Neu im Kino: Saphirblau

In der Verfilmung der Edelsteintrilogie von Kerstin Gier kommt nun nach „Rubinrot“ der zweite Teil „Saphirblau“ in die Kinos. Die Fortsetzung mit Weltpremiere in Köln holt alles aus der Romantik-Tube.

Was bisher geschah

Im ersten Teil „Rubinrot“ hatte Gwendolyn (Maria Ehrich) erfahren, dass sie und nicht ihre Cousine Charlotte (Laura Berlin) das Zeitreise-Gen der Familie geerbt hat. Neben ihr gibt es noch zwölf andere Zeitreisende in verschiedenen Zeiten: Unter ihnen der mächtige Graf von St. Germain (Peter Simonischek), der aus der Vergangenheit eine geheime Loge leitet und Gwen und ihren Zeitreisebegleiter Gideon (Jannis Niewöhner) damit beauftragt, das Blut aller Zeitreisenden in einem Chronographen einzulesen. Dieses Gerät, mit dem man die ansonsten unkontrollierten Zeitsprünge lenken kann, soll dann angeblich eine geheime Macht offenbaren, wenn das Blut aller Zeitreisenden eingelesen ist. Das wollen die beiden Zeitreisenden Lucy (Josefine Preuß) und Paul (Florian Bartholomäi) verhindern, weshalb sie mit einem anderen Chronographen in die Vergangenheit geflüchtet sind, wo Gwen und Gideon ihnen immer wieder über den Weg laufen.

Liebe geht durch alle Zeiten

So geht es im zweiten Teil vor allem darum herauszufinden, was Lucy und Paul, der Graf von St. Germain, die Loge und scheinbar auch jeder sonst vor Gwendolyn versuchen geheim zu halten. Dabei hat Gwendolyn noch ganz andere Probleme, darunter Verhaltensregeln und Menuetttanzen zu lernen, und auch aus Gideon wird sie einfach nicht schlau. Mit Rat und Tat steht ihr zum Glück in der Vergangenheit ihr jüngerer Großvater Lucas Montrose (Bastian Trost) zur Seite, ebenso wie der ständig zu allem seinen Senf dazugebende Wasserspeierdämon Xemerius und der Schulgeist James, die nur Gwen sehen kann. Für Spannung und Lacher ist also gesorgt.

Emotionaler, romantischer, musikalischer

„Saphirblau“ legt zu seinem filmischen Vorgänger in allem noch eine Schippe drauf. Im Gegensatz zum ersten Teil (wo Sofi de la Torre den Großteil der Songs beisteuerte), untermalen stimmungsvoll Songs von Nick Howard, den Backstreet Boys oder Musik von Bach die Szenerie. Alles ist wilder, bunter, lauter, vor allem auf der Rokoko-Party geht es hoch her, aber auch viel intimer, weil der Fokus ganz besonders auf der Entwicklung der Liebesgeschichte von Gwendolyn und Gideon liegt. Auf die doch teilweise recht verwirrende Zeitreise-Story müssen sich Zuschauer, die das Buch nicht gelesen haben, erst mal einlassen. Das Zielpublikum besteht klar aus Teenie-Girls, Erwachsene kommen allerdings wegen der berührenden Elterngeschichte auch auf ihre Kosten.

Sex und Rocky Horror Picture Show

Wurden in „Rubinrot“ nur die zeitlichen Abläufe aufgrund dramatischer Spannung geändert und das Ende neu hinzugefügt, werden sich Buchkenner doch sehr darüber wundern, dass das größte Geheimnis um Gwens Geburt bereits in diesem Teil gelüftet wird. Auch finden Lucy und Paul den gestohlenen Chronographen aus „Smaragdgrün“ bereits hier. Somit bleibt abzuwarten, ob der dritte Teil genug Stoff für ein würdiges Finale hergibt. Um Gwen und Gideons Beziehung auf die nächste Stufe zu heben, wird eine Sexszene eingebaut, die wesentlich expliziter als im Buch ausfällt. Für die Regisseure und Drehbuchautoren Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde sei die Szene mit „Cousine Sofa“ aber vielfach interpretierbar gewesen. Um die Gäste der Rokoko-Party richtig aufzumischen, zu schockieren, letztendlich sogar zum Mitmachen zu animieren, wurde aus Gwens Song „Memories“ kurzerhand der „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show: zusammen mit den Kostümen, Gwens Gesangs- und Tanzeinlagen, eine der gelungensten Szenen im Film.

Newcomer und alteingesessene Hasen

Überzeugen kann trotz weniger Auftritte auch Kinonewcomer Lion Wasczyk in der Rolle von Gideons Bruder Raphael, der seinen Bruder eigentlich von Gwen ablenken soll, sich stattdessen aber vielmehr für ihre Freundin Leslie interessiert. Diese wird verkörpert von Schauspielneuling Jennifer Lotsie, die sich seit dem ersten Teil deutlich weiter entwickelt hat. Gruselig gut ist nach wie vor Peter Simonischek in der Rolle des gedankenlesenden Grafen von St. Germain und als weiterer Fiesling überzeugt Rolf Kanies als Gideons Onkel und neuer Vorsitzender der Loge. Katharina Thalbach verleiht Gwens hellsichtiger Großtante Maddy ein ganz eigenes Gesicht, während Veronica Ferres als Gwens Mutter absolut überzeugt. Wegen anderer Verpflichtungen hatte Kostja Ullmann leider nur einen sehr kurzen Gastauftritt als Schulgeist James, aber im dritten Teil spielt seine Figur noch eine größere Rolle und – so zu hoffen – auch Kostja. Letztendlich stehlen aber Josefine Preuß und Florian Bartholomäi als Lucy und Paul selbst den Hauptdarstellern die Show. Nur Xemerius, der im Buch eine Mischung aus Drache und Katze ist, wirkt fast zu niedlich und hebt die doch düsterere Story auf ein eher kindliches Level. Aber in gewissen Momenten braucht Gwendolyn gerade so einen süßen, niedlichen Freund und Rufus Beck leistet als dessen Sprecher ganze Arbeit.

Saphirblau wird so zu einer rundum gelungenen Fortsetzung, trotz geringem Budget und Drehzeit. Alle Darsteller überzeugen und dank des großartigen beibehaltenen Humors von Kerstin Gier läuft die Story niemals Gefahr, kitschig zu werden. Wer mit Fantasy und Liebesgeschichten jedoch nichts anfangen kann, sollte lieber einen großen Bogen um „Saphirblau“ machen. Für alle anderen sollte der Cliffhanger am Ende die Spannung auf „Smaragdgrün“ nur noch mehr anheizen.

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