„Männertag“: bonnFM im Interview mit Regisseur Holger Haase und den Darstellern Oliver Wnuk und Chris Tall

Bild: Désirée Wilde/bonnFM

Am 6. September 2016 feierte der Film „Männertag“ in Köln Premiere. Davor nahmen sich einige der Künstler Zeit für ein Interview. Hier die besten Antworten zum Nachhören und das ganze Interview zum Nachlesen.

bonnFM: Holger, wie kam es zur Idee des Films, der von der Grundkonstellation ja nicht sehr neu ist?

Holger Haase: Die Grundkonstellation, sechs Leute auf dem Bierbike, habe ich so noch nicht gesehen. Ebenso wenig wie die Geschichte einer Männerfreundschaft am Vatertag. Ensemble-Filme und Filme über Freundschaft gibt es natürlich viele, ebenso wie Liebesfilme halt aber auch. Woher Ilja Haller und Philipp Voges die Idee hatten, kann ich gar nicht sagen. Mir hat ihr Drehbuch sehr gut gefallen und ich hatte Lust, die Herausforderung anzunehmen.

bonnFM: Konntet ihr persönliche Erfahrungen in den Dreh mit einbringen oder habt ihr so etwas wie einen Männertag/Vatertag gar nicht?

Holger Haase: Ich komme ja aus dem Rheinland, wo der Vatertag in der Form nicht so gefeiert wird. Ich denke aber, es ist ähnlich wie Karneval. Mein Erfahrungsschatz beruht eher auf Bergwanderungen mit Rucksäcken voller Bier.

Oliver Wnuk: Männer/Vatertag hat für mich persönlich noch nie eine Bewandtnis gehabt. Ich hoffe, meine Kinder denken auch so an mich. Warum man sich betrinken muss, weil man ein Mann ist, habe ich bis heute nicht verstanden. Mit dieser „Form der Kultur“ hatte ich bisher nur in diesem Film zu tun.

Chris Tall: Ich habe solche Bierbiketouren auch noch nicht gemacht. Am Vatertag besuche ich meinen Vater schon mal mit einem kleinen Geschenk, aber man kann ihm auch das ganze Jahr sagen, dass man ihn lieb hat und sich treffen. Persönliche Erfahrungen konnte ich also gar nicht in den Film mit einbringen. Es war für mich generell schwierig, weil ich im Gegensatz zu Paul sehr extrovertiert, laut und lustig bin. Er eher naiv, introvertiert und auf andere Weise lustig. Zudem sehe ich vielleicht aus wie 16 Jahre, bin es aber nicht (lacht).

bonnFM: Oliver, hast du denn etwas mit deiner Figur Peter gemein?

Oliver Wnuk: Ich bin im Körper eines Mannes ganz zufrieden und wenn ich Probleme habe, kann ich das meinen Freunden auch erzählen. Ich lebe glücklicherweise nicht im Konflikt wie Peter, der jahrelang ein Geheimnis mit sich herum trägt.

bonnFM: Warum wurden Themen wie Transsexualität, Drogen und LARP(LiveActionRolePlay) ausgewählt?

Holger Haase: Um das höchstmögliche Konfliktpotenzial zu haben, wenn Figuren, die sich jahrelang nicht gesehen haben aufeinander treffen und diese glauben, sich dem anderen nicht anvertrauen zu können. Weil ihre Vorlieben und Lebensausrichtung vielleicht als Schwäche von den anderen angesehen wird, weil diese zu konservativ oder ignorant sind. Das LARP-Element sollte einerseits lustig sein und andererseits haben Mauz (Erzfeind der Hauptpersonen) und seine Gang als Germanen ein sehr großes Bierfass bei sich, das man gut anzapfen kann.

bonnFM: Stichwort lustig. Das man vom Kröten ablecken high wird, ist das ein Fakt?

Holger Haase: Es gibt eine Kröte, die einen Schleim aussondert, der Halluzinationen hervorruft oder Herzstillstand. Also bitte nicht nachmachen.

bonnFM: Und die Kröte war echt?

Holger Haase: Wir hatten einmal eine 3D Kröte, Silikonkröten und echte Kröten.

bonnFM: Was waren die größten Herausforderungen?

Holger Haase: Jeder Tag war eine Herausforderung, weil es sehr schwierig ist, einen Film mit sechs Menschen auf dem Bierbike zu machen, das auch noch durch die Gegend fährt. Du musst das erst proben, dann kommt Feedback, dann kriegt jeder Schauspieler eine eigene Einstellung. Dann wird umgebaut und der Schauspieler ist erst wieder raus. Das zerrt an den Nerven, aber zum Glück haben sich alle gut verstanden.

Chris Tall: Du denkst als Mann „Cool, wir fahren jetzt mit dem Bierbike hier runter.“ Dann kommst du unten an und stellst fest, Mist, das Teil muss auch wieder hoch. Dann gab es extra noch eine Szene, wo man es schieben musste. Für mich als Komiker, der so ins Schauspielen reingerutscht ist, war es sehr schwer, die Spannung und Emotion immer wieder abzurufen. Oliver kennt lange Pausen und zwölf Stunden drehen aus jahrelanger Erfahrung, aber ich hab normalerweise zwei Stunden auf der Bühne, 15min Pause. Fertig. Dafür sind die Gespräche beim Schieben und beim Biertrinken sehr schön gewesen.

Oliver Wnuk: Für mich war es eine Herausforderung, die Figur glaubwürdig darzustellen und sie nicht für den schnellen Witz, im Format der Komödie, zu verraten. Beim Bierbike schieben wusste ich, dass ich mich aus versicherungstechnischen Gründen nicht beteiligen darf (allgemeines Lachen).

bonnFM: Lavinia Wilson spielt ja die einzige Frau in der Truppe, die immer die Männer dazu drängt, über ihre Gefühle zu sprechen. Ist es in eurem Alltag auch die Frau, die den Anstoß gibt für solche Gespräche?

Holger Haase: Ich habe das Problem nicht, ich bin ein sehr emotionaler Mann. (Alle Lachen). Ich meine das aber zu 80 Prozent ernst.

Oliver Wnuk: Das ist wirklich typisch Mann. Der Andere sagt er sei sensibel, die anderen lachen und schnell ruderst du wieder zurück und machst einen Scherz daraus. Selbst im Interview verkaufen wir dieses reaktionäre Männerbild. Es gibt eigentlich keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Holger Haase: Zwischen mir und meiner Frau ist das privat sehr ausgeglichen. Jeder spricht mal etwas an. Olli hat aber natürlich recht, dass bei Männern viel nonverbal abläuft. Der Satz ist auch im Film. Von der Qualität sind Männer und Frauenfreundschaften, denke ich, unterschiedlich. Bei Männern ist ein Streit unkomplizierter gelöst, während es bei Frauen oft sehr emotional und um Leben und Tod geht. Ich will das gar nicht verallgemeinern, aber das sind meine persönlichen Erfahrungen.

Chris Tall: Ich denke, es gibt immer noch Männer, die Gefühle nicht zulassen wollen und sagen „Eh du Mädchen“. Aber wir kommen langsam in eine Zeit, wo Männer offen zu ihren Gefühlen stehen und Frauen sagen „Eh ich hätte gerne ein Bier“. Tussis und herzlose Arschlöcher verschwinden und alle werden cooler unter- und miteinander.

Oliver Wnuk: In der ganzen Diskussion geht es doch darum, dass die Gesellschaft ein bestimmtes Bild verkauft, dem man entsprechen soll. Das baut Druck auf. Wenn Männer und Frauen sich streiten, geht es nicht um die Sexualität, sondern darum, dass zwei Egos aufeinander knallen. Männer und Frauen streiten nicht anders, jeder rennt nur gewissen Bildern hinterher und sind enttäuscht, wenn diese nicht erfüllt werden. Ich hoffe, das war verständlich ausgedrückt.

bonnFM: Auch wenn die Bilder sich ändern, passend zum Filmtitel die Frage: Wie sieht für Euch ein richtiger Männertag aus?

Chris Tall: Bei mir sieht der ganz anders aus als im Film. Zu mir kommen Kumpels und wir zocken FIFA. Das wars. Wer spricht, hat verloren. Keine Tränen. Außer man verliert. Ich habe viel geweint (lacht).

Holger Haase: Ich lebe in Berlin und sehe öfters diese Bierbikes. Irgendwann werde ich das mit meinen besten Kumpels auch mal machen, einfach um es auszuprobieren. Würde ich einen Männertag feiern, wäre er komplexer als der von Chris. Nein, also man schmeißt mit Kumpels den Grill an, zockt FIFA. Wer verliert darf weinen. Wird aber nicht in Arm genommen (lacht).

bonnFM: Chris, wie bist du als Komiker zum Film gekommen?

Chris Tall: Vor 3 Jahren wurde ich zum Casting von „Abschussfahrt“ eingeladen und wenn man einmal eine Hauptrolle hat, dann läuft es. Bei „Smaragdgrün“ suchten sie den lustigen Dicken und haben mich angefragt. Paul hingegen ist nun meine erste komplexe Rolle. Ist er ein Emo? Ist er dumm? Man kann es nicht richtig greifen. Mir gefiel, dass er sehr herzlich ist und nur verstanden werden möchte.

bonnFM: Und noch eine Frage für Oliver: Du hast Bücher und Hörbücher geschrieben. Wie sieht es mit Drehbuchschreiben aus?

Oliver Wnuk: Holger wird es bestätigen, Drehbuch schreiben und das es umgesetzt wird, sind zwei verschiedene Dinge. Mir gefällt am Drehbuchschreiben nicht so sehr, dass 1000 Leute meinen, rein quatschen zu müssen. Das nervt mich, deshalb habe ich nicht so große Lust dazu.

bonnFM: Abschlussfrage: Zukünftige Projekte.

Oliver Wnuk: Ich spiele ja regelmäßig in „Nord, Nord, Mord“ mit, wo bald ein neuer Film kommt und wir im Oktober wieder auf Sylt drehen. Und mit dem „Doppelten Lottchen“ habe ich zum ersten Mal in einem Kinderfilm mitgespielt, was auch schön war.

Holger Haase: Ich habe für die Premieren gerade drehfrei bekommen. Morgen früh um 5 Uhr geht es wieder nach Berlin, wo ich fürs ZDF eine Komödie drehe, mit dabei auch Hannes Jaenicke (Mauz). Im Herbst noch etwas für Sat1 und danach habe ich noch viele Optionen.

Oliver Wnuk wirft ein: Ja, ich habe auch viele Optionen, aber kann noch nichts genaues sagen (lacht).

Holger Haase: „Dating Alarm“, den ich auch mit Axel Stein (Klaus-Maria) und Tom Beck (Chris) gemacht habe, kommt jetzt auch bald auf Sat1.

Chris Tall: Ende diesen Jahres läuft im Fernsehen eine Sitcom, in der ich mitspielen durfte und im Kinofilm von Bülent Ceylan habe ich einen Gast-Auftritt. Ende Juni wurde zudem mein Soloprogramm für eine DVD aufgezeichnet, diese wird jetzt im Oktober veröffentlicht. Das war in Oberhausen vor 10.000 Leuten. Ein riesen Ding. Einmalig. Das hat es so noch nie gegeben (lacht).

Holger und Oliver: Angeber!

Chris Tall: Spaß beiseite. Meine Tour geht ab morgen weiter. Das ist mein täglich Brot und ich liebe das direkte Feedback der Leute. Am Set muss man ja ruhig sein, das ist für mich viel anstrengender und eine Herausforderung, denn ich weiß nicht, ob mein Tun bei den anderen ankommt. Lachen, Klatschen: darauf freue ich mich. Und wie es mit dem Schauspielern weitergeht, mal gucken. Ich bin offen für alles! Hey! Quentin Tarantino! Hier ist meine Nummer… (lacht)!

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