Rock it, Papa Francesco

Zugegeben, auch ich habe etwas irritiert in meinen Kalender geschaut, als mir dieses überaus seriöse und vertrauenswürdige Internet die Schlagzeile „Papst Franziskus veröffentlicht Rockalbum“ präsentiert hat. Wie sich aber nach kurzer Recherche herausgestellt hat, war das doch kein Aprilscherz.

Gut, vielleicht hat sich auch irgendein Witzbold den sehr kreativen Künstlernamen „Pope Francis“ gegeben, um die Leute ein bisschen zu verunsichern. Aber auch diese Vermutung lies sich relativ schnell aus dem Weg räumen. Der Herr auf dem CD Cover sieht dem katholischen Kirchenoberhaupt schon recht ähnlich. Bleiben noch zwei wichtige Fragen zu klären: 1. Warum? Weil er es kann offensichtlich. 2. Wie klingt das Ganze? Diese Frage ist schon etwas schwieriger zu beantworten. Wer glaubt, der Papst grölt sich zu harten Beats die Seele aus dem Leib, wird wohl enttäuscht werden.

Die gut fünfminütige erste Single beginnt mit rein instrumentalen Klängen und trägt den ermutigenden Titel “Wake Up! Go! Go Forward“. Darin spricht er vor allem die Jugend in Südkorea an. Unter die teils rockigen, teils ruhigen, spirituell angehauchten Beats wird die Stimme von Franziskus gesetzt. Dabei hört man, wie er vor den Gläubigen betet und predigt. Gesang gibt es ebenfalls, wenn auch nicht von ihm selbst. Die anderen zehn Songs, die auf dem Album Erwachet zu hören sein werden, bestehen sowohl aus traditionellen gregorianischen Gesängen, decken aber genauso die Bandbreite von Rock über Pop und Latin bis hin zur elektronischen Musik ab. Dabei wird allerdings nicht nur in der Weltsprache Englisch gesungen und gepredigt, sondern auch auf Portugiesisch, Spanisch und Italienisch. Entstanden ist das Ganze unter Don Giulio Neroni. Er hat bereits mit Franziskus‘ Vorgänger Papst Benedikt XVI. zusammengearbeitet, allerdings war dessen Album deutlich klassischer geprägt.

Neugierige müssen sich noch bis zum 27. November gedulden, dann soll das Album in den Plattenläden unseres Vertrauens zu finden sein.

 

Papst mit Zeitgeist

Dass Franziskus etwas moderner und offener ist als seine Vorgänger, hat er bereits des Öfteren bewiesen. Sei es durch seine aktive Teilnahme am Social-Media-Leben oder seinen Statements zu sozialen Missständen, Homosexualität oder Frauenrechten. Auch für seine Volksnähe und Bescheidenheit wird er geschätzt und bewundert. Dass er jetzt allerdings auch die (Rock)Musikszene erobern will, hätten wahrscheinlich nur die Wenigsten vermutet. Immerhin hat er es bereits bis auf die Titelseite des Rolling Stone geschafft, was mit Sicherheit nicht jeder x-beliebige Künstler von sich behaupten kann. Ob er sich mit dem Album von seinen konservativeren Vorgängern abgrenzen oder sich damit einfach der jüngeren Generation wieder nähern möchte, ist dabei letztlich egal. Gerade dieser verwunderte Moment, den ich hatte, als ich von der päpstlichen Musikkarriere gehört habe, brachte mich anschließend zu dem Gedanken: Warum eigentlich nicht? Auch wenn Kirche und Rockmusik auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten zu teilen scheinen, vielleicht schafft der Papst es ja tatsächlich, mit seinem Musikstil zu polarisieren und unsere Generation wieder auf ihn aufmerksam zu machen.

Ob er mit Erwachet auch den Einzug in die Charts schafft, bleibt abzuwarten. Ich werde mir die Songs auf jeden Fall mal anhören, schon aus reiner Neugierde. Und damit hat er wohl schon erreicht, was er beabsichtigt hat. Rock it, Papa Francesco!

 

Hier könnt ihr in die Single zum kommenden Album reinhören!

Moderatorin

Sendet jeden Montag von 16 bis 18 Uhr.

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