50 Shades schnulziger

Bild: © Universal Pictures

Traumprinz mit Peitsche gesucht? Dann seid ihr bei „50 Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ leider schon fast wieder falsch. Denn ab jetzt bleibt die Peitsche im Schrank.

Nun heißt es „Blümchen-Sex“

Ex-Jungfrau Anastasia Steele nimmt nach einigem Augengeklimper und Betteln den Milliardär/Sadisten Christian Grey zurück, unter der Bedingung, dass es eben keine Regeln, Bestrafungen oder Geheimnisse mehr gibt. Versüßt durch teure Geschenke, schöne Ausflüge, Partys, Gespräche und, ach ja, jede Menge Sex, wird aus den beiden tatsächlich ein richtiges Paar. Statt vor Schlägen muss sich Ana nun vor der Missgunst von Christians labiler Ex-Sub Leila und Lehrmeisterin Elena in Acht nehmen. Außerdem hat ihr Chef Jack ein Auge auf die schöne Brünette geworfen. Und Christian muss endlich lernen, mit seiner Vergangenheit abzuschließen.

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Gefährlich? Von wegen!

Aus und vorbei ist es mit Christians Sado-Maso-Spielchen, auch wenn hier und da ein paar Fesseln und Poklatscher in den gefühlt im zwanzig Minutentakt gezeigten Sexszenen präsentiert werden. Statt dessen bekommt das Publikum geradzu ein Märchen vorgesetzt, von einem vergangenheitsgeschädigten Prinzen, der für seine Traumfrau einfach alles tut und von ihr schließlich gezähmt wird. Bei all den heißen Blicken, knappen Outfits und Jamie Dornans Adonis Körper wird das weibliche Zielpublikum sicherlich in Verzückung geraten. Untermalt mit stimmungsvollen Songs wie „What is love“, „Lies in the Dark“ und natürlich Zayn/Swifts Chart-Stürmer „I dont wanna live forever“ legt der zweite Teil noch mal eine extra Portion Schnulze drauf und wird zu einem, ja eigentlich, richtig schönen Liebesfilm.

Gehirn einschalten – lieber nicht

Wer genau zuhört und nicht so vor sich hin träumt, dem werden die doch recht dummen und wenig tiefgreifenden Dialoge natürlich auffallen. Sätze wie „Rede mit mir, ich will dich verstehen“, „Du weißt wie schwer mir das fällt, bitte zwing mich nicht“, kommen gefühlt in jedem X-ten Liebesfilm vor. Wenn Ana dann nach monaterlanger Beziehung immer noch von Christians kurzfristig anstehendem Geburtstag überrascht wird, dann wird selbst der treueste Fan über die Realitätsferne stutzen. Aber nun gut, wer sich mit dem Schreibstil der Bücher anfreunden konnte, wird vielleicht auch darüber hinwegsehen können. Das so gut wie jede „Härte“ rausfällt, dann schon eher weniger. Es ist mal wieder die Frau, die komplett nackt über die Leinwand flimmert, auch wenn immerhin wieder alles sehr ästhetisch gezeigt wird. Wie gesagt, auf harte SM-Praktiken, die die Hauptfigur doch eigentlich ausmachen, wird wie schon in Teil eins weitgehend verzichtet. Anas Berufsleben und Integration in die Grey-Familie wird irgendwie als Handlung verkauft, die erneut mit einem Cliffhanger und Ausblick endet, der genau erahnen lässt, was im letzten Teil auf uns zukommt.

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Trotzdem einfach schön

Ja, so dumm das Ganze auch sein mag. Wer auf schnulzige Liebesfilme mit viel Sex steht, wird hier garantiert nicht enttäuscht. Auch wenn ich mit meiner Meinung vielleicht alleine dastehe, finde ich, dass Dakota Johnson und Jamie Dornan eine tolle Chemie haben. Diese steht aber leider so sehr im Mittelpunkt, dass alle anderen Figuren wirklich komplett platt und damit eigentlich überflüssig bleiben. Was hängen bleibt, sind romantische Dates und Ups und Downs der beiden Hauptfiguren, die jedes Problem Ruck-Zuck aus der Welt schaffen. Spannende Filmhandlung also nein, getreue Buchumsetzung nein, gute Dialoge nein, aber eine große Portion Romantik und tolle Bilder laden zum Beriseln ein. Kleiner Tipp: Wer es härter will, sollte sich lieber vier Stunden „Nymphomanic“ reinziehen. Danach überlegt man sich vielleicht doch, ob man nicht in die Shades-Märchenwelt zurück will.

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