Ganz viel, was bleibt! Yvonne Catterfeld verzaubert Köln

Bild: Kerstin Peters / bonnFM

Vergangenen Freitag kam Yvonne Catterfeld ins nahezu ausverkaufte E-Werk und begeisterte knapp 1800 Fans mit Liedern aus ihrem am 10. März erschienen Album Guten Morgen Freiheit. Es wurde unter ihrem eigenen Label Veritable Records veröffentlicht und ist unmittelbar nach Erscheinen auf Platz vier in die deutschen Albumcharts eingestiegen.
bonnFM schwelgt immer noch in Erinnerungen an einen wunderbaren Abend – eintauchen erwünscht!

„Köln, geht’s euch gut? Habt ihr Lust zu feiern?“ Mit diesen Worten begrüßte Yvonne Catterfeld-Support Bengio das Publikum im Kölner E-Werk, welches zu 80% aus weiblichen Fans zwischen schätzungsweise 10 und 65 Jahren bestand. Das tat der Feierlaune keinen Abbruch, sondern trug im Gegenteil eher zu einem noch höheren Lautstärkepegel in der Halle bei. Bei genauerem Hinsehen erspähte man zwar hier und dort den ein oder anderen Testosteronträger, der die Männerquote – wenn auch nur unwesentlich – anhob, ob diese allerdings freiwillig den Weg nach Köln-Mühlheim gefunden haben, lassen wir mal unbeantwortet.

Bengio – Der Nachname ist Programm

Bengio, geboren als Ben-Giacomo Wortmann, aufgewachsen im hessischen Fulda, inzwischen lebend in der Hansestadt Hamburg meisterte locker lässig seinen Auftritt und testete immer mal wieder das Stimmungsbarometer und die Interaktionsfähigkeit beim Kölner Publikum aus. Er nahm zwischen den Songs das Gespräch wieder auf und hielt die Catterfeld-Fans bei Laune, für die Bengio kein Unbekannter mehr ist. Für die erste Singleauskopplung Irgendwas, die bereits Anfang Dezember letzten Jahres erschien, standen die beiden nämlich sowohl zusammen hinterm Mikrophon als auch für den Videodreh in den Karpaten vor der Kamera. Außerdem ist Bengio für den Songtext wesentlich mitverantwortlich. Bei seinem eigenen Auftritt bekam Bengio tatkräftige Unterstützung von Mr. Saint One, einem Hamburger DJ, der nicht nur durch seine Skills hinter den Turntables, sondern auch durch seine verrückten Moves die Aufmerksamkeit auf sich zog. Um nun aber wieder zurück zu Bengio zu kommen: Schon während seiner Schulzeit lebt er sich musikalisch aus, ist vor allem geprägt von deutschem Hip Hop wie Samy Deluxe, den Beginnern, tritt in Jugendzentren auf und veröffentlichte 2013 auf eigene Faust seine erste Platte. Wie das Schicksal aber manchmal so spielt ist er heute beim Plattenlabel MusikWerkStadt von Samy Deluxe unter Vertrag. Man kann sich mit seinen Texten identifizieren, ohne zu denken, das ganze schon mal gehört zu haben, denn Bengio überzeugt mit Authentizität. Er wehrt sich gegen den Alltagstrott und den Stillstand mit viel Fantasie und Fernwehgedanken. Er begeisterte in Köln mit Liedern aus seinem Mini-Album Unterwegs, aber auch mit neuen Songs, wie zum Beispiel Alles auf Rot, die auf eine erweiterte Fortsetzung in 2017 hoffen lassen.

Bühnencomeback: mehr als geglückt

Bild: Kerstin Peters / bonnFM

Bild: Kerstin Peters / bonnFM

Nach der starken Vorlage von Bengio bekamen die Fans von Yvonne Catterfeld das, worauf sie so lange gewartet haben – um genau zu sein ganze elf Jahre. So lange ist es her, seitdem die sympathische Erfurterin zuletzt auf Tour gewesen ist und Hallen gefüllt hat. Mit Freisprengen eröffnete sie das Konzert und nahm die Bühne gleich voll ein, als wäre sie nie weggewesen. „Will einfach mal ich selbst sein, damit ich wieder strahlen kann.“ – heißt es in eben diesem Song und das könnte man irgendwie auch zum Motto dieses Abends machen. Ich selbst sein heißt frei sein! Ihre kleine „Auszeit“ hat ihr gut getan und sie wirkt authentischer, nahbarer und ausgeglichener als je zu vor. Mit ihrem siebten Album Guten Morgen Freiheit, welches genau eine Woche vor Konzertbeginn erschien, schenkt sie uns ein Album, welches genau – FREI – nach ihren Vorstellungen entstanden ist und uns eine gereifte und angekommene Yvonne Catterfeld präsentiert. Nach Abschluss des ersten Songs kann sie ihre Glücksgefühle und Freude über diese geballte Fanpower im Kölner E-Werk nur schwer verbergen. Sie zeigt sich sichtlich überwältigt und ergriffen. Zusammen mit ihrer sechsköpfigen Band schafft sie eine intime Wohnzimmeratmosphäre in größerer Runde, vertraut nennt sie ihr Publikum auch immer wieder „Meine Freunde aus Köln“. Und unter Freunden rückt man dann auch gerne noch mal näher zusammen. Wie bei Lieber so, einem Song, welcher 2013 auf dem gleichnamigen Album erschien. Die Fans brillierten mit absoluter Textsicherheit und machten ihr Idol nicht das erste Mal an diesem Abend fast sprachlos.

Vom Hinfallen, wieder aufstehen und durchstarten!

Bild: Kerstin Peters / bonnFM

Bild: Kerstin Peters / bonnFM

Noch ein bisschen persönlicher wurde es, als die 37-jährige auch auf der Bühne in die Rolle der Mama – sie ist Mutter eines fast 3-jährigen Sohnes – schlüpfte und in Pass gut auf dich auf über die konträren Gefühle singt, die aufkommen, wenn man plötzlich selbst einmal Kinder hat. Es geht um die Balance zwischen Freiheiten geben und Raum für eigene Erfahrungen lassen, aber gleichzeitig die Kleinen nicht schutzlos und ohne Rückhalt der Welt ausliefern. Ein weiteres Highlight gelang ihr mit dem Song Hey, welcher ursprünglich Andreas Bourani zugeordnet wird und den Yvonne Catterfeld erstmalig 2015 in der 2. Staffel der erfolgreichen Vox-Fernsehsendung Sing meinen Song – Das Tauschkonzert performte. Ihre gefühl- aber gleichzeitig auch kraftvolle Stimme gepaart mit dem Inhalt des Textes, der einem „Mutmach-Song“ für schwierige Zeiten gleicht, sorgt für Gänsehaut. Dass auch ihr nicht immer alles so leichtfällt, wie es vielleicht – trotz ihrer enormen Professionalität – den Anschein macht, offenbart sie mit dem Geständnis, dass sie vor Auftritten ein wahnsinniges Lampenfieber plagt und auch sie ihre Bühnenangst immer wieder neu überwinden muss. Zum Glück bekommt sie jedes Mal tolle Unterstützung von ihrer Band, die hinter ihr steht und manchmal – so wie beim nächsten Song Irgendwas – ist dann Bengio da und die beiden bringen das Publikum mit doppelter Energie zum Kochen. Für die Zugabe am Schluss wird es dann noch mal ein bisschen ruhiger und sie kommt mit Akustik-Versionen zurück auf die Bühne: Mit dabei, so wie sie sagt, ihr persönlichster Song Was bleibt, der ihrem Sohn gewidmet ist.

Tosender Applaus und eine sichtlich gerührte Yvonne Catterfeld darüber, dass auch ihr drittes Konzert der Guten Morgen Freiheit Tour auf so viel positives Feedback gestoßen ist, sind der krönende Abschluss dieses Abends. Das macht den Abschied nicht gerade leichter und das Publikum entlässt sie nur schweren Herzens. Und was bleibt? Auf jeden Fall zahlreiche wunderbare und zauberhafte Eindrücke an einen unvergesslichen Abend, der einem noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

 

Kommentar verfassen