DAS müsst ihr sehen! bonnFM auf der Berlinale

Wie es sich für einen guten Kinosendungsreporter gehört, musste ich mir die Berlinale natürlich angucken! Hier also meine ganz persönlichen Eindrücke: Wie war die Stimmung? Welche Filme waren geil und welche nicht? Und was passiert, wenn der US-Botschafter auf einer Weltpremiere auftaucht…?

Die Stimmung

Bei der 66. Berlinale (11.-21. Februar 2016) war die Stimmung ausgelassen. Man hatte zwar ein bisschen das Gefühl, die Polizei wäre präsenter als die Jahre zuvor, aber das war wohl auch dem Staatsbesuch von Netanjahu geschuldet. Sonst war alles typisch Berlinale: viele tolle und viele schräge Filme, lauter putzige, bühnenscheue Regisseure und ganz viele rote Teppiche.

Man fühlte sich schon ein bisschen wie ein Star, wenn man von einer Weltpremiere in die nächste schlendert, ständig über samtartiges Rot wandert und überall Kameras aufgestellt sind. Gut, die waren wahrscheinlich ausgeschaltet, als ich an denen vorbei gelaufen bin. Aber trotzdem, das Gefühl war da!

In meinen drei Tagen vor Ort habe ich einiges für euch gesehen! Hier meine drei ganz persönlichen Highlights.

Das war geil:

Alone in Berlin (Jeder stirbt für sich allein):

Berlin zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Das Ehepaar Otto und Anna Quangel verlieren ihren einzigen Sohn an der Front und stellen sich daraufhin gegen das NS-Regime. Es ist ein großartiges und dramatisches Katz-und-Maus-Spiel. Grandios gespielt jedoch im Original auf Englisch eingesprochen (mit starkem deutschem Akzent). Das hat Anfangs ein wenig irritiert.

Chi-Raq:

Chicago – die Bandenkriminalität ist schlimmer denn je. Kinder sterben bei Schießereien, die Gangs bekriegen sich und die Politik unternimmt nichts dagegen. Nur die Frauen der Stadt schließen sich zusammen und üben einen „Sex-Streik“ aus. Der Druck auf die Männer steigt. *punintended*

Dieser Film wird eure Meinungen spalten wie kein Zweiter! Er ist stark an die griechische Mythologie angelegt, die Dialoge sind streckenweise in Reimform geschrieben, er wird von einem Erzähler kommentiert, er spielt sehr mit dem Thema Sex und er hat wirklich coole Rap-Einlagen. Alles in Allem: Ziemlich schräg und sehr kurzweilig!

Das war nicht gut:

The Serious Game (schwed.Den allvarsamma leken):

Stockholm in den 1910er Jahren. Ein junger Journalist ohne viel Geld trifft die Tochter eines erfolglosen Malers. Sie verlieben sich, gehen aber aus finanziellen Gründen getrennte Wege. Beide heiraten einen wohlhabenden Partner und treffen sich erst Jahre später wieder. Sie haben eine Affäre und alles gerät aus dem Ruder…

Diese Story mag historisch eingeordnet vielleicht spannend sein, ist aber von vorne bis hinten langweilig und vorhersehbar. Die Regisseurin hat sich für ein 4:3 Filmformat entschieden (Es sah also die ganze Zeit aus wie eine schlechte Raubkopie). Die Filmmusik hingegen war grandios! Alles in Allem: Dieser Film eignet sich höchstens für den Deutschunterricht.

Die Weltpremiere von Zero Days:

Ein Höhepunkt der Berlinale war auf jeden Fall die Weltpremiere von Zero Days! Es ist ein Dokumentarfilm über den Computervirus „Stuxnet“, den die USA programmiert haben soll, um das Atomprogramm Irans lahmzulegen. Es werden die Auswirkungen für die Ära des Cyberkriegs beleuchtet und vor allem wird erklärt, warum niemand offiziell über solche Themen reden will. Ein spannendes Thema, eine tolle Doku und die USA wird nicht grade in ihrem besten Licht gezeigt!

Das sah man auch an den Reaktionen:

Mittwoch, der 17. Februar 2016 – Der Berlinale Palast ist brechend voll. Die Moderatorin kommt mit hohen Schuhen auf die Bühne gestöckelt und alle warten gespannt auf das Öffnen des roten Vorhangs. Wie üblich sind bei so einer Weltpremiere auch mitwirkende oder wichtige Personen im Publikum. Die Moderatorin erwähnt den Regisseur, er steht auf und alle klatschen. Dann informiert die Dame uns, der US-Botschafter sei auch im Publikum. Ebenfalls ertönt Applaus, jedoch hört man – durchaus gut vernehmbar – auch einzelne Buh-rufe. Nun ja… Vielleicht war das bei so einem Thema zu erwarten. Ich jedenfalls fand es bemerkenswert.

Frederik Steen
Radio: Seit 2011. Seit Juli 2016 Chefredakteur bei bonnFM.

Studium: Medienwissenschaft und Musikwissenschaft.

Sonst: Musiker und Journalist.

Kommentar verfassen