bonnFM liest. Die Sendung vom 11. April 2018

Hört hier den Auftakt unserer neuen Literatursendung bei bonnFM: bonnFM liest. Die Themen dieser Sendung: Ankündigung des bonnFM-Literaturwettbewerbs und eine Buchvorstellung von Khaled Hosseini “Tausend strahlende Sonnen”. Außerdem im bonnFM-Interview: Autorin Lina Thiede über ihre Kurzgeschichtensammlung “Natalies Sinfonie” und das Hörbuchprojekt in Kooperation mit bonnFM. Die neue Literatursendung bei bonnFM startet mit vollem Programm!

Bild: Nadine Wuchenauer

„Natalies Sinfonie“ – Autorin Lina Thiede im bonnFM-Interview

Es ist so weit: bonnFM hat mit der Autorin und Bonner Studentin Lina Thiede die erste Hörbuchreihe produziert!
Freunde und Erinnerungen zurückzulassen gehört dazu, wenn man zum Studieren in eine andere Stadt zieht. Das erfährt auch die junge Musikstudentin Natalie. Von all ihren Erlebnissen könnt ihr in der Kurzgeschichtenreihe „Natalies Sinfonie“ lesen. Wie die Geschichte entstanden ist, was für eine Rolle die Stadt Bonn dabei spielt und vieles mehr erfahrt ihr im Interview.

bonnFM: Im Klappentext steht direkt zu Anfang: „Die junge Musikstudentin Natalie […]“ – Lina, du bist auch Musikstudentin! Kannst du uns sagen, wie viel von dir selber steckt in dieser Figur Natalie?

Lina: Es fing alles mit ein paar sehr persönlichen Texten an. Zwischendurch sind auch Texte drin, die genauso passiert und für besondere Menschen entstanden sind. Oder es sind irgendwelche Eindrücke aus der Bahn oder irgendwo. Da steckt schon viel von mir drin, auch weil ich dachte, ich will mal Musik mit in Texte reinkriegen. Aber es ist auch ganz viel erfunden.

bonnFM: Etwas, das dich auch mit der Figur Natalie verbindet, ist, dass du vorher in Saarbrücken Musikmanagement studiert hast. Warum bist du nach Bonn gekommen und vor allem: wie gefällt‘s dir hier?

Lina: Saarbrücken ist sehr schön und sehr süß. Ich wollte aber noch etwas ein bisschen Größeres und hab‘ gehört, dass Geschichte hier ganz gut sein soll zum Studieren. Witzig ist, dass ich jetzt aus Geschichte wieder rauswechseln will. Aber es war mit ein Hauptgrund und die Familie ist auch in der Nähe. Und es ist sehr süß hier. Ich mag Bonn, das ist ne gute Größe.

bonnFM: Einige Kapitel aus „Natalies Sinfonie“ hast du auch hier in Bonn verfasst. Wo konntest du denn besonders gut schreiben? Was hat dich hier inspiriert?

Lina: Zuallererst mal der Weg von Köln nach Bonn in der Bahn oder auf dem Rückweg. Irgendwie war ich dann immer in so einem Moment, in dem ich echt gut schreiben konnte und habe aus dem Fenster geguckt. Das geht eh gut, wenn man so einen schönen weiten Blick hat. Oder im Hofgarten zum Beispiel auf einer Bank unter Bäumen. Im Oktober war es dann noch nicht so kalt. Und in Cafés ab und zu mal.

bonnFM: Wie bist du auf die Idee gekommen „Natalies Sinfonie“ zu schreiben?

Lina: Es war ursprünglich die Idee, erotisch musikalische Kurzgeschichten zu schreiben, weil es in der Musik ganz viele dreckige Begriffe gibt, bin ich der Meinung. Es fängt an mit „Po-Saune“ und geht weiter mit „blasen“. Ich weiß auch nicht, aber irgendwann dachte ich da mal so drüber nach. Es ist dann, fand ich, gar nicht mehr so musikalisch erotisch geblieben. Es kamen so viele Emotionen dazu und so viele Facetten, die ich an Natalie gefunden habe, dass ich dachte „nee, das reicht jetzt nicht mehr“! Die musikalischen Titel sind geblieben, aber sonst nicht mehr so viel.

bonnFM: Ihr könnt euch also auf einiges gefasst machen. Worum geht‘s denn genau in „Natalies Sinfonie“?

Lina: Das ist immer schwer zusammenzufassen. Ich sage einfach immer ganz knapp: „Um eine junge Musikstudentin, die von der einen Stadt in die andere zieht.“ Und dabei tun sich immer ein paar Sachen auf, die einen beschäftigen. Männer zurücklassen, Menschen zurücklassen. Schmerzen, Erinnerungen, neue Emotionen überwältigen einen. Alles, was man in einer neuen Stadt sehen und hören kann.

bonnFM: Der Text ist in einzelne Episoden aufgeteilt. Wie genau ist das aufgebaut, wie bauen die Episoden aufeinander auf?

Lina: Eigentlich kann man sagen, es sind lose zusammenhängende Kurzgeschichten. Aber Jule [Kurka, leitet das Hörbuchprojekt bei bonnFM; Amn.d.Red.] und ich haben uns für die Hörbuchreihe eine schöne Reihenfolge erdacht. Die habe ich auch so für das Buch beibehalten, weil es sehr praktisch war. Es gibt das im Hier und Jetzt spielende und das in der Vergangenheit, in der alten Stadt spielende. Und so lernt man die ganzen Seiten von Natalie kennen. Aus ihrer Sicht und aus der Sicht von anderen Menschen.

bonnFM: Wer ist diese Person Natalie eigentlich? Wie kann man sie sich vorstellen?

Lina: Ein sehr hin- und hergerissenes junges Mädchen, das nicht genau weiß, wie es mit dem Erwachsenwerden, Sexualität, Universität, Männern, allem zurecht kommen soll, weil es manchmal echt zu viel ist für Menschen in unserem Alter.

bonnFM: Also etwas, womit sich viele identifizieren können. Wo genau spielt die Reihe denn? Gibt es einen Ort, in den du dich in den Kapiteln beziehst?

Lina: Ich komme immer wieder auf Saarbrücken oder Orte in Bonn zurück. Es gibt aber auch etwas in Mainz. Und einmal spielt auch sicher etwas in Gießen, da wo ich herkomme. Es gibt ganz viele Orte, die man verstehen kann, wenn man auch dabei war. Denn manches ist ja auch wahr, aber vieles auch nicht. Manchmal sind es auch ausgedachte Orte und die existieren gar nicht so.

bonnFM: „Nocturne, Arpeggio, Dvořák Requiem“ – das sind alles Kapitelnamen aus „Natalies Sinfonie“. Es gibt wirklich einen deutlichen Bezug zur Musik. Welche Bedeutung hat die Musik in dem Buch genau?

Lina: Am Anfang gab es auch die Idee, dass man Musik im Aufbau nutzt. Es gibt auch einen Text, der heißt „Triosonate“. Der ist in drei Sätzen aufgebaut und es wird aus drei verschiedenen Sichten erzählt. Ansonsten war eigentlich nur der Vergleich zwischen Musik und Literatur gewollt. Dass manche Begriffe, die man in der Musik verwendet auch in der Literatur anwenden kann. „Arpeggio“ ist ja ein aufgebrochener Akkord, nacheinander werden die Töne gespielt. In dem Text staffeln sich deshalb auch kurze Abschnitte hintereinander, die irgendwie zusammengehören, aber doch auch ein bisschen unabhängig sind. Das war die Idee. Ab und zu wird auf Musik verwiesen, die ich gut finde und es werden musikalische Vergleiche gezogen. Aber es ist gar nicht mehr so viel Musik da drin, habe ich das Gefühl. Die Titel vor allem!

bonnFM: Machst du selber auch Musik?

Lina: Ich spiele Klavier und Schlagzeug und ab und zu komponiere ich auch ein paar Dinge. Aber gerade hat das Schreiben den Vorrang vor allem anderen.

bonnFM: Das Intro von „Natalies Sinfonie“ hast du auch selber gespielt. Wusstest du schon vorher, wie du das alles vertonen möchtest, als du bonnFM angefragt hast oder ist das erst so mit der Zeit gekommen?

Lina: Die Idee zum Intro ist mir während der Aufnahmen bei mir Zuhause auf dem Klavier gekommen. Dann habe ich dieses Intro mal angespielt und fand die Akkordfolge schön und das, was danach kam und dachte mir „Hey, vielleicht passt das“. Dann habe ich das vorgeschlagen, es hat gefallen und dann haben wir das genommen.

Die Episoden aus „Natalies Sinfonie“ werden ab sofort wöchentlich von bonnFM ausgestrahlt und als Podcast www.bonn.fm veröffentlicht. Vom 13.04. bis zum 15.05. veranstaltet bonnFM mit Lina Thiede auch eine Lesungsreihe zu „Natalies Sinfonie“. Mehr Infos dazu findet ihr hier.

 

Danke fürs Zuhören, am 9. Mai, 18-20 Uhr geht es weiter mit bonnFM liest.

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