X- Men: Apokalypse

An Superhelden kommt der Kinobesucher 2016 kaum vorbei und nach Deadpool, Superman und Captain America, fehlt eigentlich nur noch ein Team: Die X-Men!

Das Rätseln hat ein Ende

Jean und Nightcrawler Bild: © 2016 Twentieth Century Fox

Jean und Nightcrawler Bild: © 2016 Twentieth Century Fox

Sicherlich saßen viele Nicht-Comicleser leicht verwirrt nach dem Abspann des emotional aufwühlenden X-Men: Zukunft ist Vergangenheit im Kino und fragten sich, wer denn bitte der bis dahin mehr schlecht als recht entworfene Mann ist, der gerade die Pyramiden baut. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Apokalypse, der erste und gottähnliche Mutant. Aber wo war er all die Jahre und warum taucht er erst in der – mit Ghettoblaster-Musik unterlegten – Zeit der 80er wieder auf? Diese Frage wird anfangs nachvollziehbar geklärt und beschert dem gealterten (die Maskenbilder haben ganze Arbeit geleistet) X-Men-Erste Entscheidung-Team, ihren bisher mächtigsten Gegner, dem nur noch Charles Xaviers Fähigkeit fehlt, um ein wahrer Gott zu werden. Um Prof. X (James McAvoy) zu retten und das Ende der Welt zu verhindern, müssen Raven/Mystique (Jennifer Lawrence) und Hank/Beast (Nicholas Hoult) ein Team unerfahrerner Mutanten in die Schlacht gegen Apokalypse (den wieder zu erkennenden Oscar Isaac) und seine sogenannten „vier Reiter“ führen. Darunter auch ihr ehemaliger Freund-Feind Erik/Magneto (Michael Fassbender), der mächtiger und mehr vom Schicksal gezeichnet ist als je zuvor.

Treffen der Generationen, die Zweite

Storm  Bild: © 2016 Twentieth Century Fox

Storm
Bild: © 2016 Twentieth Century Fox

Wurden noch im letzten Film die Anfänge der X-Men rund um Prof. X, Magneto und Mystique aufgeklärt, konzentriert sich dieser Film auf ihr Leben 10 Jahre später, nachdem Mystique den Präsidenten gerettet hat und zur Heldin vieler Mutanten wurde. Sie selbst kämpft im Untergrund weiter für jene von den Menschen misshandelte Mutanten, wie Nightcrawler/Kurt Wagner (Kodi Smit-McPhee) und glaubt nicht an eine hoffnungsfrohe neue Welt, wie Charles. Diesen erleben wir, wie man ihn aus den ersten X-Men-Teilen kennt: Zwar (noch) ohne Glatze, dafür aber schon als Lehrer und Führer teilweise orientierungsloser und verängstigter Mutanten, wie die junge Jean Grey (Game of Thrones-Star Sophie Turner) und ihren späteren Freund Scott/Cyclops (Tye Sheridan).
Gelingt bei eben genannten Mutanten die charakterliche Weiterentwicklung oder Einführung sehr gut, schlägt sie bei Storm (Alexandra Shipp) völlig fehl. Obwohl Mystique ihr großes Vorbild für einen Kampf um Gerechtigkeit ist, schlägt sie sich ohne viel Federlesen auf die Seite von Apokalypse, nachdem dieser sie aus einer brenzligen Situation rettet und ihre Kräfte (und ihren Look) ordentlich aufpeppt. Ähnlich blass und willig folgsam wie Storm bleiben auch Psylocke (Olivia Munn) und Angel (Ben Hardy), die letztendlich nur als Kanonenfutter im Endkampf dienen. Einzig der letzte der 4 Reiter nicht. Macht Charles eine 180-Grad-Kehrtwende im Vergleich zum Vorgängerfilm, so gilt dasselbe für Magneto. Anstatt (logischerweise nach einem Präsidentenattentat) im Gefängnis zu verrotten, verlebt er seine Tage zurückgezogen in Polen, bis ihm die Menschheit auch noch das letzte bisschen Glück nimmt. Wie viel Pech kann ein Charakter haben? Doch anders als bisher erleben wir keinen wütenden, sondern schlichtweg entmutigten Magneto, der Apokalypse nun dabei hilft, die Welt nach dem Motto „Nur die Stärksten überleben“ umzuformen.

Das Beste kommt zum Schluss?

Kräfte und CGI-mäßig toppt der Film sogar noch mal seine Vorgänger. Quicksilvers (Peter Evan) Rettungsaktion aus dem letzten Film, die meiner Meinung nach bis dahin beste Szene des X-Men Universums war, wird in diesem Film noch einmal übertroffen. Die Schulatmosphäre aus dem nach wie vor schlüssigsten Film der Reihe (X-Men 2) und die Lehrer-Schüler-Beziehungen, leben neu auf und ebnen den Weg für den geplanten Ableger New Mutants. Charles Zusammentreffen mit seiner alten Liebe, der FBI Agentin Moira (Rose Byrne), sorgt für einen Hauch von Romantik und die Frage, wie man einen Gott besiegen kann, fesselt einen bis zum abschließenden Showdown – der dann allerdings teils enttäuschend ausfällt, denn trotz vieler neuer Superkräfte bleibt das Gefühl zurück, nicht alles aus ihnen herausgeholt zu haben.

Raven und Quicksilver © 2016 Twentieth Century Fox

Raven und Quicksilver © 2016 Twentieth Century Fox

Und Apokalypse? Der reiht sich ein in die lange Schlange machthungriger, aber platt gebliebener Marvel-Bösewichte, die Ausnahmeerscheinungen wie Loki oder Stryker trotz scheinbarer Unbezwingbarkeit nicht das Wasser reichen können. Apropos Stryker: Zeitreisen und lange Zeitspannen zwischen den Drehs bringen die Gefahr von Filmfehlern mit sich. Machte die Abspannszene von Wolverine 2 spätestens nach den ersten Minuten von Zukunft ist Vergangenheit keinen Sinn mehr, passiert dasselbe mit der Endszene des eben genannten. Denn dass Stryker hier „Waffe X“ erschafft, wäre eigentlich nur logisch gewesen, wenn Stryker selbst – und eben nicht Mystique in seiner Gestalt! – im Abspann bei Wolverine (Hugh Jackman) gewesen wäre.

Letztendlich steht der Name Bryan Singer im X-Men Universum aber weiterhin für Qualität, auch wenn aufgrund der vielen neuen Charaktere einige auf der Strecke bleiben und die Handlung und der Aufbau nicht wirklich (anders übrigens bei Marvels „Civil War“) überrascht. Mutantenfans und CGI-Bewunderer kommen dennoch insgesamt auf ihre Kosten und bekommen mit dem (vorläufigen) Abschluss der Vergangenheitstrilogie unterhaltsames Popcorn-Kino mit starken Hauptcharakteren geboten. Trotzdem wird der ein oder andere zustimmend nicken, wenn Jean Grey auf den katastrophalen X-Men 3-Film anspielt, indem sie fragt: „Ist der dritte Teil nicht immer der schlechteste?“ Außerdem bleibt natürlich die Frage, was nach einem gottesgleichen Gegner noch kommen soll. Aber man lässt sich ja gerne überraschen, nicht wahr?

Kommentar verfassen