Mit dem Rucksack durch Südostasien?

Das Internet ist vollgepackt mit Artikeln wie “20 Dinge, die man im Studium machen sollte”: Anweisungen, wie ich das Studium – die schönste Zeit des Lebens – noch ein bisschen schöner mache. Und immer dabei: das Reisen. Am besten direkt die ganze Welt mit dem Rucksack auf dem Rücken erkunden. “Erschaffe unvergessliche Erinnerungen”! – ein Kommentar.

Ich studiere seit über zwei Jahren in Bonn, habe einen Fachwechsel hinter mir und genieße das Studium in vollen Zügen. Ich mache und lerne das, wofür ich mich wirklich interessiere; und direkt nebenan liegt das Sonnen im Hofgarten, Partys, jede Menge neue Bekanntschaften und Freundschaften und Ausflüge mit dem NRW-Ticket. Nur Eines hab ich noch nicht gemacht in dieser Zeit: eine große Reise. Mal eine Woche in Italien oder Großbritannien, aber der letzte Abenteuerurlaub liegt schon etwas zurück. Irgendwie stand in den Semesterferien doch immer zu viel an, Hausarbeiten, Nachprüfungen und so weiter. Jetzt sitze ich wieder am Schreibtisch, sollte eigentlich einen Essay schreiben: und meine Gedanken schweifen ab, hin zu Stränden, Sonne, Dschungel und Klippenspringen. So läuft das öfter in den letzten Monaten: Anstatt Literatur zu Schopenhauer und Rousseau zu suchen, durchstöber ich das Netz also nach Reiserouten. Von Kapstadt nach Kairo, quer durch Südostasien oder doch lieber Australien? Das Fernweh hat mich gepackt.

Irgendwann wurden mir diese Gedankenspinnereien zu doof. Warum weiter googeln, wenn ich diese ganzen Bilder live und in Farbe erleben könnte? Ich will weg, raus, die nächsten Semesterferien mal anders nutzen, dem Alltag entfliehen. Mich also den ganzen Lebensweisheiten und Kalendersprüchen ergeben und reisen. Mein Ziel hatte ich sowieso die ganze Zeit schon im Hinterkopf: Indien, Kambodscha und Thailand. Eine bunte Mischung aus Kultur, Selbstfindung, Abenteuer, Walhaien, Strand, Kitsch – ganz à la “Eat, Pray, Love”.

Die Sache mit dem Geld…

Das einzige klitzekleine Problem dabei: als Studentin schwimme ich nicht gerade im Geld und einen Lottogewinn habe ich auch noch nicht vorzuweisen. Außerdem war ich bisher noch nie backpacken, also wäre es doch beruhigend mit jemandem zusammen zu reisen. Deswegen habe ich mich mal umgehört, ob jemand im Low-Budget Bereich mit mir vier Wochen lang losziehen würde. Zusammen mit einer Freundin ging es dann also ans Planen: Wie viel Zeit wollen wir wo verbringen? Wie fliegen wir? Wie soll die Route sein?- nur um dann festzustellen, dass wir unsere Backpacking Route gar nicht wirklich planen wollen. “Segle, wohin der Wind Dich treibt, und geh vor Anker, wo es Dir gefällt” – noch so ein Kalenderspruch, doch eigentlich ganz passend.

…die Sache mit der passenden Reisebegleitung…

Leider haben sich diese gemeinsamen Pläne aufgelöst, ich stand wieder alleine da und habe die nächsten Wochen alle meine Freunde mit Schwärmereien von Südostasien amüsiert (oder genervt). Aber weil die vorlesungsfreie Zeit nicht mehr allzu lange hin war, habe ich niemanden mehr gefunden, der spontan mitreisen wollte.

In sechs Wochen wollte ich fliegen. Woher also schnell eine Reisebegleitung nehmen? Da das Internet bekanntlich Antworten auf alle Fragen hat, bin ich auf dem Portal reisepartner-gesucht.de gelandet. Da kann man einfach sein Reiseziel angeben und sich durch Profile von Reiselustigen klicken. Ich habe ein paar Leute angeschrieben und tatsächlich einen Studenten gefunden, der zur gleichen Zeit die gleichen Reiseziele hatte. Und mit jemand Fremden durch die Gegend zu wandern kann ja nicht gefährlicher sein, als die Tour alleine durchzuziehen, oder?

… und die Sache mit der fehlgeschlagenen Planung.

Dann sollte es nach monatelangem Planen also losgehen. Ich war aufgeregt wie ein kleines Kind an Weihnachten, das sein super Legoraumschiff auspackt. Im Eifer der wochenlangen Suche nach einer Reisebegleitung ist mir nur Eines entfallen: Impfungen. Ja richtig, da war ja was. Fünf Wochen vor geplantem Abflug habe ich mich zum Arzt aufgemacht und dachte, naiv wie ich bin, dass ich alle Impfungen noch rechtzeitig durchbekommen würde. Tollwut und dergleichen stehen nämlich nicht auf meiner Urlaubs To-Do-Liste. Aber: Leider nein, leider gar nicht. Ich war einfach zu spät dran. Das heißt, schweren Herzens musste ich mich von meinen großen Plänen für diese Semesterferien verabschieden. Das große Legoraumschiff ist abgestürzt – zumindest für’s erste.

Aber das Fernweh bleibt. All die semi-philosophischen Artikel und Kommentare zum Reisen während des Studiums haben mich geködert und im nächsten Jahr werde ich meine Reise durch Südostasien definitiv in Angriff nehmen. Und mittlerweile weiß ich auch: Ich möchte alleine losziehen und dabei wohl an die ein oder andere persönliche Grenze stoßen.

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