt war zwar nicht so gut verkauft, dafür war der Club geil und der Sound super. Wir versuchen natürlich jedes Konzert zum Besten zu machen. In meiner Hometown Nürnberg war natürlich super viel los, das war echt klasse. Was mir aber noch auffällt bei den Konzerten: Es ist jetzt schon ein bisschen anders geworden, als noch vor einem Jahr. Ich glaube, mittlerweile kommen die Leute schon hauptsächlich wegen der Musik und weil sie mich als Musiker kennengelernt haben. Vorher war es noch öfter so, dass die Leute kamen, weil sie „den Typen von Cobra 11 mal gerne live sehen wollten“ („Alarm für Cobra 11“, Serie auf RTL, Anm. d. Redaktion), was ja auch okay ist. Sie kaufen ja trotzdem die Tickets, kommen zu den Konzerten und haben hoffentlich einen schönen Abend. Aber ich denke, denen ist jetzt nicht so wichtig welcher Song gerade gespielt wird und das hat sich jetzt ein bisschen gewandelt.

bonnFM: Hast du irgendwelche besonderen Erwartungen an das Konzert am Samstag? Du wohnst ja inzwischen auch hier in Köln. Ist da die Resonanz nochmal anders oder ist das wie jedes andere Konzert bisher?

Tom: Köln ist bis jetzt auch super verkauft. Klar kommt auch viel Family und Friends, wir hatten schon eine super Release Party, wo wirklich nur Freunde waren. Das war super, die haben uns auf der Bühne total gefeiert und hatten richtig Bock. Wenn die aber jetzt mit Fans zusammen sind, weiß ich nicht ob sie dann trotzdem noch so aus sich rausgehen oder ob denen das dann vielleicht peinlich ist… Aber das kommt auch auf den Pegel an, ich muss die dann vor dem Konzert einfach schon abfüllen, dann wird’s bestimmt lustig! (lacht)

bonnFM: Kommt es auch mal vor, dass dir die Songs irgendwann zum Hals raushängen, wenn du auf Tour gehst, und du denkst: „Boah ich hab die jetzt schon so oft gesungen?“

Tom: Ja das kann schon mal passieren, wenn man lange auf Tour ist. Bei mir ist das nicht so, ich bin ja jetzt auch gerade mal einen Monat unterwegs und habe 20 Konzerte gespielt. Da geht mir nichts auf den Sack. Wäre aber ja auch schade. Manche Songs machen natürlich mehr Spaß, weil sie angenehmer sind zu singen und bei manchen musst du richtig arbeiten, auch stimmlich. Und wenn du sowieso schon ein bisschen angeschlagen oder heiser bist, hast du auch ein bisschen Angst vor dem Song, weil du denkst: Oh fuck jetzt musst du den auch noch singen, hoffentlich hält die Stimme. Ich hatte jetzt sechs Konzerte in Folge. Da muss man bei den ersten drei schon ein bisschen aufpassen und darf nicht so viel Bier trinken… (lacht)

bonnFM: Wie ist denn das Feedback zu dem Album bisher? Vor allem weil es erstmals komplett auf Deutsch ist.

Tom: Durchweg gut, ich habe bis jetzt ausschließlich Positives gehört. Die Leute, die es nicht so gut finden sagen wahrscheinlich nichts, was ja auch clever ist. Aber im Enddefekt ist es auch so, dass ich sage: selbst wenn alle es total scheiße finden würden, ist das immer noch eine Geschmacksfrage. Über Musik kann man eben streiten, das ist einfach eine sehr subjektive Sache. Ich finde das Album super, mir taugt das total. Klar kann man es immer anders machen, aber irgendwann muss man so ein Album auch mal fertigstellen. Und wenn ich das jetzt noch einen Monat länger hätte liegen lassen, hätte ich es wieder anders gemacht und nach zwei Monaten wäre es wieder anders gewesen.. dann hätte ich hier noch etwas geändert und da wäre noch ein Song rausgeflogen oder dazu gekommen, aber ob es dann besser wird weiß man nicht. Es ist eben wirklich eine Momentaufnahme.

bonnFM: Meinst du denn, du hast durch die deutsche Platte vielleicht auch Fans verloren? Also dass Leute sagen: „Ne, der singt jetzt auf Deutsch. Das mag ich gar nicht!“

Tom: Fände ich irgendwie merkwürdig, weil sie ja jetzt alles verstehen. Oder sie finden es deswegen doof, das kann natürlich auch sein. Aber gut, damit muss man leben. Ich selbst bin jetzt nicht so festgelegt was die Sprache betrifft, auch bei anderen Künstlern. Naja wenn jetzt Jason Mraz auf Deutsch singen würde und der hätte einen total brutalen amerikanischen Akzent und würde immer so singen, dass ich nichts verstehen würde, dann würde ich mich vielleicht schon verarscht fühlen. Aber wenn man beide Sprachen gleichermaßen beherrscht, ist es mir eigentlich total latte. Hauptsache es touched mich irgendwie.

bonnFM: Du schreibst deine Songs selbst, was inspiriert dich dabei und unter welcher Atmosphäre schreibst du am liebsten?

Tom: Ja, ich habe so ein Haus in der Toskana mit eigenem Meerzugang und da setze ich mich dann im Sommer immer vier Monate hin und schreibe. Meistens mit einer Flasche Rotwein! Quatsch, das wäre schön! (lacht)  Man stellt sich das wahrscheinlich immer so völlig romantisch vor, aber das ist manchmal auch wirklich ein Arbeitsprozess. Genauso wie ihr zu Hause sitzt und irgendwelche Paragraphen studiert, Formeln lernt oder Bücher lest. Man setzt sich hin und versucht wirklich konzentriert ein Thema zu behandeln. Mal geht das ganz easy, auch zu Hause. Dann sitze ich auf der Couch, habe die Gitarre in der Hand und spiele irgendetwas. Und dann singe ich eine Melodie dazu, die mir einfällt. Zum Beispiel: “Buttermilch ist besser als Sahne“ und dann denke ich mir: Oh geil, klingt doch eigentlich ganz cool und dann schreibe das auf. Gut, das ist jetzt nicht unbedingt die mega Hookline…wobei, vielleicht für ein Kinderlied.

bonnFM: Denkst du denn, dass man es als ‘deutschsingender’ Musiker schwerer hat, erfolgreich zu werden?

Tom: Ne, sonst hätte ich es nicht gemacht. Also international bestimmt, das ist schon klar. Ich glaube, dass sich niemand in Los Angeles meine Platte kauft. Aber das würde sie/er wahrscheinlich auch nicht, wenn ich auf Englisch singen würde. Darum geht es mir im Moment auch gar nicht. Es geht mir erstmal um Deutschland und darum hier Fuß zu fassen. Ich fühle mich hier wohl, ich bin Deutscher, ich mag uns und unsere Mentalität, vielleicht nicht unser Klima, aber zumindest bin ich hier schon verwurzelt und es ist meine Sprache und in der drücke ich mich aus. Deswegen habe ich es dann doch mal versucht. Ich hatte das früher auch schon mal vor, nur hab ich immer gemerkt, das klingt so nach irgendwem, den ich gerade im Radio gehört habe. Wenn ich jetzt schreiben würde: „Du hast den Raum mit Sonne geflutet“, ist das zwar ein wunderschöner, metaphorischer Satz, aber der passt eher zu Grönemeyer als zu mir. Deshalb muss man sich erstmal hinsetzen und so lange probieren, bis man seine Form der Ausdrucksweise in der Muttersprache in Kombination mit der Musik gefunden hat.

bonnFM: Du bist ziemlich erfolgreich mit dem aktuellen Album. In den Albumcharts bist du in den Top 30 gelandet. Was möchtest du noch alles mit deiner Musik erreichen? Würdest du sagen, das reicht dir schon oder hast du solche Ziele wie: Ich will unbedingt in die Top Ten?

Tom: Ne, es geht mir eigentlich gar nicht um eine Chartplatzierung. Obwohl das wahrscheinlich nicht unwichtig ist, wenn man auch mal in einem Stadion spielen will. Und DAS möchte ich mal machen! Oder zumindest so viele Menschen wie möglich erreichen. Da geht’s mir in erster Linie nicht um die Größe allein, sonst würde ich so flache Witze wie Mario Barth machen, um 70.000 Leute ins Stadion zu ziehen. Dann würde ich wahrscheinlich auch ganz ‘mainstreamigen’, deutschen Schlager machen, der gerade total angesagt ist. Vielleicht würde ich versuchen die neue (männliche) Helene Fischer zu werden und mir ein Major Label suchen, das mich dabei unterstützt. Aber darum geht’s mir ja nicht. Ich will mit meinem eigenen Zeug bekannt werden. Das läuft alles über ein kleines Label, das ist unser Baby. Wenn das mit dem klappt ist es super und wenn nicht, ist auch nicht schlimm, aber dann habe ich es zumindest probiert. Ich will damit nur sagen: Ich möchte das, was ich mache, natürlich gerne verbreiten und hoffen, dass es mehr Menschen hören, aber mich dabei nicht verbiegen.

bonnFM: Im Moment beschäftigst du dich ja überwiegend mit der Musik, aber als was siehst du dich eher? Als Schauspieler oder Musiker? Oder beides

Tom: Also ich glaube die Leute sehen mich eher als Schauspieler, sonst würde ich auch nicht (toi, toi, toi) einigermaßen gut arbeiten und Jobangebote bekommen. Ich sehe mich selbst glaube ich eher als Musiker, weil ich mit fünf Jahren schon angefangen habe Musik zu machen und erst über Umwege, also durch ein Musicalstudium, zur Schauspielerei gekommen bin. Aber ich mache das eine nicht unbedingt lieber als das andere, das sind sehr unterschiedliche Bereiche. Das Filmbusiness ist halt einfach sehr oberflächlich.

bonnFM: Das heißt du hattest schon schlechte Erfahrungen im Filmbusiness?

Tom: Nein, ich hatte keine schlechten Erfahrungen im Filmbusiness. Man muss einfach wissen, dass man da die Zügel nicht selbst in der Hand hat. Ich muss zu jeder Menge Castings gehen und so. Wenn mein Marktwert oben ist, bekomme ich die Rollen, zumindest so lange ich noch aussehe, wie ich aussehe. Bekomme ich plötzlich kreisrunden Haarausfall oder mir schlägt jemand die Nase krumm, ist es vielleicht vorbei mit den Rollenangeboten… Das Business ist eben sehr oberflächlich und schnelllebig, dessen muss man sich bewusst sein.

bonnFM: Stört es dich denn, dass man manchmal so stark auf das Aussehen reduziert wird?

Tom: Das stört mich nicht, das ist einfach so. Aber das ist wahrscheinlich ganz normal, jeder beurteilt andere Menschen erst mal nach dem Äußeren, das geht mir genauso. Oder dass man einen bestimmten Effekt auf jemanden hat, dadurch wie man aussieht. Es ist natürlich klar, dass man immer mehr ist als das. Aber es ist auch schön, wenn man sein Fach gefunden hat, wofür man dann auch besetzt wird. Ich habe früher immer gedacht: „Ach warum werde ich immer für so einen jungen Liebhaber besetzt? Das ist doch komisch, ich will auch mal etwas anderes spielen!“ Zum Beispiel einen totalen Psychopathen oder etwas in der Art. Aber das machen dann eben die Leute, die auch so aussehen. Und warum spiele ich nicht den Nerd? Weil es Leute gibt, die nerdiger aussehen. Klar kann man aus mir auch einen Nerd machen, ich hab letzte Woche in einem Sat1 Film gespielt, wo ich komplett anders aussah als sonst. Und darüber habe ich mich zum Beispiel total gefreut, so hatte ich mal die Möglichkeit was ganz anderes zu spielen. Aber es ist erst mal gut sein eigenes Fach zu finden, in dem man sich dann etablieren und sich einen eigenen Namen machen kann.

bonnFM: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus? Hast du bestimmte Wünsche oder Träume?

Tom: Ich bin relativ glücklich und auch leicht zufrieden zu stellen. Ich will eigentlich nur gesund bleiben. Das klingt so banal, aber ansonsten habe ich ja alles. Irgendwann möchte ich vielleicht mal eine Familie haben, ein Häuschen mit Garten, ganz spießig. Bis dahin noch eine schöne Rock’n’Roll-Tour und dann drehe ich noch bis August. Und ich möchte mit der Musik noch ein bisschen steiler gehen, also dass das Ganze noch ein bisschen größer wird, das wäre ein Traum. Aber ich kann mich eigentlich nicht beklagen, es läuft alles ganz gut im Moment.

bonnFM: Danke für das Gespräch!

Und alle, die Tom Beck bis jetzt nur als Schauspieler kannten, können hier in das neue Album „So wie es ist“ reinhören!