Rota Vicentina – Lauft, bevor es überlaufen ist!

Wandern mit Blick auf die Weite des Atlantiks, einsame Fischerdörfer und atemberaubende Klippenformationen – all das bietet die Westküste Portugals. BonnFM-Reporter Patrick Wira weiß aus Erfahrung, warum man den Wanderweg südlich von Lissabon unbedingt bewandern sollte.

Prolog: Als wir uns überlegten, wohin es uns in den Osterferien verschlagen sollte, war nur das zur Verfügung stehende Kapital (300 Euro) und der Drang nach Abenteuer eine Konstante.
Wir wollten wandern und suchten Sonne und interessante Natur. Die klassischen Pilgerwege um den Jakobsweg schienen uns überlaufen, unser Siebengebirge noch zu kalt. Portugal mit seinen milden Frühlingstemperaturen bot sich an. Der Bruder eines guten Freundes empfahl uns die „Rota Vicentina“, einen Wanderweg an der Westküste der iberischen Halbinsel.

Der Flug nach Faro – früh gebucht für 68 Euro hin UND zurück – dauert zweieinhalb Stunden und das Taxi zum Hostel kostet nochmal so viel wie ein Döner. Einen Tag später stehen wir an der Südwestküste und bestaunen die Steilklippen und den Sonnenuntergang in Vila Nova del Milfontes. Der Hostelbesitzer erzählt von seinen Reisen in 77 verschiedene Länder.

Neue Herbergen, alte Fischerpfade

Bild: Patrick Wira / bonnFM

Bild: Patrick Wira / bonnFM

Hostels gibt es entlang des Weges, das älteste (Hakuna Matata in Zambujeira do Mar) ist gerade einmal vier Jahre alt, somit sind alle Hostels noch sauber und gut ausgestattet. Auch hier bilden die Deutschen die Mehrheit der ausländischen Touristen, aber die Begegnungen lassen sich noch an den sonnengebräunten Fingern abzählen. Auch auf einen älteren New Yorker treffen wir, sind ja schließlich nur 5 Stunden über den großen Teich.

Wir wandern den „Fishermans Trail“ direkt an der Küste entlang. Anfang April stabile 20 Grad Celsius zu haben, steigert die Laune um mindestens 340 %. Portugal sieht anders aus, noch nicht so verdorrt wie auf den Fotos, die im Sommer gemacht werden. Alles blüht und das viele Grün fügt sich gut in die Klippenlandschaft ein. Grün und Blau trägt bekanntlich zwar die Sau, aber das rückt bei der Naturansicht in den Hintergrund.

Englisch hilft nicht immer weiter

Bild: Patrick Wira / bonnFM

Bild: Patrick Wira / bonnFM

Wir entscheiden uns knapp 30 km zu wandern, um in dem kleinen Fischernest Cavaleiro zu landen. Auf Nachfrage im Supermarkt kommt die niederschmetternde Nachricht: Es gibt hier gar kein Hostel. Wir kriegen die Hausnummer einer alten Frau, die ein paar Zimmer vermieten soll. Das kleine katholische Mütterchen kann natürlich nur Portugiesisch, aber irgendwie kann man auf 50 Euro für zwei Zimmer einigen.

Am nächsten Tag sehen wir Storchennester auf den Steilklippen. Weiterwandern mit Blick auf den Atlantik, die Gefühle von Vasco da Gama nachempfindend. Mittags gibt es ein Stimmungstief, die Sonne knallt auf unsere Köpfe. Ich habe den großen Fehler begangen, keine Sonnenbrille dabei zu haben. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie die Landschaften Portugals im Sommer so verdorrt aussehen können. Wir warten, bis die Sonne untergeht und wir uns an die Bank direkt auf den Klippen setzen können.

Entlang einzelner Klippenanwesen wohlhabender Portugiesen geht es bei starkem Wind weiter. Einsame, nur vom Wasser aus erreichbare Strände, an denen wir sehr selten Angler beobachten, kleine Wasserfälle oder große Flussmündungen, in denen das Meer bei Flut das Süßwasser zurücktreibt. Der Wanderweg führt uns wenige Kilometer ins Land in eine kleine Stadt mit meist weißen Häusern, die in den Berg gebaut sind. Oben im Dorf dreht sich eine alte Windmühle und das grüne Panorama erinnert an vieles in Europa, aber nicht an Portugal.

Ein anderer Tag treibt uns wieder raus an die Klippen, durch zum Teil auch heruntergekommene kleine Dörfer, in denen immer Schilder stehen, auf denen die Geldsumme vermerkt ist, die die EU hier investieren wird. Müll liegt auf der Straße herum. Auch das ist Portugal. Das Land mit 50% Jugendarbeitslosigkeit, am Rande der Pleite, ein Land mit vielen halbfertigen Gebäuden – auch weil es uns Nordeuropäern so gut geht. Diese Gedanken schießen uns durch den Kopf, während wir wandern.

Eine einfache Empfehlung

Die Südwestküste wird touristisch jetzt erst erschlossen, beeilt euch also! Versteht mich nicht falsch, ich finde Holzstege und Aussichtsplattformen für ältere Wanderer schön und richtig, aber direkt an den Klippen entlangzuwandern hat uns den Kick gegeben, der diese Kurzreise in Erinnerung halten wird.

Bald sind doch Semesterferien: Wenn nicht jetzt, wandern? 😉

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