Starker Alternative-Rock Made in Germany

Bild: DaybyDayRecords

Holy“ ist das zweite Album der Alternative-Rock Band „Blackout Problems“, die sich 2012 in München zusammengefunden hat. Nach 2 EPs, einem Album und etwa 200 Auftritten haben sich die drei Jungs einen respektablen Ruf als Live-Band erarbeitet, deren mitreißende Gigs und Songs im Gedächtnis bleiben. Heute, am 5. Februar 2016 erscheint ihr neues Album, und eines ist bereits klar: Die Fans werden sich freuen.

Schon am Anfang wird deutlich, was auf „Holy“ den Ton angibt: melodische, kraftvolle Gitarren, ein fettes Schlagzeug und ganz große, fast schon hymnische Melodien. Gerade in den Refrains zeigen uns Blackout Problems, wie sich guter, handgemachter, moderner Alternative-Rock aus Deutschland anzuhören hat. Sänger Mario singt mal leise, mal laut und fast schreiend, aber immer aus voller Seele. Sein Gesang ist neben seiner technischen Unperfektheit immer markant und leidenschaftlich. Die Band klingt fett, kraftvoll, kreativ und lebendig. Etwas weniger Anbiederung an den Mainstream hätte dem Album allerdings gut getan, denn die eingängigsten und radiotauglichsten Songs sind mit „The Drive“ und „The National“ auch gleichzeitig die Schwächsten. Sowieso glänzen Blackout Problems dann am meisten, wenn sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen, wie in „Into The Wild“ oder im wunderbar abwechslungsreichen „Step Up“, dem stärksten Song des Albums. In „Boys Without A Home“ gibt es dann auch noch einen überzeugenden Gastauftritt von Nathan Gray, dem Sänger der Post-Hardcore Band Boysetsfire.

Neben ihrem musikalischen Können packen Blackout Problems eine große Portion Gesellschaftskritik in ihr Album: „One lives in the gutter, with dreams spilled on the floor / The other’s in a castle and owns a crown and owns a throne“. Blackout Problems haben etwas zu sagen: So prangern sie gleich auf mehreren Songs die Schere zwischen arm und reich an („One“, „Of Us“, „The Drive“), „Hold On“ richtet sich an all jene, die den Glauben an eine bessere Zukunft verloren haben, und „Black Coffee“ hält eine starke Ansage an alle christlich-konservativen Lesben- und Schwulenhasser bereit: „You homophobic shitheads should fuck off and not pray“.

Eines der größten Stärken von „Holy“ ist jedoch, dass es als Album schlichtweg funktioniert. Das liegt nicht nur an den meist gleichen Mitteln aus schrammenden Gitarren und kraftvollen, hymnischen Refrains, die zwar an manchen Stellen etwas ermüdend wirken, aber für ein stimmiges Klangbild und außerdem einen immensen Wiedererkennungswert sorgen. Es liegt auch am musikalischen Aufbau: Das Thema, mit dem das Album sowohl beginnt als auch schließt, eine einfache Melodie, zieht sich durch fast alle Lieder. Mal sehr auffällig in „Of Us“, einem der zentralen Stücke des Albums, mal ganz subtil im Gitarrensolo von „The King“. Durch diesen Kunstgriff gelingt es Blackout Problems, das Album zu einem homogenen Ganzen zu machen.

Holy“ ist ein Album voller großer Gesten, starken Melodien und ernsten Lyrics. Blackout Problems klingen kräftig, alternativ, eingängig, aber dabei immer eins: Echt. Sie klagen auf weiten Strecken die Gesellschaft an, machen aufmerksam auf soziale Ungleichheiten und entpuppen sich mit ihrem Lösungsvorschlag „We will be one“ als hoffnungslose Idealisten. Dies ist jedoch nichts schlechtes, denn der allgegenwärtige Optimismus wird auf „Holy“ so stark in Szene gesetzt, dass man den Idealismus der Band angesichts ihrer recht naiven Hoffnungen nur bewundert. Mit hymnischen Refrains, kräftigen Strophen und Instrumentals irgendwo zwischen Enter Shikari, Rise Against und den Donots signalisieren Blackout Problems, dass sie das Licht am Ende des Tunnels von Ungerechtigkeit, Homophobie und oberflächlicher Konsumgesellschaft noch sehen können. „We came, we saw, we conquered.“ („Poets Of Protest“). Hoffen wir, dass sie Recht behalten.

Von Julius Krämer

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