Postmodern Jukebox – eine musikalische Zeitmaschine

Nach ziemlich genau einem Jahr kehrt Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox (kurz PMJ) nach Köln zurück. Am vergangenem Freitag trat das Jazz-Ensemble im E-Werk auf. Dieses Mal zwar ohne den Grand Maestro Bradlee aber dafür mit neuem Repertoire im Gepäck. bonnFM war für euch dabei.

Mehr als YouTube-Stars

Vielen ist die Jazz-Konstellation wahrscheinlich aus dem Netz bekannt. Auch PMJ hat seine Anfänge bei YouTube. Im Gegensatz zu anderen YouTube-Sternchen hat die Band sich jedoch schon in den Anfängen große qualitative Ziele gesetzt.
Jumpcuts und wackelige Kameras finden hier keinen Platz. Und im Gegensatz zu den Lochis, die ebenfalls den Sprung von der virtuellen Plattform auf die Bühnen Deutschlands geschafft haben, hat PMJ eine Besetzung mit hohem musikalischen Anspruch.

Auf „alt“ poliert

Liebhaber der „roaring twenties“ sind hier genau an der richtigen Stelle: Die lebende Musikbox nimmt mehr oder weniger aktuelle Pop-Songs und verwandelt sie gekonnt in Retronummern. Doch es reicht nicht nur auditiv „Vintage“ zu sein, auch das Visuelle darf nicht fehlen.
So trugen die Sängerinnen das obligatorische Glitzer-Fransen-Kleidchen oder einfach mal Corsage und Strapse, ganz im Sinne des Burlesque. Auch im Publikum spiegelte sich der Nostalgie-Look wider: Hier und da konnte man an den Köpfen Federbänder erhaschen, meist trugen die Fans jedoch einen an die 60er Jahre angelehnten Petticoat oder modische Hosenträger zu weißem Hemd.

Ein der Neuzeit entliehenes Mittel brachte Abwechslung in die Retro-Parade. Neben dem Stepptänzer, der sein perkussives Talent mit seinen Füßen bewies, überraschte einer der Sänger mit dröhnendem Beatboxing.

Mehr Gefühl bitte

Ob Taylor Swift, Bruno Mars oder Lady Gaga, kein Radiohit scheint vor dem Ensemble sicher zu sein. Während einige Songs so verfremdet sind, dass man sie kaum wiedererkennt (was ein bisschen Würze in das Was-bin-ich-für-ein-Song-Spiel bringt), erkennt man andere wiederum nach den ersten paar Takten. So fand sich im Repertoire auch das gefühlt hundertfach gecoverte 90er-Lied What Is Love (mit dem mehrfach am Abend angewandten Umpa-Umpa-Rhythmus) im wieder.
Stimmung, Unterhaltung und Show, all dies passt sicherlich zum Konzept der Postmodern Jukebox. Dabei sind die emotionalen Nummern an diesem Abend etwas zu kurz gekommen. So hätte man sich zwischendurch mehr von den langsamen, einlullenden, introvertierten Jazznummern gewünscht.

 

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